Stilstand

If your memory serves you well ...

Dichter Niebel

Zum Jahreswechsel hier das entschlossene Statement eines geborenen Wolkenschiebers und Tatsachendrehers aus jenem Klüngel, der sich einst als jedermanns Wunschpartner und lauthälsige Stimme zur letzten Vernunft zu positionieren trachtete:

Im SPIEGEL fordert FDP-Spitzenmann Niebel CDU und CSU auf, den Liberalen entgegenzukommen. Schließlich sei die Union darauf angewiesen, dass auch der Partner mit einem „guten Ergebnis über die Ziellinie gehe“.

Soso – ist sie das? Bei solch gewagter Sprachakrobatik beginnt für mich dann immer die politische Reise nach Jerusalem. Wo notorisch die Wahrheit keinen Stuhl mehr vorfindet, während alle anderen an ihren Posten kleben. Fakt ist: Die Union ist längst nicht mehr auf das Liberallala ‚angewiesen‘, schon gar nicht in dessen komatösem Zustand. So pfeifen es die Spatzen von Berlins Dächern. Die Schwarzen sind faktisch und unentwegt in alle anderen Richtungen am Sondieren. Wowis rasante Kehrtwende ist doch nur das Vorspiel neuer Konstellationen gewesen.

Unverdrossen aber etwas in Sprache zu hüllen, was längst dem Realitätsempfinden des Publikums mit dem Mors ins Gesicht springt, das dürfte derzeit das größte Problem des Patienten FDP sein – wie auch das des Dichters Niebel: Erst gilt es mal, auf dem Boden der Tatsachen anzukommen. Nach unsanftem Aufprall kann man versuchen, wieder erste kleine Brötchen aus liberalem Brotteig zu backen, aus dem echten, und nicht aus neoliberaler Blähware.

Allen Lesern des Stilstandes einen guten Rutsch …

1 Kommentar

  1. „Shalom, Totes Meer!“

    – als Beispiel für kleine Schlag- oder Prügelzeile; zwei oder drei Degustationskubikcentimeterchen schärfer als „dichter Nebel“ (offenbarer Geheimtipp für Piraten):

    S. Titanic: „Brief an Leser“:

    http://www.titanic-magazin.de/badl_1201.html

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