Ein – so erschien es jedenfalls mir – nicht sonderlich komplex gestrickter Spitzenkandidat der brandenburgischen FDP mit dem schönen Namen Hans Lanfermann, der durfte gestern auch kurz vor die Kameras treten, um Staatstragendes zu verkünden. Wörtlich sagte er:

„Wir brauchen Wirtschaftswachstum, damit wir uns den Sozialstaat überhaupt noch leisten können“.

Die Dialektik bestünde nun darin, solche Aussagen erst einmal ‚auf den Kopf zu stellen‘, also auf die Negation einer Aussage zu verfallen. Denn im Umfeld einer massiven Wirtschaftskrise, wo überhaupt nicht ausgemacht ist, wann und wie wir wieder zu Wirtschaftswachstum kommen, kann die Lanfermannsche These nur stimmen, wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen, wenn also DAX und Beschäftigung Arm in Arm durchs grüne Gras einer blühenden Konjunktur schreiten. Es ist eine blitzblanke Wachstums-Ideologie, verknüpft mit dem ‚Prinzip Hoffnung‘. Die ‚Spiegelung‘ der Aussage ist in solchen Fällen sinnvoll: Die schlichte und realistische Negation der Aussage lautet, unter Umkehrung des ‚Bedingungen‘ stellenden Konditionalsatzes dort oben:

„In einer Krise, bei schrumpfender Wirtschaftsleistung, können wir uns den Sozialstaat nicht mehr leisten“.

Das allerdings dann wäre der geoffenbarte Liberalismus – der stets geleugnete Herzenswunsch, den Sozialstaat zu schleifen, ein „Jeder für sich und Gott gegen alle„. Und wer das überlebt, ist ‚Leistungsträger‘. Dieser Wunsch ist in Lanfermanns Aussage ‚implizit‘ und logisch komplett enthalten, so ‚tickt‘ der Mann nun mal. Bleibt für uns das bekannte Lenin’sche ‚Was tun?‘, die ‚Synthese‘, die ‚Position‘ und ‚Negation‘ gleichermaßen durchbricht und Handlungsmöglichkeiten freisetzt:

„Wenn wir den Sozialstaat auch in der Krise erhalten wollen, dann dürfen wir ihn nicht länger mit der Hoffnung auf Wirtschaftswachstum finanzieren.“

Mit anderen Worten: Wir müssen dann wohl nolens volens andere Quellen zur Finanzierung heranziehen. Süsst woll – schon guckt der Herr Lanfermann böse, sollte er dies lesen …