Stilstand

If your memory serves you well ...

Der Sachverstand der Ökonomen

Ausgezeichnet als ‚weltbeste Bank‘ vom World Economic Forum in Davos. Tscha, das klingt doch mal gut. Da irren sich die dort versammelten Ökonomen einfach nicht, das ist einfach nicht möglich, schließlich trifft sich dort der wirtschaftliche Sachverstand dieser Welt zum alljährlichen Konklave:

„Die Quartalsprofite stiegen im irischen Bauboom 22-mal in Folge. Dadurch wurde die [Anglo-]Bank das Vorzeigeunternehmen des «keltischen Tigers», ihr Vorsitzender Fitzpatrick der einflussreichste Manager – und Golfpartner des irischen Premiers Brian Cowen. Im Januar 2008 wurde Anglo auf einer am World Economic Forum in Davos publizierten Rangliste zur «besten Bank der Welt» ernannt. Elf Monate später machte sie mit 17,7 Milliarden Euro den höchsten Jahresverlust der irischen Wirtschaftsgeschichte.“

Und was passierte nach diesem Desaster? Fiel es endlich jemandem auf, dass Horoskopie und Ökonomie annähernd Synonyme sind? Und kamen die Verantwortlichen mit ihren ungewaschenen Mäulern denn jetzt wenigstens auf den verdienten Scheiterhaufen? Ach, woher:

„Die Träume von Fitzgerald und Bowe wurden wahr. Der irische Staat übernahm Anglo Ende Januar 2009: Als Staatsdiener machten beide Karriere: Fitzgerald wurde in der neuen Bank Kommunikationschef, Bowe Direktor der Entwicklungsabteilung.“

Tscha, wer sagt denn, dass Verstaatlichung immer schlecht sei? Es kommt auf die individuellen Umstände an. Und was war die weitere Folge der Katastrophe:

„Die neue Regierung unter Enda Kenny setzte Cowens Sparkurs fort. Deshalb feierten die Austeritätsökonomen Europas Irland als Musterschüler. Renten, Spitäler, Polizei, Universitäten, Ämter wurden zusammengestrichen. Periodisch meldeten Wirtschaftsblätter, dass Irland nun wieder auf den Beinen sei.“

Das soll wohl heißen, dass Austerität angeblich etwas Gutes bewirkt. Aber hasse nich gesehn: „Irland fällt in die Rezession zurück.“ Wer aus deren eigenem Mund erfahren will, mit welchen Dreckskerlen wir es an der Spitze von Banken zu tun haben, und mit wem Ministerpräsidenten so zum Golfen schlendern, der lese diesen großartigen Artikel im Zürcher ‚Tagesanzeiger‘ vollständig. Und warum uns die bundesdeutschen Hochglanzmagazine so etwas nicht zumuten mögen? Nun, das weiß ich auch nicht …

2 Kommentare

  1. Ergänzend empfiehlt sich die Lektüre der Seite Drei der aktuellen Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung, auf der es um die Plünderung der irischen Ölvorkommen geht.

  2. Der Artikel ist wirklich grossartig. Dazu passend ein Wikipediazitat zu „Wallstreet“: „Vorbilder für Gordon Gekko waren die beiden Wallstreet-Millionäre Ivan Boesky und Carl Icahn. (…) Ivan Boesky hatte 1986 kurz vor seiner Verhaftung wegen Insidergeschäften bei einer Abschlussfeier der „Berkeley Business School“ eine Rede gehalten, die zum Vorbild von Gordon Gekkos „Gier ist gut“-Rede wurde. Wörtlich sagte Boesky unter Applaus und Lachen der Absolventen:[1] „Greed is all right, by the way. I want you to know that. I think greed is healthy. You can be greedy and still feel good about yourself.““ Ja, so sind sie…

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