Stilstand

If your memory serves you well ...

Der Fluch der bösen Tat

Der Spiegelfechter-Blog hatte vor einigen Wochen noch Feed-Zahlen von etwa 18.000, mittlerweile sind es um die 3.000. Die Leser wenden sich von Berger ab, weil der massiv nach rechts abgerutscht ist. Dazu diese unflätigen Umgangsformen. Zurück bleiben Pöbler und Verschwörungstheoretiker. Mich freut das nicht, im Gegenteil. Berger und Müller sind gerade dabei, zwei einmal anerkannte linke Informationsquellen, auch meine, zu ruinieren. Warum sie das tun, dazu müsste man wohl einen Psychologen befragen.

Yep, über rechts und links will ich hier nicht streiten, aber sie schreiben neuerdings jede Aufklärung in Grund und Boden. Die Sache mit den Klarnamen dort ist blanke Denunziatitis – und die Anzeige hat der Jens Berger sich dafür gründlich verdient. Was ihn umtreibt? Bin ich Hellseher? Gut, bei mir gäbe es nicht viel aufzudecken, weil ich unter meinem Klarnamen so schreibe, wie ich nun mal schreibe, und auch, weil ich einen Arsch in der Hose habe. Wenn hier verranntes Gesindel aufkreuzen sollte, dann hätte ich einen Hund. Falls das nicht reicht, hat die Polizei was zu ermitteln. Aber wer nicht unter Klarnamen texten will, den sollte man auch respektieren.

19 Kommentare

  1. Danke. Der letzte Satz ist wesentlich. Es ging bei dem Enttarnen ja nicht um eine Form der Aufklärung, dass also der Leser nun mehr wüsste oder Artikel von uns vieren besser einschätzen könnte. Es ging nur um den Versuch der Kompromittierung.

  2. Danke für diesen Text, Herr Jarchow. Da ist viel wahres drin, und da ich einer der ‚Enttarnten‘ bin, freue ich mich, bestimmt ebenso wie die anderen ‚Andersdenkenden‘, hierüber.

  3. David hat keinen Stein in der Schleuder. Also schmeißt er mit Dreck.

    http://www.spiegel.de/spiegel/a-567038-2.html

    Was bin ich froh, daß ich in der Trollhöhle des Spiegelfechters nie einen Kommentar hinterlassen habe…

  4. nazienkel hat sich so einen tollen nom de plume ausgesucht, der hervorragend als spiegel funktioniert: er weiss es von sich und die anderen, die angeblichen faschistenjäger auf TP und dem SF entwickeln sich gerade so, daß ihr opa stolz auf sie wäre … weil sie aber so dolle antifaschistis sind, dürfte es das letzte sein, was sie in bezug auf sich selbst bemerken könnten.

    niggemeier hat mich btw. von seinem blog geworfen, weil ich bemerkte, daß sich das internet zunehmend in einen virtuellen sportpalast verwandelt und längst das gröhlen eingesetzt hat.

    fahr’n, fahr’n, fahr’n auf der gedankenautobahn … ist schon seit 2 jahren mein leib und magen-thema und es macht mir keinen spaß, nun feststellen zu müssen, daß ich blöderweise irgendwie recht habe mit dieser ziemlich irren ideen eines nicht wirklich entnazifizierten landes, in dem die zunehmende beschleunigung nur noch ein „ja ode nein“ in drei millisekunden „aus dem bauch heraus“ zulässt, aber nicht mehr ein nachdenken, ob man gestern vielleicht ziemlich daneben lag.

  5. @ hardy: Der Nazienkel ist ja nicht der einzige: Mein Opa war auch in der SA. Allerdings ist er nach dem falsch benamsten ‚Röhm-Putsch‘ dann aus Ekel wieder ausgetreten, was ihm prompt viel Ärger einbrachte. Ganz und gar verrannt war der also nicht … was ich damit sagen will: Es gab noch nicht einmal ‚die‘ Nazis.

  6. @hardy
    Ja – und dass die Geisterfahrer auf der Autobahn sich durch die ‚Erfahrung‘ ihrer Ahnen in einer prädisponierten Situation sehen, die Welt zu befrieden, offenbart sich a la „der Weltfrieden muss von Deutschland ausgehen“. Bittere Zeiten – Fernlicht anschalten und einhalten…

    Je, Herr Jarchow, das ist mein Punkt: Es gab nicht ‚die Nazis‘ – es gab vor allem Deutsche: Mütter, Väter, Töchter und Söhne: Und eben – Enkel 😉 Und wir haben Verantwortung für uns,
    nicht für die Welt, die die Irllichter ‚freien wollen…Parteiausweis des Großvaters von ’29 – das zeigte mir, dass nicht irgendwelche Nazigrößen Dämonen waren, sondern auch die streichelnde Hand meines Großvaters teuflisch war…

  7. @ Nazienkel: Tscha, mein Opa – angesehener mittelständischer Besitzer und Erbe einer Papiermühle im heutigen Ungarn, unter Bela Kun dann enteignet und nach Flensburg geflohen, wo er bei der Feldmühle AG wieder als Papiermüller arbeitete, allerdings dort mit dem Status eines Arbeiters. Diesen ’sozialen Absturz‘ hat er wohl nie verkraftet, die Inflation fraß auch noch den Rest seines Vermögens – so erkläre ich mir seine folgende Anfälligkeit für die Nazis. Bela Kun war ja Jude und Kommunist – und für ihn wohl damit gleich die doppelte Inkarnation des Bösen. Geredet hat er allerdings nie viel darüber, ich war auch noch zu jung, um mir solche Dinge zusammenzureimen. Da kamen später erst die Geschichten der älteren Geschwister dazu …

  8. Muss erwähnen, dass meine ‚Naziopas‘ aber auch liebende Menschen sein könnten – so pervers das für manche sich anhören mag. Des waren eben Menschen – und das böse ist banal.

    Üble Zeiten…

    Meine Großmutter z.B. fiel nach wenigen Schluck Alkohol gegen Ende ihres Lebens öfters in die Hirnwäsche zurück. Bzw., man merkte, dass das ‚Überschreiben‘ der Nazistrukturen nicht gänzlich gelang. Sie wurde gänzlich im dritten Reich sozialisiert.
    Mir tat das immer leid, auch wenn ich mich hierüber oft aufregen musste.

  9. Ich finde die Sache mit den Klarnamen beim SF auch ziemlich übel.
    Mich würde schon interessieren, ob du, Klaus, persönlichen Drohungen – virtuell oder real – erhältst. Ein Hund ist jedenfalls gut.

    Mein Naziopa, Sozialdemokrat aus Königsberg, träumte von neuem Lebensraum im Osten, konkret in der Ukraine. Kämpfen „durfte“ er aber nicht, da chronisch krank, und landete samt Familie schließlich im dänischen Flüchtlingslager. Er lebte noch bis in die 70er, als verbitterter, cholerischer Quartalssäufer. Zumindest brauchte er nicht mehr zu erleben, dass seine Enkelin einen Homo Sovieticus ehelichte 😉
    Meine Oma hat sich immer geweigert, über die Zeiten zu reden, es sei denn, dass sie sich ob ihres sozialen Abstiegs selbst bemitleidete. Die Tendenz, Feindbilder aufzubauen, hat sie allerdings nie aufgegeben, mit fortschreitendem Alter fühlte sie sich zunehmend von „den Ausländern“ bedroht. Aus ihrer Haut kam sie nicht raus…

  10. Ach ja – solche Drohungen sind bisher eher verbaler Natur. Dass man mich irgendwann kopfüber in den Mastdarm meiner CIA stecken würde – so etwas in der Art. Das geschieht aber nicht hier in diesen heiligen Hallen, hier führe ich ein strenges Regiment (7.500 veröffentlichte Kommentare meldet der Counter, 70.000 blockiert, darunter natürlich auch viel Spam) … vielleicht haben sie auch noch nichts wirklich Griffiges gefunden, was mich endlich als ‚Faschisten‘ oder so enttarnt hätte. Dass sie dort, beim Spiegelfechter‘, ausgerechnet einen Polizisten ‚geoutet‘ haben, finde ich übrigens ganz lustig. Dumm gelaufen, würde ich da doch sagen …

    Früher im seligen SPD-Forum war jedenfalls alles viel schlimmer. Dort schrieb ich damals unter einem Nick, was wiederum bezeichnend ist – als ‚Niklas Nixdorff‘. Da habe ich mir mein dickes Fell zugelegt, das ging dort hin bis zu körperlichen Drohungen, meine Dissertation wurde gekauft und ergebnislos auf verdächtige Stellen durchflöht, etc. Die betrieben dort richtig viel Aufwand. Die Forumsleitung war gnadenlos überfordert und unternahm nichts. Ich glaube ja, der Klarname ist sogar ein Schutz vor den Gülleküblern …

  11. @ Saiz: Von meinem Opa besitze ich ein recht trauriges Schwarzweiß-Foto: Da sitzt er am Tag seiner Pensionierung mit verbittertem Gesicht am Küchentisch, vor sich eine brennende Kerze und die billige Armbanduhr, die ihm die Feldmühle AG für langjährige treue Dienste geschenkt hatte. Er starb bald darauf.

  12. sorry, ich hatte gestern großkampftag – nicht nur 5 wochen tv programm, davor saß ein freundlicher und kluger chinese hier, der seine masterarbeit über brecht und den einfluss der pekingoper auf seine poetik von mir sprachlich glätten läßt. der rest des tages ging für die zubereitung eines pot-au-feu im kreise einer erweiterten familienWG und das auflegen eines emotionellen pflasters drauf.

    @klaus

    meiner (väterlicherseits) war christlicher gewerkschafter und saß nach der übernahme der saar, gegen die er mit 7% anderer saarländer ankämpfte, zuerst mal im kz. die familie meiner mutter kenne ich nicht en detail, kann ich nichts zu sagen. der opa meiner ersten frau war ind er ss und hat sich am ende in der garage aufgehängt.

    aber ich weiss nicht, ob du mich richtig verstehst: mir geht es nicht darum, was die großväter wirklich gemacht haben, mir geht es um das gift, daß in die generation unserer eltern und die gesellschaft, die sie nach dem krieg gründeten, injizierten und das – ohne daß wir dessen wirklich gewahr sind – auch auf uns überging.

    an der stelle mache ich noch mal reklame für „heidschi bumm beidschi“, diese doku über den deutschen schlager auf arte, die mir radikal klarmachte, wie die deutsche gesellschaft in den 60ern das „art- und rassefremde“ (die NEGERMUSIK!) fernzuhalten suchte und was das für uns bedeutet: die nazis regierten immer noch und das land war alles andere als entnazifiziert. das fing erst mit unserer intervention gegen unsere eltern an. aber das gift, das war trotzdem da und wir wurden in ihm gebadet. die RAF wäre was, worauf der gröFAZ stolz gewesen wäre.

    mein vater, sohn eines widerständlers, aufgewachsen in einem katholischen haus, hatte – ohne daß er das bei sich selbst bemerkte – das ganze gift aufgesogen – und wie er haben unsere eltern (als abstrakt) subtil die ganze unkultur in die unsere überführt. und, daß die namen, die in „die flakhelfer“ als parteimitglieder gelistet sind (ich sage nur genscher), bis heute nicht öffentlich genannt werden (ausser ein einziges mal in einer ard-doku nach einem jahr) sagt mir jedenfalls alles: wir müssten mal entnazifizieren und die namen gehören genannt.

    auf der anderen seite gilt die kluge einsicht des autors, wie dumm die vertuscher doch sind, wenn sie vertuschen, statt ihre abkehr vom NS System zu betonen

    ich verstehe „nazienkel“ also anders als du es vielleicht tust. als einen ausdruck davon, daß der nazi im grunde immer noch in uns tobt und sendungen wie „deutschland sucht den superstar“ mehr mit fachismus zu tun haben, als uns das lieb sein kann. für mich liegt ja das wesen des NS-systems eher in den statuen eines breker als in schnurrbärten und uniformen.

    ist vielleicht ein mißverständnis, lieber nazienkel, aber … so wie brecht eine pekingoper in moskau sieht und alles, aber auch wirklich alles falsch versteht … und am ende doch die richtige konsequenz zieht … manchmal generieren missverständnisse ja doch die richtige erkenntnis 😉

    das mit dem „der schauspieler beobachtet sich selbst während der arbeit“ hat er übrigens auch komplett falsch verstanden, aber ich halte jetzt lieber mal keinen vortrag über meinen erkenntnisgewinn in sachen pekingoper und wie man als zuschauer die „kunst des zuschauens“ erlernt auch nicht.

    ach ja: doch noch ein schmankerl aus meinem langen gespräch gestern abend: wir konnten uns vorstellen, daß das uigurenproblem ähnlicher natur sein könne wie das in der ukraine. china fühlt sich – so mein besucher – eher von russland bedroht, als vom „westen“ und für russen haben chinesen nur verachtung übrig und betrachten sie als ungehobelte barbaren, die im gegensatz zu chinesen keine langfristigen pläne zu denken in der lage sind.

    über die pipeline haben wir lang und ausgiebig gelacht.

  13. ps: die geschichte meines großvaters wird im buch „milieus und widerstand“ von gerhard paul erzählt, auf seite 78 befindet sich die schilderung, wie sich das dorf zusammenrottete, vor seinem haus eine strohpuppe verbrannte und im januar christliche totengesänge gröhlten. er floh nach frankreich, kam zurück und landete in der folge im kaz, wo er nur wieder rauskam, weil er – wie fritz bauer – eine erklärung unterschrieb, politisch still zu halten.

    diese geschichte kenne ich nur aus diesem buch, niemand in meiner familie hat mir sie erzählt, als ob sich alle für den „quertreiber“ schämten … er war bis zu seinem tod im „feindesland“.

  14. Das ist ja interessant – würdest Du mir, lieber Hardy, einen Auszug senden können? Du hast doch bestimmt Scans davon, oder so? Bin gerade so chronisch abgebrannt, aber mag dieses Thema ja. Und google.books ist irgendwie nicht so mein Freund gerade…

  15. Ok. Erzähl ich auch etwas aus dem Nähkastchen:
    Der eine Teil kam aus Würzburg und der andere aus dem Superlativ von katholisch. Paderborn. Von dem Teil habe ich auch nicht wirklich nicht viel mitbekommen, außer er immer Tischler war und den Krieg in Lille an ihm vorbeiging.
    Der andere Teil der Familie war auch recht geschont. Großvater Polizitst, Großmutter in der Nazizeit Krankenschwester.
    Er erzählte immer davon, dass er einen Juden vor der Abholung angerufen und gewarnt hätte, wobei ich ihm das nicht wirklich geglaubt habe und eher das Gegenteil annehme. Ein Rädchen im System. Hätte ich anders gehandelt, wer weiß?
    Großmutter beschwerte sich immer über die Scheißsudetendeutschen, zuerst hatten sie den Hitler gewählt und dann nahmen die Drecksbettler den knappen Wohnraum weg. Fand ich ziemlich cool. Sie redete sich bis zum Ende ihres Lebens ein, dass die Bomben auf Würzburg ein Versehen waren und der Wind sie dorthin getragen hätte. Mögen sie Frieden ruhen.
    Nazis waren sie nicht. Aber sie funktionierten.

  16. @nazienkel

    ich habe dummerweise keinen scanner aber da ich ja weiss, was das buch kostet (das wäre eher was für klaus, ich hab’s geschenkt bekommen), frage ich mal meine mittlere, die an der uni an so nem kopierer sitzt. kann also ein klitzekleines bißchen dauern. meine email findest du auf der tv3.de radioseite unter „feedback“ (ich wills den mitlesenden lurchen nicht zu einfach machen)

    @someone

    ich befürchte, die großeltern sind nicht wirklich das problem. die lebten in er bestimmten zeit und sind mit deren ideen und erfahrungen großgeworden. vielleicht hätten wir zwei unter den gegebenen bedingungen auch „funktioniert“.

    wir müssen viel stärker auf die letzten 65 jahre gucken und auf den strahlenden restmüll, den wir auszublenden neigen, also eben so etwas wie „hol die wäsche von der leine, die zigeuner kommen“ oder die gerade wieder in mode gekommene schwarz/weiss denke, die „freunde und feinde“ kennt, einem „perfekten zustand“ nacheifert.

    sich nur mit den alten zu beschäftgen, lenkt den blick von uns ab. so funktioniert ja auch diese angebliche „faschisten“ hatz unter angeblich „linken“: die starren so auf die „kriegstreiber“ und stellen sich ihn als eine karikatur aus ihrem geschichtsbuch vor … und verstehen nicht, daß sie die „kriegsrechtfertiger“ sind und ihr feindbild sich in nichts von dem des die gesellschaft unterwandernden juden unterscheidet.

    nur weil sie diese fähigkeit der selbstbetrachtung oder -kritik nicht haben und ihren affekten statt ihrem verstand zu folgen, sind sie zu den dummheiten fähig, mit denen wir uns wiederum fassungslos konfrontiert sehen.

  17. Sehr interessante kleine Familiengeschichen, die man hier so lesen kann. Ja Hardy, da hast Du auch ein bißchen Recht bei meinen Gedanken zur Namensgebung – Selten will sich niemand mit der unrühmlichen Erinnerung, der traurigen Nazivergangenheit erinnern. Traumatisierte Menschen haben Kinder erzogen, bestimmt nicht als Monster, aber das ‚Gift‘ würde nie mit einem Antisot behandelt. Keine Therapie, keine PtBS. Dafür Wirtschaftswunder, Mauer und ‚doofe amerikanische Kultur‘. Und heute blitzt der blanke Hass auf die ‚Besatzer‘ mehr und mehr durch. Drüben im gagaforum spricht man schon wieder von ‚tommies‘.

  18. @ hardy und Nazienkel: Das betraf ja nicht nur den politischen Bereich, sondern auch den ’sittlichen‘. Der Bruder meiner Mutter, der Onkel Rudi, fand nach dem Krieg in Flensburg bei Beate Uhse eine Stellung als Buchhalter. Ich weiß nicht, ob er da jemals einen Dildo persönlich sah. Aber so etwas ‚ging ja nu moal goar nüch‘. Er war seither das schwarze Schaf der Familie … er wurde schlicht ausgestoßen. Die ‚toitschen Tugenden‘ und das Klemmitum lebten unverändert fort … meine Mutter hielt mir als Kind die Augen zu, wenn auf der Straße sich Männlein und Weiblein öffentlich küssten. Was in Bremerhaven, der Hauptstadt der ‚German-American-Froindschaft‘, nicht gerade selten vorkam …

  19. [..] das Klemmitum lebten unverändert fort

    das, klaus, ist der kern dessen, was ich sage – das NS system war weg aber die nazis und ihre „denke“ eben immer noch da.

    ich hoffe, du gehst den nächsten schritt auch mit: wir sind in diesem dreck groß geworden und er klebt auch an „uns“, ohne daß wir es selbst bemerken, diese gesellschaft hat immer noch so viel nazistisches gedankentum, ist immer noch damit beschäftigt, die mitgliedschaft (und was es bedeutete, mitglied in der NSDAP gewesen zu sein, da kam man ja nicht so einfach rein) ihrer besseren gesellschaft zu vertuschen – stellt sich nicht dem kritischen blick auf das, was war und immer noch ist.

    genscher war NSDAP mitglied. das ist der grund, warum er kein bundespräsident werden konnte. redet irgendeiner darüber?

    qed.

    selbst 65 jahre später sind wir immer noch nicht in der lage als gesellschaft, das zu thematisieren und uns zu fragen „wer hat eigentlich die bundesrepublik intellektuell eingerichtet?“ und warum geraten die immer noch in hysterische panikattacken, wenn die mitgliedschaft nachgewiesen wird. es waren ja viele, die auch uns geprägt haben, nicht nur „böse“ auch welche, die eigentlich stolz auf ihre leistung, demokrat geworden zu sein, sein könnten. gerade die reagieren am hysterischsten.

    ich hoffe, du hast oder wirst dir das buch bei gelegenheit mal zu gemüthe führen, es ist eine lohnenswerte und augenöffnende lektüre – und, das ist das wirklich beeindruckende – eine ausgestreckte hand statt eines vernichtenden urteils.

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