Vertiefte ökonomische Kenntnisse wurden von Dichtern und Denkern ja auch nie verlangt.“

Eben, eben – und in diesem Fall heißt der kühne Dichter Reinhard Mohr. Als neoliberaler Geisterfahrer erzählt er uns die Geschichte von den vielen Geisterfahrern, die er aus ganz Europa auf Germaniens treudoofes Sparmobil zurasen sieht. Motto: ‚Alles Rowdies, außer Deutschland!‘. Am Schluss wird die Story dann ein wenig schlabberig, weil nach fünfzig Zeilen schon alle Argumente tot über die Leitplanke flogen. Der Leser wischt sich die fiebrige Stirn und fragt: ‚Was hat er gesagt, was soll ich jetzt machen …?‘. So ist das im modernden Qualitätsjournalismus halt …

Wie das Thema aussieht, wenn man’s mit ein wenig Recherche statt mit Neo-Lyrikalismus angeht, sieht man übrigens bei ‚arte‘: „Die Geretteten sitzen – anders als häufig vermittelt und von vielen angenommen wird – nicht in den ärmeren Eurostaaten, sondern hauptsächlich in Deutschland und Frankreich. … „Staatsgeheimnis Bankenrettung“ ist der leidenschaftlichste Film, der je zur Bankenkrise gemacht wurde.“ Da hat jemand tatsächlich mal eine spannende, neue Story verfasst, und nicht den ewiggleichen Langweiler von den fleißigen Deutschen und den unverantwortlichen Europäern abgenudelt, die allesamt über ihre Verhältnisse gelebt hätten, während wir hier höchst frugal an den harten Schwarzbrotrinden nuckelten …