Der Journalismus wird sich also wandeln – nicht, weil er mit einem bestimmten Medium verbandelt wäre; nicht, weil er Arbeitsplätze bietet oder Rendite einfährt, sondern weil seine gesellschaftliche Funktion wichtig ist. Wir stehen also nicht vor der Frage, ob der Journalismus untergeht, sondern welche Gestalt er als nächstes annehmen wird. Unsere Aufgabe besteht darin, dass wir Instrumente finden müssen, mit denen wir journalistische Aktivitäten finanzieren und effektive Verbreitungswege für sie fördern können.“

Mein Reden: Wir haben nicht das Ende des Journalismus erreicht, sondern das Ende holzmedialer Bequemlichkeiten und dasjenige des massenmedialen Gatekeeper-Modells. Es geht jetzt gewissermaßen ‚back to the roots‘: Die meiste Zeit ihrer Geschichte waren Journalisten arme, schreibende Würstchen, die sich nur mit ihrer Feder rächen konnten. Und wer herausragte, wurde Schriftsteller, nicht etwa Alphajournalist …

… Ein Mann im Garten Früchte brach;
Ich fragte, seit wann die Stadt hier sei?
Er sprach und pflückte die Früchte fort:
»Die Stadt steht ewig an diesem Ort
Und wird so stehen ewig fort.«

Und aber nach fünfhundert Jahren
Kam ich desselbigen Wegs gefahren.
Da fand ich keine Spur der Stadt;
Ein einsamer Schäfer blies die Schalmei,
Die Herde weidete Laub und Blatt;
Ich fragte: »Wie lang‘ ist die Stadt vorbei?«
Er sprach und blies auf dem Rohre fort:
»Das eine wächst, wenn das andre dorrt;
Das ist mein ewiger Weideort.«

Und aber nach fünfhundert Jahren
Kam ich desselbigen Wegs gefahren …

Friedrich Rückert: Chidher