Lese ich nach Wahlen eine Headline, die da lautet „CDU stärkste Partei im Norden“, dann denke ich, es müsse sich hier wohl um den Wahlsieger handeln. Im Nachfolgenden erfahre ich dann, dass diese ’stärkste Partei‘ auf niedrigem Niveau stagnierte, dass sie also ihre Oppositionsrolle nicht zu nutzen verstand, ebenso wie ihre Buddies von der FDP, denen trotz eines Kubicki der Hut mit minus vier Prozent ganz besonders tief über beide Ohren gezogen wurde. Gegen alle Prognosen gewannen nämlich die beiden Regierungsparteien, die sonst bei Kommunalwahlen zumeist kräftig absacken (plus 3,2 und plus 3,4 %). Und das trotz einer inzwischen nahezu unüberschaubaren Berichterstattung über die furchtbaren Steuerpläne und die Kindersex-Vergangenheit der Grünen, wie auch über die Fettnäpfchen des Peer Steinbrück.

Gut, es handelt sich hier ‚bloß‘ um Kommunalwahlen, und um die ‚Kieler Nachrichten‘, eine zutiefst schwarze Monopolzeitung mit ehemaliger CDU-Lizenz aus der Landeshauptstadt an der Ostsee, die inzwischen zum Madsack-Imperium gehört. Da mag beim Verleger angesichts des Wahlergebnisses wohl keine rechte Freude aufgekommen sein. Die Schlagzeilen von ‚Welt & Co.‘ lauten schließlich ähnlich verschwiemelt. Trotzdem deuten solche redaktionellen Eiertänze für mich auf das Leiden jener Redakteure hin, die in ihrem Alltag unerwünschte Gewinner unter ferner liefen, und die Verlierer als heimliche Gewinner rubrizieren müssen.

Sage noch mal einer, wir hätten keine Meinungspresse. Positiv gewendet: Wie wenig vermag die beim Wähler noch zu bewirken …