Stilstand

If your memory serves you well ...

Dank den Homosexuellen:

Wo die Weltliteratur stünde, gäbe es keine Schwulen oder Lesben in ihren Reihen, ist ziemlich klar: Sie wäre wesentlich ärmer. Eine erstaunliche Anzahl von Schriftstellern und Schriftstellerinnen war mehr oder minder bekennend ‚andersherum‘. Man soll aber die Kausalität nicht verdrehen: Nicht das Schwulsein fördert literarische Kompetenzen, wohl aber fördert eine exzentrische Position, die ein Mensch auf Grund seiner sexuellen Präferenzen im Leben einnimmt oder einnehmen muss, den ‚literarischen Blick‘, die andere Sicht auf die Dinge. Hier aus dem Kopf eine kleine Liste von Autoren, die heute weithin unbestritten als homosexuell gelten (Fragliche mit Fragezeichen):

Aristoteles
Wystan Hugh Auden
James Baldwin
Herman Bang
Roland Barthes
Johannes R. Becher
Brendan Behan
Paul Bowles
Clemens Brentano
Rétif de la Bretonne
Arnolt Bronnen
William S. Burroughs
Samuel Butler
Truman Capote
Bruce Chatwin
John Cheever
Jean Cocteau
Joseph Eichendorff
Hanns Heinz Ewers
Hubert Fichte
Michel Foucault
Friedrich der Große [?]
Garcia Lorca
Jean Genet
Stefan George
Nicolai Gogol
Julien Green
August Wilhelm Iffland
Hans Henny Jahnn
Heinrich von Kleist [?]
Leonardo da Vinci
Golo Mann
Klaus Mann
Thomas Mann
W. Somerset Maugham
Karl May [?]
Herman Melville
George Meredith
Michelangelo
Molière
Pier Paolo Pasolini
Roger Peyrefitte
August Graf von Platen
Plato
Marcel Proust
Fritz Joachim Raddatz
Gregor von Rezzori
Arthur Rimbaud
Sappho
Sokrates
Gertrude Stein
Lytton Giles Strachey
Mutsuo Takahashi
Paul Verlaine
Gore Vidal
Oscar Wilde
Thornton Wilder
Johann Joachim Winckelmann
Ludwig Wittgenstein

Die Liste ist sicherlich unvollständig, jede homophobe Literaturrezeption würde jedoch mit Sicherheit große Lücken in unser kulturelles Selbstverständnis reißen. Eine weitaus vollständigere Liste findet sich übrigens hier …

3 Kommentare

  1. Wenn Homosexualität eine Sünde ist und deswegen all diese Personen in die Hölle kommen sollen (genauso wie Atheisten und somit nahezu alle bedeuteten Wissenschaftler), dann ist man wenigstens in einer guten Gesellschaft.

  2. Kennst du die Anekdote von dem Atheisten der in die Hölle kommt? Er wacht unter Palmen im Liegestuhl auf, reizende Damen in Bikinis lesen ihm jeden Wunsch von den Lippen ab, ein Oberkellner, leicht hinkend und mit sardonischem Grinsen, kredenzt ihm leckere Drinks, nachts in der komfortablen Hütte geht mit den Damen die Post ab. Nur eins irritiert unseren ungläubigen Sünder: Wenn er am Strand um die nächste Palmenbiegung kommt, steht er vor einem tiefen Talkessel voller Feuer und Rauch. Dort werden Menschen von beschwänzten Henkersknechten gesotten und gebraten, Schreien und Barmen erfüllt die Luft, so dass unser angeekelter Atheist schnell in seine Idylle zurückeilt. Dort winkt er dann eines Tages den Oberkellner zu sich heran und fragt ihn, was das für ein Ort sei, dort hinter der nächsten Biegung? „Oh“, antwortet ihm dieser dienstfertige Geist, „dort leben unsere christlichen, jüdischen, muslimischen und hinduistischen Gäste. Die wünschen das so!“

  3. Mhm… Yukio Mishima hätte aber noch genannt werden können…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

© 2017 Stilstand

Theme von Anders NorénHoch ↑