Stilstand

If your memory serves you well ...

Buchhandel 2009:

Thalia Buchhandlung *Irgendwo*. Guten Tag!

Ja, guten Tag! Ich wollte mich erkundigen, ob Sie David Foster Wallace’s ‚Unendlicher Spaß‘ bei sich im Lager haben. Heute soll der Ersterscheinungstag sein – ich wollte mich nicht vergeblich aufs Fahrrad schwingen.

Also, das weiß ich jetzt auch nicht. Wir haben die Kartons von heute noch gar nicht ausgepackt.

Aber einen Lieferschein haben Sie doch sicherlich?

Ja, okay denn, ich gucke ma nach. Wie heißt der Mann?

David Foster Wallace.

Das ist aber nicht der Kriminalschriftsteller, nüch?

Nein, der hier ist ein wenig größer gewachsen.

Moment, ich hab’s schon. – – – Boah, das Ding hat ja 1.600 Seiten. Das ist viel zu dick für uns.

Ja, das kommt mir auch so vor. Auf Wiedersehen.

6 Kommentare

  1. Ja, das ist einer der Gründe, warum ich dem lokalen Buchhandel keine Umsätze mehr bringe.

    Eigentlich unterstütze ich ja lokale Infrastrukturen, selbst wenn sie einen gewissen preislichen Nachteil bedeuten, um sie zu Erhalten für ‚den Fall der Fälle‘ und auch aus sozialen oder nostalgischen Gründen. Nur erwarte ich dafür auch einen gewissen Service, der für mich einen Vorteil im Vergleich zu alternativen Angeboten bietet. Aber den kann mir der lokale Buchhandel leider nirgendwo bieten im Vergleich zu Amazon etc.

    Daher befürchte ich beim lokalen Buchhandel ein ähnliches Sterben wie bei manchen ‚Holzblättern‘, so traurig das auch ist. Aber auch hier hat man IMHO zu lange die Realität geleugnet und muss jetzt den Preis dafür bezahlen.

    Mitleid habe ich dafür mittlerweile nicht mehr, da Amazon und Co. nicht mehr die großen Unbekannten darstellen, sondern man geügend Zeit gehbt haben müsste, sich darauf einzustellen.

    Bye bye Buchhandlung, du wirst mir nicht fehlen.

  2. Ergänzung hierzu:

    Je länger man darüber sinniert, desto mehr stellt sich die Frage, worin der Vorteil einer stationären Buchhandlung liegen mag.

    Spätestens, seitdem die Verleger den Nutzen von Amazon erkannt haben, kann man nahezu jedes Buch auch Online probelesen, zudem bereichert um Kritiken/ Eindrücke anderer Leser, dazu das Erlebnis, andere, ähnliche Bücher über das Forum oder Lieblingslisten zu entdecken und das Ganze bei nahezu garantierter Verfügbarkeit kostenfrei innerhalb von 24 Stunden, ohne das Eigenheim verlassen zu müssen….

    Was mich mit meiner lokalen Buchhandlung derzeit noch verbindet ist ein Restguthaben von knapp über € 20 eines Geschenkgutscheins, den ich nicht vollständig eingelöst habe, da das passende Buch grade nichtmehr erhältlich war 😉

  3. Nur, dass Thalia keine typische lokale Buchhandlung ist…

  4. In der Universitätsbuchhandlung, die zu keiner Buchhändlerkette gehört, erhielt ich dann meine Erstausgabe. Die Verkäuferin dort wusste sogar, dass David Foster Wallace „der mit dem Hummer-Buch“ ist. Bei den großen Buchhandelsketten aber habe ich je länger je mehr den Eindruck, dass die Verkäuferinnen dort (ja, es sind meistens Frauen!) in ihrer Freizeit vor allem die Programmzeitschrift lesen und dass auf ihrem Ausbildungszeugnis ‚Floristin‘ steht.

  5. „Kleine“ Buchhandlungen sind meist recht gut und die Verkäuferinnen wissen vieles. Sogar hier in Berlin-Lankwitz. ich werde aber auch nicht vergessen, wie ich mal vor zig Jahren in der o8/15-Buchabteilung des Kaufhauses KaDeWe überraschend exzellent beraten wurde, auch von einer Dame. Ob das heute – sicher 20 Jahre später – noch so ist, wage ich zu bezweifeln. Aber, wie gesagt: kleine Buchhandlungen besuch‘ ich immer noch gerne und ich wurde auch noch nie enttäuscht.
    Äh, ich käme auch nie auf die Idee, in diesen Buch-Supermärkten eine Verkäuferin irgendwas zu fragen, es sei denn: „Wo ist die Kasse?“

  6. Lanze brechen.

    Meine Erfahrungen mit den beiden größten Thalia-Buchhäusern in Lachstadt sind durchweg positiv. Da gibt es viele nette Verkäufer, die durchaus kompetent sind – solange man sich nicht auf völlig unbekannten Pfaden bewegt [einen Roger Penrose auf Englisch in der Fremdsprachenabteilung zu suchen ist keine sonderlich gute Idee].

    Vorteil der Megabuchhäuser gegenüber klassischem Buchhandel: die haben wirklich ein unglaublich breites Angebot in den Regalen.
    Vorteil gegenüber Amazon: Keine Wartezeit von 2-3 Tagen.

    Übrigens, erinnert sich noch jemand an die ‚Der Buchhandel stirbt aus!‘ Rufe, als Thalia, Hugendubel etc. anfingen Buchkaufhäuser zu bauen? War bis in die Wortwahl dieselbe alberne Debatiererei wie jetzt bzgl. Indernett.

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