Stilstand

If your memory serves you well ...

Bücherlisten

Weil ich hier wieder mal über eine Liste jener Bücher stolperte, die angeblich jedermann gelesen haben sollte, setze ich einfach mal – streng prosaisch – meine eigene Liste dagegen (die Reihenfolge sagt nichts über den Rang aus, wer ein Drittel davon kennt, nähert sich in meinen Augen der Satisfaktionsfähigkeit):

1. Knut Hamsun: Hunger
2. Albert Paris Gütersloh: Sonne und Mond
3. Thomas Mann: Betrachtungen eines Unpolitischen
4. Johann Wolfgang Goethe: Wilhelm Meisters Lehrjahre
5. Wilhelm Raabe: Stopfkuchen
6. Gottfried Keller: Der grüne Heinrich
7. Alfred Döblin: Wallenstein
8. Heimito von Doderer: Die Dämonen
9. Jack Kerouac: On the Road
10. Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften
11. Franz Kafka: Das Schloss
12. Hermann Hesse: Narziss und Goldmund
13. Theodor Fontane: Der Stechlin
14. Erich Kästner: Fabian
15. J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe
16. Anton Cechov: Die Steppe
17. Leo Tolstoi: Auferstehung
18. Emile Zola: Der Bauch von Paris
19. Jean Genet: Notre Dame des Fleurs
20. Charles Dickens: Bleakhouse
21: Maxim Gorki: Klim Samgin
22. Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Grey
23. Joris Karl Huysmans: Da unten
24. Sherwood Anderson: Eines Geschichtenerzählers Geschichte
25. Stendhal: Rot und Schwarz
26. Herman Melville: Moby Dick
27. Wassilij Grossman: Leben und Schicksal
28. Jan Graf Potocki: Die Handschrift von Saragossa
27. Miguel Cervantes: Don Quixotte
28. Ernest Hemingway: Inseln im Strom
29. Casanova: Die Geschichte meines Lebens
30. Francois Rabelais: Gargantua und Pantagruel
31. Jean Paul: Siebenkäs
32. Kurt Tucholsky: Schloss Gripsholm
33. Heinrich Albert Oppermann: Hundert Jahre
34. Jeremias Gotthelf: Die Käserei in der Vehfreude
35. Kuno Raeber: Alexius unter der Treppe
36. Upton Sinclair: Der Dschungel
37. Nikolaij Gogol: Die toten Seelen
38. David Foster Wallace: Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich
39. Laurence Sterne: Das Leben des Tristram Shandy
40. Johann Carl Wezel: Hermann und Ulrike
41. Karl Gutzkow: Die Ritter vom Geiste
42. Johann Gottwerth Müller: Siegfried von Lindenberg
43. Hans Fallada: Wolf unter Wölfen
44. Peter Rühmkorf: Die Jahre, die ihr kennt
45. Ludwig Thoma: Altaich
46. Frank Schulz: Morbus Fonticuli
47. Clemens Brentano: Godwi
48. Heinrich Heine: Lutetia
49: Ilja Ehrenburg: Das bewegte Leben des Lasik Roitschwanz
50. Christian Reuter: Schelmuffskys curiose und sehr gefährliche Reisebeschreibung zu Wasser und Land
51. Joseph Conrad: Sieg
52. Grimmelshausen: Simplicius Simplicissimus
53. Luigi Pirandello: Die Aufzeichnungen des Kameramanns Serafino Gubbio
54. Fernando Pessoa: Das Buch der Unruhe
55. F. Scott Fitzgerald: Zärtlich ist die Nacht
56. Wilhelm Busch: Balduin Bählamm
57: Karl Immermann: Münchhausen. Eine Geschichte in Arabesken
58. Alain René Lesage: Gil Blas
59. Christoph Martin Wieland: Die Abderiten
60. Bertolt Brecht: Der Dreigroschenroman
61. E.T.A. Hoffmann: Klein Zaches genannt Zinnober
62: Erckmann-Chatrian: Ein Soldat von 1813
63: Michel de Montaigne: Essais
64. Pietro Aretino: Hetärengespräche
65. Fjodor Dostojevskij: Die Dämonen
66. Achim von Arnim: Die Kronenwächter
67. Willibald Alexis: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht
68. Heinrich Böll: Die verlorene Ehre der Katharina Blum
69. Vladimir Nabokov: Durchsichtige Dinge
70. Ödon von Horvath: Jugend ohne Gott
71. Sinclair Lewis: Babbit
72. Edgar Allan Poe: Arthur Gordon Pym
73. Jonathan Franzen: Die Korrekturen
74. Raymond Chandler: Die kleine Schwester
75. Lion Feuchtwanger: Erfolg
76. Heinrich Mann: Der Untertan
77. Joachim Ringelnatz: Als Mariner im Krieg
78. Henry Roth: Ein schwimmender Fels am Ufer des Hudson
79. Ulrich Holbein: Narratorium
80. Arno Schmidt: Leviathan
81. Karl Philipp Moritz: Anton Reiser
82. Samuel Pepys: Die Tagebücher
83. Jonathan Swift: Gullivers Reisen
84. Gustave Flaubert: Salammbo
85. Alvaro Mutis: Die Abenteuer und Irrfahrten des Gaviero Maqroll
86. Daniel Defoe: Moll Flanders
87. Italo Svevo: Zenos Gewissen
88. Iwan Turgenjew: Aufzeichnungen eines Jägers
89. Wolf von Niebelschütz: Kinder der Finsternis
90: Voltaire: Geschichte Karls XII.
91. Thomas Pynchon: Die Enden der Parabel
92. Tom Wolfe: Fegefeuer der Eitelkeiten
93. Ambrose Bierce: Des Teufels Wörterbuch
94. Sebastian Brant: Das Narrenschiff
95. Isaak Babel: Budjonnys Reiterarmee
96. Ludwig Börne: Briefe aus Paris
97. John Steinbeck: Früchte des Zorns
98. John Cowper Powys: Glastonbury Romance
99. Gustav Meyrink: Des deutschen Spießers Wunderhorn
100. Gilbert Shelton: Die Freak Brothers

Na also – ging doch! In einer Dreiviertelstunde hatte ich es in die Tastatur gehämmert, ganz ohne Autorendoppelung. Sehr viel ‚klassischer‘ als die Vorlage, ich weiß. Was lese ich auch ständig solch alten Scheiß! Ergänzungen willkommen.

14 Kommentare

  1. Gute Liste, die wird mir gute Dienste leisten bei der Auswahl meiner nächsten Lektüre, ansonsten hätte ich noch drei Vorschläge:

    Kurt Vonnegut – Schlachthaus 5
    Bram Stoker – Dracula
    Leo Perutz – Der Meister des jüngsten Tages

  2. Merlin van Reboe

    9. Februar 2010 at 21:01

    Interessante Anregungen. Übrigens doch nicht ganz ohne Doppelung, fällt mir gerade auf: Ludwig Thomas »Altaich« ist auf 45 und auf 70.

  3. Nö.

    Solche Listen beweisen nur eines: Es gibt zu viele Bücher. Ich könnte fast stante pede 100 ebenso lesensnotwendige einmaliger Druckwerke zustande bringen ohne eines der oben genannten dabei zu haben. Nicht, weil mir die hier nicht gefallen oder weil ich sie nicht für interessant, ja wertvoll hielte, sondern rein aus daffke.

    Kein Shakespeare, kein Charles Darwin, kein Alexander Pope, nichts von Molnar [immerhin Stephans Leo Perutz, Respekt]? Statt Douglas Adams und Norman Mailer David Foster Wallace und Tom Wolfe?

    Immerhin sind einige der spezifischen Werke üblicher Verdächtiger nicht ganz so abgegriffen. Der Poe, zu dem ich noch Jules Vernes Le Sphinx des glaces gesellen würde, ist ein außergewöhnliche Wahl, und für den Bierce gibt es trotz der Liste meine Hochachtung.

  4. @ Merlin: Hast recht – ich habe deshalb Nr. 70 durch Ödon von Horvath ersetzt.

    @ Dierk: Theaterstücke, Gedichte und ’nonfiktionale‘ Texte habe ich in meiner spontanen ‚prosaischen‘ Aufstellung gar nicht erst genannt. Daher kein Darwin, auch kein Lichtenberg und kein Shakespeare, sonst wären auch Benn, Trakl, Schopenhauer, Liliencron (‚Poggfred‘), Nietzsche, Stirner, Mauthner usw. an den Start gegangen.

    Der Tom Wolfe ist ein echter ‚Reißer‘, nahezu perfektes Handwerk – keine große Kunst à la ‚Ulysses‘, klar. Norman Mailer – das mag an meiner Blindheit liegen – ödete mich damals an. Die ‚Nackten und die Toten‘ habe ich nie zu Ende gelesen. Der Wallace – nun das ist vielleicht ein Spleen von mir, ich lese ihn wie ein Süchtiger.

    Doug Adams taucht deshalb nicht auf, weil ich dann den ganz großen Topf mit Fantasy oder Satire hätte aufmachen müssen: Dann wären auch Philipp K. Dick, Stanislav Lem, Sir Retcliffe, selbst Schnabels ‚Insel Felsenburg‘, aber auch Heino Jaeger, Eckhardt Henscheid usw. hier aufgelaufen. Dass diese Liste konsistent oder vollständig ist, will ich gar nicht erst behaupten. Unter anderem habe ich zum Beispiel des Saki ganz vergessen, fällt mir nachträglich auf …

    @ Stephan: Leo Perutz ist mir bis dahin durch die Lappen gegangen, er war für mich bisher nicht mehr als ein Name. Danke für den Tipp …

  5. Nichts gegen persönliche Vorlieben, war auch keine Kritik am Leser Jarchow. Schon gar, wo er sogar – im Nachgang – Heino Jaeger erwähnt, ein Mann, dessen CDs wohl auch nur eine Käuferschaft von 5 erreichen [Klaus Jarchow, mich, Pintschovius, und die anderen beiden als Reserve].

    Ist nur, Listen sind des Focus!

  6. Vom Heino Jaeger gibt es nicht nur CDs (die natürlich wegen des unverzichtbaren O-Tons weitaus besser sind als bloß lautlos Gedrucktes), sondern sogar ein voluminöses Buch nebst umfangreicher Biographie, von einem lebenslangen Buddy des Sprachneurasthenikers, eben jenem Pintschovius: „Man fasst es nicht“ (Kein & Aber Verlag). Auch wichtig wegen der skurrilen Gemälde und Zeichnungen, die wiederum auf CD nicht so gut ‚rüberkommen‘.

    Listen nehme ich selbst auch nicht sonderlich ernst, ich wollte nur mal wissen, was passiert, wenn ich meine Koryphäen aufzähle. Vermutlich sähe meine Liste morgen schon ganz anders aus. Objektiv ist so etwas jedenfalls nicht, noch nicht einmal für ein verkommenes Subjekt wie mich …

  7. Öha, wenn „kennen“ soviel heißen soll wie „ganz gelesen“, dann komme ich mit Ach und Krach auf das satisfaktionsfähige Drittel. Zum Teil würde ich bei manchem Autor, der hier genannt ist, andere Werke präferieren. Aber gut, es ist ja per definitionem eine subjektive Auswahl.

    Ach ja, Neben dem Ambrose Bierce macht sich übrigens auch das „Wörterbuch der Gemeinplätze“ von Gustave Flaubert ganz gut.

  8. Mein absolutes Lieblingsbuch: Bummel durch Europa von Mark Twain. Das ist Journalismus, wie er auch heute wieder praktiziert wird.

  9. @ verhuscht: Lies vom Mark Twain auch mal ‚Durch Dick und Dünn‘. Du wohnst dort der Geburtsstunde des Journalismus im Wilden Westen bei – und musst ständig um dein Zwerchfell fürchten. Sein „literarisch“ bestes Buch bleibt allerdings der ‚Huckleberry Finn‘.

    @ mark793: Dass sich bei jedem Autor auch ganz andere Texte nennen ließen, ist klar. Ich sollte aber von jedem Autor aber auch nur einen Text anführen, sonst wären vom Döblin bspw. auch ‚Babylonische Wanderung‘, ‚Berge, Meere und Giganten‘ etc. in die überlange Wurst gekommen …

  10. Was ich alles NICHT gelesen habe … Schande mir!
    Aber es freut mich doch ungemein, auf Ihrer Liste Niebelschütz, Bierce, Pynchon, Sterne, Potocki, Rabelais und Hohlbein (Ulrich, nicht Wolfgang) wiederzufinden.

    Bei Ihren Vorlieben rate ich unbedingt die Kurzgeschichten von Saki anzuschaffen (antiquarisch: Haffmans bzw. Zweitausendeins). Sie werden glücklich werden damit. Versprochen.

  11. Oh, ich schlampiger Schnelleser. Sie kennen ja den Saki.

    Und: Bitte bitte machen Sie doch mal die Kiste mir der in Ihren Augen kostbaren Phantastik ruhig mal auf. Würde mich brennend interessieren, wie sich eine „Verteidigung der Phantastik“ aus Ihrer Feder ausnehmen würde.

  12. @Klaus Jarchow
    Habe „Durch dick und dünn“ gelesen. In Sachen heutiger Journalismus gefällt mir „Bummel durch Europa besser“: Stellvertreter-Berichte; hochjubeln von Nichtigkeiten; Statistik (z.B. über die Brillen der Deutschen) u.v.a.m.
    Schön auch der Anhang über die deutsche Sprache.
    Ich habe immer mehr den Eindruck, so recherchieren heute viele Journalisten in Deutschland – nicht nur im Falle Hegemann.

  13. @Klaus Jarchow
    Entschuldigung für das falsch gesetzte Abführungszeichen.
    Es muss natürlich heißen:
    ….. gefällt mir “Bummel durch Europa“ besser:

  14. Schöne Liste – ich bin aber froh, daß dann doch nocht später Philip K. Dick genannt wird, übrigens hat er ja nicht nur SF geschrieben. „Eine Bande von Verrückten“ (doofe Übersetzung von „Confessions of a Crap Artist“) ist ein Klasse-Roman aus den 1950ern, der ein Amerika ziegt, wie es sonst eher selten dargestellt wird.

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