Es weihnachtet zunehmend – und da will ich mich an der sachte aufkommenden Frömmigkeit auch mit einigen Neuübersetzungen apokrypher Bibelstellen beteiligen, die dem Laien sonst nicht so unmittelbar einleuchten dürften. Beginnen wir mit dem Matthäus-Evangelium, einem Text, der sehr viel näher am gesunden Menschenverstand gebaut ist, als vieles, was der begnadete Dichter Lukas uns in seinem sattsam bekannten Weihnachtsmärchen zu erzählen weiß. Los geht’s:

„Die Geburt Jesu Christi geschah aber also: Als Maria, seine Mutter, dem Joseph vertrauet war, erfand sich’s, ehe er sie heimholte, daß sie schwanger war von dem heiligen Geist. Joseph aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen. Indem er aber also gedachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Joseph, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, dein Gemahl, zu dir zu nehmen: denn das in ihr geboren ist, das ist von dem heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, des Namen sollst du Jesus heißen, denn er wird sein Volk reinigen von ihren Sünden. Das ist aber alles geschehen, auf daß erfüllt werde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: „Siehe eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen Immanuel heißen, das ist verdolmetscht: Gott mit uns. Da nun Joseph vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm des Herrn Engel befohlen hatte, und nahm sein Gemahl zu sich. Und er berührte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und hieß seinen Namen Jesus. (Matthäus 1.1., Württembergische Bibelanstalt)

Tscha – so war das also. Um die etwas verwickelte Story, die heute kein Filmstudio mehr aufkaufen würde, etwas glattzubügeln und sendefähig zu machen, versuche ich mich hier an einer sachten Modernisierung:

„Maria, die mit dem Joseph verlobt war, stellte – oops! – plötzlich fest, dass sie schwanger war. Ihrem Verlobten konnte sie schlecht die Schuld geben, denn sie hatten erstens noch nie Sex gehabt, und zweitens lebte sie weit von ihm entfernt. Drittens wusste sie auch, wer es wirklich war. Also erfand sie („erfand sich’s“) einen gewissen heiligen Geist, der die Schuld haben sollte, denn den wirklichen Vater mochte sie nun wirklich nicht preisgeben. Der Joseph wiederum war ein frommer Mann und er glaubte in der Regel deshalb auch die wildesten Geschichten. Diesmal reichte ihm’s aber, und er wollte die Schnepfe schon sitzenlassen. Da aber kam ein PR-Agent vorbei, den der wirkliche Kindesvater bezahlt hatte, um dem Joseph mit längst vergangenen Prophezeiungen den Kopf zu verdrehen: Sein Sohn, der gar nicht seiner war, sollte ein gewisser Jesus werden, der in der Folge ganz Israel von Marias Sünden („ihren Sünden“) retten würde, sofern er doch nur die Vaterschaft anerkennen wolle. Joseph, dessen nicht eben brandheller Verstand von dem Geschwalle des Agenten ratzfatz überrumpelt wurde, sagte daraufhin ja und amen zur Notehe, und vergaß dabei völlig, den Mann zu fragen, weshalb sein Sohn, der gar nicht seiner war, denn unbedingt Jesus heißen müsse, und nicht Immanuel, so wie es der Prophet doch verkündet hatte. Da er aber nur ein schlichter Handwerker war und ein gegebenes Wort nicht brechen wollte, vergaß er solche unnützen Fragen schnell und heiratete die Maria. Wobei er sich aber rächte, indem er weder vor noch nach der Ehe Sex mit ihr hatte.“