Parteiprogramme sind bekanntlich eine Wundertüte. Die einzelnen Punkte in ihm sollen niemanden unnötig vergraulen und es möglichst allen recht machen. Die Folge: Beliebigkeit, Rumsülzen und Nouvelle Vague aller Orten. Den Vogel schießt mit ihrem wohlig Rundgelutschten aber derzeit die Hamburger FDP ab. Deren Euphemismus-Strategen produzierten sprachlich erstmals ein Wahlprogramm ohne alle Ecken und Kanten:

JA zu Kindern und Familien für Hamburg
JA zu verlässlicher Bildungspolitik
JA zu Arbeitsplätzen in Hamburg
JA zu Wissenschaft und Forschung
JA zur Verkehrspolitik mit Augenmaß
JA zu Freiheit und Sicherheit
JA zur Kulturpolitik
JA zum Sparen durch weniger Bürokratie
JA zur Umwelthauptstadt 2011
JA zur Vielfalt in unserer Metropole

Ja, ja, ja! Ich weiß auch nicht, warum mich dies kapitale JA so sehr an das IA des Esels erinnert. Hinter jeden Punkt ließe sich die rhetorische Frage stellen: „Ja, wer denn nicht?“. Nix mehr findet sich dort von „Mehr Netto vom Brutto“ oder „Leistung muss sich wieder lohnen“, den üblichen liberalen Wunderelixiren, an denen die Welt doch immerdar genesen soll. Buchstäblich alle Aussagen könnte auch jede andere Partei unterschreiben, ja, selbst noch der Autonome aus dem Schanzenviertel. Dieses Programm gleicht einem Miststreuer, mit dem der Bauer über den Acker fährt, um unterschiedslos alles zu düngen, das Unkraut wie den Weizen. Mit einem „JA“ als einziger Sachaussage jedenfalls wird das nichts. Denn Beliebigkeit ist nur ein anderes Wort für den Verzicht auf jedes Profil. Die Hamburger FDP möchte auf den Filzpantoffeln eines bloßen JA an die Macht …