Stilstand

If your memory serves you well ...

Bei Willi Wichtig unterm Sofa …

Ich weiß auch nicht, woher ich’s weiß, dass es sich wohl um ein Willi-Wichtig-Treffen handeln muss, wenn der beworbene Rummel ‚Future of Communication‚ heißt. Es könnte an diesem hölzernen Englisch liegen, das immer mehr nach der Bizziniss-School klingt als nach dem Normalnull des gewöhnlichen Erdenbewohners, oder es ist die Zierpetersilie dieser exquisiten Wortgarnitur … jedenfalls ist der innere Kommentar dann, wenn’s zu unbarmherzig an den Nerven des Lesers zerrt, eine gute Einübung für jede Kritik. Auch dann, wenn dieser Kommentar eigentlich noch nicht druckreif ist. Sei’s drum.

Denn mit gehaltvollem Stoff umzugehen, so, wie er uns allzu oft aus Marketing-Abteilungen, aus Unternehmensberatungen und Trendbüros entgegenschwappt, dazu gehört ein starker Magen. Hier eine mögliche Kombination aus einem solchen Intro-Text und der daraus folgenden abwehrstimulierenden Mentalsekretion, die ich in eckigen Klammern einfügte. Zur Illustration des Vorgangs der ‚allmählichen Gedankenverfertigung‘ habe ich diesen verborgenen Vorgang als Paralleltext einfach hier mal offen gelegt, denn beim Lesen treffen immer zwei Personen aufeinander. Daher gibt es auch unausweichlich diesen Dialog, nur meistens achten wir nicht darauf:

„Wer verstehen möchte [will ich das?], wie eine Marke morgen [erst morgen?] erfolgreich sein kann, braucht ein ganzheitliches Bild [Bist du’s, Rudolf Steiner?] „, sagt Michael Bohn [Ruhe da, keine Namenswitze bitte!], Chairman [ui!] und CEO [uiuiui!] von ZenithOptimedia [’n Wort wie’n Auffahrunfall!]. In dem  Thesenpapier [ah ja, Luther und so!] „E-Mensch trifft Tausendschön“ [wie bitte?] identifiziert er die fünf Trends „Allzeit bereit“ [kenn ich, Pfadfinder!], „Viele Leben“ [aha, Buddhismus!], „E-Mensch“ [alles klar, Roboter!], „Tausendschön“ [jaja, dieser Model-Wahn!] und „Egonanie“ [wen meint er denn damit nur?] als Treiber [das sind ‚die ohne Gewehre‘, die mit den orangenen Jacken] vieler wesentlicher [‚wesentlich‘ kommt immer viel gut] Entwicklungen in Medien und Werbung [wo auch sonst?] im kommenden Jahr [alles klar, Jahresendzeitlyrik also]. „Gesellschaftliche Entwicklungen prägen das Individuum und beeinflussen seine Mediennutzung [wie auch sein Ess- und Paarungsverhalten]. Medien wirken deshalb anders als früher [alles so schön anschaulich hier!], und entsprechend verändert sich auch die Wirkung der in Medien übermittelten Werbebotschaften [kaufen die Leute trotz Werbung dann weniger?] .“ Erfolgreiche Kommunikation sei deshalb nicht nur [abba auch!] Sache des Marketings, betont Bohn [nein, nein, nein, keine Namenswitze, bitte – auch nicht den mit dem Böhnchen und den Tönchen!]. „Unternehmen sollten [ein Appellativ, wie schön!] alle für die Markenführung relevanten Bereiche [erst sagt er, es sei ‚Sache des Marketings, jetzt sind plötzlich ‚alle Bereiche‘ dran!] in die Umsetzung ihrer Kommunikationsstrategie einbeziehen [watt’n Ohrwurm, watt’n Schlager!]. Denn [hier kommt jetzt wohl die Conclusio angetrabt!] Investitionen in Werbung sollen sich – wie jede Investition! – lohnen [wem sagen Sie das!]. Kommunikation muss [ich muss auch mal!] im Sinne eines Return on Investment [Holy Shit!] messbar auf den Wert der Marke einzahlen.“ [Börpp!]

Was habe ich jetzt behalten? Ungefähr das: Im nächsten Jahr werden buddhistische Pfadfinder im Modelwahn arglose Roboter zu Trendberatern machen, die mit viel ‚Egonanie‘ für das nötige Return on Investment auf Ihrem hochverehrten Markenkonto sorgen. Darin läge dann die Zukunft der Kommunikation in den Zeiten der Krise. Oder so ähnlich. Drei Wochen später trägt er dann wohl einen neuen Hering im Maul – gefischt aus dem endlos seichten Ozean des Marketing-Blubb-blubb. Vielleicht aber bin ich aber auch einfach nicht der richtige ‚Medienkontaktpunkt‘, um hier brangschenspezifisch auf den Return of Investment punktgenau einzuzahlen:

Als Media-Spezialisten entwickeln wir Kommunikations-konzepte für Unternehmen unterschiedlichster Branchen, um Konsumenten über alle relevanten Medienkontaktpunkte wirksam zu erreichen“.


4 Kommentare

  1. …wie er uns allzu oft aus Marketing-Abteilungen, aus Unternehmensberatungen und Trendbüros… Kommunikation … Return of Investment … Medienkontaktpunkt… Werbebotschaften …

    Natürlich ist das alles Quatsch. Das Spiel heißt schlicht: Reklame

  2. Genau, und Reklame muss möglichst unverständlich und zweideutig sein, damit sie den potenziellen Kunden überzeugt!

    Das Schlimme ist, dieser satirisch gemeinte Satz trifft in den Bereichen Wirtschaft und Soziologie leider zu.

  3. Hörnsema – ich mache schließlich auch jelejentlich beinhart ‚Rekloame‘: Dass die verehrte Kundschaft möglichst nix von dem verstehen solle, was ich da schreibe, das hat noch niemand je in einem Briefing zur Vorgabe gemacht …

    Ich denke eher, in diesen B2B-Communications haben solche Texte ungefähr den gleichen Sinn wie die Klingel an einem Kinderroller …

  4. Ich mach halt auch Werbung … daher weiß ich, dass Texte nur schmückendes Beiwerk sind. Und in den von mir genannten Bereichen gilt es immer noch als kompetent, wenn der Gegner – ‚tschuldigung: Gesprächspartner – nicht einmal Bahnhof versteht. Die Literaturwissenschaft in Kontinentaleuropa kann das auch ganz gut, deswegen würden die vermutlich immer noch von einem Sokal vorgeführt werden können.

    Wirtschaft, ein Fach, das von seinen Adepten gerne als ‚Wissenschaft‘ deklariert wird obwohl weder Betriebs- noch Volkswirtschaft die Kriterien dafür erfüllen. Um das zu verstecken, werden komplizierte mathematische Konstrukte und wunderschöne Graphen entwickelt, die nichts Anderes als Nebelbomben sind.

    Weil allerdings manchmal natursprachliche Erläuterungen gefragt sind, wird – nicht unähnlich der Medizin – Kauderwelsch erfunden. Bedeutend klingende Wörter, die sich bei näherer Betrachtung als hohl entpuppen, eingebettet in Pseudosätze, d.h. die sehen syntaktisch aus wie Sätze, entsprechen [oft] den Regeln, sind aber semantisch so gehaltvoll wie ‚Tom singt Schuppen‘.

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