Stilstand

If your memory serves you well ...

Bei den Deutschländer-Würstchen

Jenes harte Hirnholz, das unter dem Namen ‚Aktion Lebendiges Deutsch‚ unhaltbare Sachverhalte in die Welt hinaus zu posaunen pflegt, hat sich im Kampf gegen die Windmühlen des Denglischen ein neues Husarenstück geleistet: Erstmals wollen sie toitscher als deutsch sein – und deshalb deutschen sie ein kerndeutsches Wort noch toitschtümelnder ein, wohl deshalb, weil sie es irrtümlich für einen Anglizismus ohne jeden Ariernachweis gehalten haben. Das Wörtchen ‚Dumpinglohn‘ sollen wir nach ihrem Willen künftig durch ‚Hohnlohn‘ ersetzen – das jedenfalls ist ihr sprachmusikalisch ebenso wie sprachwissenschaftlich unhaltbares Begehren.

Mit ein wenig schlichtem Gegurgel hat ihnen der Anatol Stefanowitsch jetzt vorgerechnet, dass es sich um ein Wort handelt, das nahezu ausschließlich im Deutschen seine Nische gefunden hat (okay, ein paar Dänen kennen es auch). Der Ausdruck ‚dumm gelaufen‘ aber, der entwickelt sich allmählich zu meinem Standard bei der Beurteilung sprachnörglerischer Aktivitäten, dort in jener semantischen Todeszone, wo das ‚lebendige Deutsch‘ allmonatlich von einigen älteren Herren exekutiert wird …

6 Kommentare

  1. Unsinn ist der Mühe Hohnlohn.

  2. Lohndumping wäre folglich Hohnlöhnung (oder gar Hohnlohning). Nä, zu denglish. Also wenn schon Deutsch, dann finde ich Hungerlohn eigentlich kein schlechtes Entsprechung für Dumpinglohn.

  3. Sowohl der Hohn-, als auch der Hungerlohn entspricht, meinem Sprachgefühl nach, nicht dem Dumpinglohn. Es solll ja ausgesagt werden, dass der besagte Lohn unter dem normalen Lohnniveau (einer Branche) angesiedelt ist. Das muss nicht unbedingt ein Hungerlohn sein. Wenn der designierte Facharbeiter von VW für 500 € weniger eingestellt werden soll, als seine Kollegen bekommen, dann ist das zwar ein Dumpinglohn (in den Augen der Gewerkschaft), Hartz IV muss er dagegen noch nicht beantragen.

    Vielleicht ist auch nur mein Sprachgefühl kaputt.

  4. Leider muss ich sagen, das der gute Herr Stefanowitsch bei seiner – insgesamt berechtigten – Kritik, diesmal ein wenig am ziel vorbeischießt. Es mag ja sein, dass ‚Dumpinglohn‘ ein deutscher Begriff ist, ebenso wie ‚Handy‘. Beide nutzen aber englische Vokabeln bzw. Anmutungen. Und genau das ist es, was die Denglisch-Kritiker beklagen.

    Schlimm ist natürlich, dass die Damen und Herren vom Verein weder einen Unterschied zwischen Sprache und Schrift machen [ein leidiges Thema] noch jemals von der Produktivität von Begriffen gehört haben. Ganz abgesehen davon, dass deren Ersatz*-Wörter einfach nur grottenübel unmusikalisch, antisprachlich und hässlich sind. Jedesmal.

    *Das ist das englische ‚Ersatz‘, daher der Bindestrich; auch um einen Akzent zu setzen.

  5. Gerade dies deutschstämmige ‚Handy‘ ist ja eine der großen Nummern des Bastian Sick, mit dem er die Zahnwaltsgattinnen auf seinen Veranstaltungen zum Prusten bringt. Aber auch da zeigte es sich, dass dies Wörtchen in einem englischsprachigen Roman, der in Kanada erschien, schon in den 90er-Jahren ganz brav und muttersprachlich vorkam, obwohl doch – lt. Sick – die dämlichen anglophilen Deutschen das ‚Handy‘ erfunden haben sollen. Der Sick erzählt eben viel ‚Bullshit‘ (noch so’n Kandidat!), wenn der Abend lang ist …

    Das ‚Dumping‘ ist natürlich ein Lehnwort, wie Whisky, Portemonnaie, Siesta oder Beefsteak auch. Wenn wir diese Einwanderer alle rausschmeißen wollten, um die deutsche Sprache zu ‚reinigen‘, faktisch aber ärmer zu machen, dann hätten wir viel zu tun. Dem Anatol geht es ja auch nicht ums Dumping allein, sondern um das Kompositum ‚Dumpinglohn‘, das wiederum eindeutig eine germanische Kreation ist …

  6. Ach ja, der Sick, das Handy und die Deppen. Dieses Wort ist mein Liebling, wenn es um sprachliche Produktivität geht. Das britishce ‚cellular [phone]‘ ist eine technische Beschreibung, die eher abstrakt bleibt, das amerikanische* ‚mobile [phone]‘ ist zwar ein wenig dichter am Verbraucher, aber immer noch eher technisch.

    Ausgerechnet die kühlen Deutschen schaffen einen wunderbaren Begriff, der in aller Kürze leicht verständlich den Hauptnutzen eines Gerätes zu emotionaler Höhe treibt. Wunderbar. Und wahrhaftig habe ich bereits mehr als einmal US Amerikaner und Briten genau jenes Handy benutzen hören, wenn es um das tragbare Telefon ging.

    Natürlich geht es AS nicht um das Dumping alleine, nur, die Sprachverschmutzer – ups, ich meine natürlich Sprach“reiniger“ [dang!] – stören sich ja am DEnglischen noch viel mehr als an Lehn- und Fremdwörtern. Daher meinte ich, dass die [statistische] Kritik Anatols den Heinis eher Wasse rauf die Mühle ist.

    PS: Ich hätte das auch schon drüben gepostet [hah!], wenn die vorherige Beta von Opera mich gelassen hätte …

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