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Bad Bank?

Adjektive sind eine schillernde und trügerische Sache. Oft wecken sie gerade Zweifel an jener Eigenschaft, die wir mit Hilfe des Adjektivs betonen oder herausstreichen: So legt der Begriff ‚Bad Bank‘ uns nahe, dass eine ‚Good Bank‘ zurückbleiben würde, wenn die Banker dem Staat ihren selbstproduzierten Giftmüll aufs Auge drücken dürften. Dabei wird doch jede Bank, die mehr Geld ausleiht, als sie selbst an Eigenkapital besitzt, beim Eintritt einer Krise automatisch zu einer ‚Bad Bank‘. Also alle – womit der Begriff ‚Bad Bank‘ schlicht eine Tautologie ist, so etwas wie ein ‚lauter Trommler‘ oder ein ‚duftender Furz‘. Oder sehe ich da etwas falsch?

5 Kommentare

  1. In Zeiten, da die Banken Billionen erhalten, damit sie einander wieder vertrauen, und doch weiter knausern mit den Krediten, so dass die Wirtschaft leide, stelle ich mir unter einer Good Bank etwas anderes vor: nämlich, dass die Staaten es bleiben lassen Banken zu retten (wegen Erfolglosigkeit) und stattdessen mit diesem Geld neue Banken gründen, die zu fairen Bedingungen die Kredite vergeben. Die alten Banken, schon bad oder noch nicht, mögen dann sehen, wo sie bleiben, die neuen könnten, wenn alles wieder läuft, verkauft werden.

    Dass man das nicht macht, liegt wohl daran, dass die alten Banken durchaus über echtes Geld verfügen sollten, das den Anlegern, ließe man sie scheitern, verloren ginge. Da die Einlagensicherung auf kleinere Vermögen beschränkt ist, wären die Eliten die Opfer, unsere Wirtschaftsführer, Spitzenpolitiker, Medienmogule – mit ihrem Privatgeld. Also wollen sie ihr Geld retten, indem sie die Banken stützen, die es (auf dem Papier) haben, koste es, was es wolle. Die Bad Bank, die einfach alle Verluste dem Steuerzahler zuschiebt, ist dabei das Ideal. Da sie ohne Proteste kaum zu realisieren ist, sollen die Rettungsmaßnahmen ihr unauffällig möglichst nahe kommen.

    Zu einer Bad Bank darf die gewöhnliche Geschäftsbank eigentlich nicht werden, dagegen steht ja die Wachstumsreligion, wird sie es aber, ist das die Krise. Bis dahin ist sie es nicht. Würden wir alle Banken jederzeit als potenzielle Bad Bank sehen, so ganz ohne Vertrauen, wäre das eine permanente Glaubenskrise, nahezu Atheismus, so dass die Frage nach dem Nutzen des Adjektivs wohl in die Beichte gehört.

  2. Was stört uns an der Idee der Bad Bank?

    Zunächst sicher nicht, dass die Banken damit wieder gut dastehen:
    denn das würde uns allen im Zusammenhang mit einfacherer Kreditvergabe und Vertrauen in die Märkte zugute kommen.

    Was uns stört ist die Tatsache, dass einige wenige, die vorzüglich am Aufblähen der Blase verdient haben und u.U. weiterhin gut daran verdienen (siehe Bonizahlungen für Investmentbanker), nun nicht zur Verantwortung gezogen werden und sich sicher sein können, dass sie in Zukunft auch weiter gut verdienen werden. Komme, was da wolle.
    Mit Good Banks und dem Staat als Bad Bank sind wir Steuerzahler die Verlierer, sofern nun die Gegenleistung für den Transfer verseuchter Papiere von Banken zum Staat falsch verhandelt wird.

    Im Turbokapitalismus ist aufgrund der maximalen Entscheidungsfreiheit für Manager das folgende Prinzip der Marktwirtschaft konterkariert worden: Jeder wird für seine eigene Wertschöpfung, sprich für seine eigene Leistungsfähigkeit, vergütet.
    Die Tatsache, dass Manager auf den Schultern ihrer Mitarbeiter stehen, wurde dafür ausgenutzt, die Mitarbeiter-Wertschöpfung übermäßig dem Management zu vergüten.
    Letztendlich befürchten wir also, dass die Auslagerung von Risikopapieren an eine staatliche Bad Bank genau das gleiche provoziert: Banker profitieren übermäßig am kleinen Steuerzahler.

    Wie kann dies nun gelöst werden:
    Während der Staat den weniger Leistungsfähigen zur Erhaltung des Existenzminimums hilft, ist bislang in der sozialen Marktwirtschaft keine obere Grenze für Einkünfte gesetzt worden. Genau das ist nun aber Ursprung des aktuellen Problems:
    die Möglichkeit der Bereicherung der einen führt nach einer gewissen Zuspitzung zum Absturz aller. Neu sollte sein, dass der Staat feste Obergrenzen für das Einkommen Einzelner festlegt, und alles darüber hinaus dem Staat zufließt.
    Damit ließen sich Rettungsaktionen wie Bad Banks refinanzieren und wir könnten uns sicher sein, dass keiner mit der damit verbundenen Sozialisierung der Verluste übermäßig profitiert.

    Welche Lenkungswirkung würde durch die Obergrenze der jährlichen Einkommen ausgehen?
    – hochqualifizierte Arbeit würde auf mehr Personen verteilt werden. Hintergrund: die letzten Jahre waren dadurch geprägt, dass von Spitzenarbeitskräften mit Spitzengehältern immer längere Arbeitszeiten abverlangt wurden. Würde hochqualifizierte Arbeit durch die Deckelung der Gehälter auf mehrere Schultern verteilt werden, so würden dadurch Arbeitsplätze geschaffen werden und die Wahrscheinlichkeit steigen, dass die privaten Einnahmen auch zu privatem Konsum führen.
    – Unternehmer, die vor Jahresende die Deckelung ihrer privaten Einnahmen voraus sehen würden, würden es vorziehen, die Gewinne besser für Investitionen ins Unternehmen zu nutzen, als sie dem Staat zukommen zu lassen. Und das hätte absolute Vorteile: denn ein Unternehmer weiß im Allgemeinen besser, wo sich eine Reinvestition gezielt lohnt, als dass der Staat Staatseinnahmen sinnvoll einsetzen kann.
    – Langfristig würde ein Aufklaffen der Schere zwischen arm und reich eingedämmt werden, trotzdem bliebe im Einkommensbereich zwischen Sozialhilfe und Maximaleinkommen ein genügend großes Band für die Verwirklichung persönlicher Träume bei entsprechender Leistungsbereitschaft zur Verfügung.

    Die Finanzkrise und insbesondere die Schaffung einer Bad Bank bietet die besondere Möglichkeit, ein derartiges Modell durchzusetzen: denjenigen Banken, die sich durch eine Bad Bank ihrer fragwürdigen Vergangenheit entledigen können, könnte im Gegenzug als erste das Modell der Maximalgehälter verordnet werden.

    Maximalgehälter könnten meines Erachtens den nächsten Evolutionsschritt in der Entwicklung der freien Marktwirtschaft darstellen.

  3. Du hast wohl doch Recht mit dem Tautologie- bzw. Pleonasmusverdacht. Eben lese ich bei Telepolis über Bad Atommülldeponien, die hatte ich vergessen.

    @buerger_de – Für die Maximalgehälter kann ich mich nicht begeistern. Ich stelle mir vor, ich will einen Freund mein Geld, meinen Laden verwalten oder sonst was lassen – und ein Gesetz schreibt mir vor, wie viel ich ihm dafür höchstens bezahlen darf. Das würde mich stören. Übrigens glaube ich, dass die hohen Managerbezüge, die diesen ermöglich, allmählich selbst Eigentum an Unternehmen zu erwerben, der einzige Weg ist, auf dem Angestellte zu Eigentümern werden. Unterbindet man das, gibt es zwar immer noch Gründer, es werden aber auch Besitzverhältnisse zementiert. Das schützt die großen Vermögen mehr als die Bürger. Solange es in diesem Land Familien gibt, die seit Generationen über Milliarden verfügen, stören mich die paar Millionen für ihre Handlanger wenig. Das da eine „Lenkungswirkung“ möglich ist, mag ich aber nicht bestreiten.

  4. Yoho – und Atomkraftwerke heißen nach Ablauf der Betriebszeit Bad KKW – und sie werden vom Staat entsorgt. Betriebsrenten heißen dann, und zwar erst, wenn sie fällig werden, Bad Assets – und der Staat hat sie statt der Firmen auszuzahlen. Das gefällt dann sogar den Neoliberalen: Sozialismus kann so schön sein!

    Im Ernst: Alles, was Bankaktionären jetzt den Mors rettet, ist fehl am Platz. Die haben sich verspekuliert und sie haben die Folgen zu tragen: We never promised you a rose-garden …

    Gut wäre vielleicht eine neue staatliche Auffangbank, gefüttert mit all diesen Milliarden, die sich der Infrastruktur von Sparkassen und Volksbanken bedient, um den Kreditfluss an Private und an die produzierende Wirtschaft aufrechtzuerhalten. Ansonsten – lass Ackermann & Co. fahren dahin. Das ist zwar nicht gut für die Gewerbeimmobilienpreise in Frankfurt, aber gut für den Steuerzahler heute und auch morgen …

  5. Great blog. Will be sure to return and look forward to more informative articles 🙂

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