Stilstand

If your memory serves you well ...

Ausgeschrieben

Zur Zeit habe ich wenig Zeit, auch fürs Bloggen. Der Jahresbericht eines Großkunden soll binnen einer Woche fertig gestellt sein – und bei solchen Text-Anacondas geht mir nach einigen Stunden das Denkvermögen komplett aus, wobei dieses Vermögen fürs Schreiben bekanntlich eine Vorbedingung ist. Nach vier oder fünf Doppelseiten am Tag sitze ich dann da mit einem Gefühl im Kopf, als wäre der plötzlich mit Watte gefüllt, das Gehirn fühlt sich kleiner an wie eine Haselnuss, mir selbst ist alles ringsum irgendwie ’schnurz‘ geworden, ich fühle mich dumpf und debil oder – um mit einem gewesenen Bayern-Trainer zu sprechen – „leer wie Flasche voll“. Mit einem Wort: Ich bin mal wieder komplett „ausgeschrieben“.

Das Texten ist damit eine Tätigkeit, wo Acht-Stunden-Tage Irrsinn wären. Zumindest gilt das für mich. Natürlich kann ich anschließend immer noch einen Text wie diesen hier herunterschnattern, große Qualität aber darf niemand mehr erwarten. Viele Schreiber puschen sich unter einem solchen Schreibzwang mit Drogen, dann, wenn der uneinsichtige Verleger bspw. auf der Abgabe des 800-Seiten-Jahrhundertromans in drei Wochen besteht.

Das aber mache ich nicht. Ich setze mich jetzt auf die Veranda und trinke gemütlich einen Kaffee. Und dann genieße ich es in vollen Zügen, wie doof ich doch durchs viele Schreiben wurde …

4 Kommentare

  1. Das Dumme ist nur, in den Abend- und Nachtstunden bleibt es nicht beim Kaffee. Meist kommt da noch Rotwein dazu, wenn’s ganz gut dumm läuft, ein Pernod oder Ramazotti und schon zieht er einen nach unten, der Drogensumpf.

  2. Oje, muss echt stressig sein. Erstes Anzeichen: du schreibst schon „kleiner (…) wie“ 🙂

  3. @ hOppelhase: Man könnte glatt eine Regel daraus machen – Je ausgeschriebener ein Mensch ist, desto mehr nähert sich seine Schreibe dem gewöhnlichen Sprachgebrauch an …

    😉

  4. Wolfgang Hömig-Groß

    16. September 2009 at 9:26

    Obwohl ich den Text nicht kenne, den du da in der Mache hast vermute ich, gestützt auf Lebensgewitzigtheit und eigene Erfahrungen, dass das prompte Vakuum im Kopf durch das inhaltliche Vakuum im Text massiv gefördert wird.

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