Stilstand

If your memory serves you well ...

Außer Rand und Band

Am Titel hätte man es bereits merken können: Ein Buch, das ‚Axolotl Roadkill‚ heißt, das vom Titelklang her also eher an eine überfahrene Kröte in den Gassen von Tijuana erinnert, und von der Semantik her an zusammengekleisterte Undinge wie bspw. ‚Tattoo Smorrebrod‘ oder ‚Plättbrett Sadistics‘, ein solches Buch also kann einfach nicht gut sein. Ohne den Band aufzuschlagen, weiß dies jeder halbwegs begabte Leser. Nicht so unser Föjetong.

Ein längst gut abgehangener Maxim Biller versucht sich da an dem Beweis, dass er im Gegensatz zu anderen Zeitgenossen ‚jung geblieben‘ sei ( … jetzt ist wieder ein Roman da, vor dem sich jeder, der über dreißig ist, hüten sollte …). Ach, hätte er’s doch getan! Ihm wächst das Grautier doch schon aus beiden Ohren heraus, der Mann ist immerhin Jahrgang 1960 und damit weit über das hier geschilderte Instant-Discofick- und zugedröhnte Ponyhof-Alter der Verfasserin hinaus. Dieser ‚Kritiker‘ versteigt sich ohne jeden Anflug von Ironie hin zu blankem Schwachsinn: Das Deutsch der Verfasserin sei so „suggestiv wie Sowjet-Propaganda„, was uns nur zeigt, dass Biller wohl nie eine Zeile solch schnarchlangweiliger Politbüro-Propaganda gelesen hat, und es sei „so verführerisch individuell, dass ab morgen bestimmt hundert andere deutsche Schriftsteller … den Hegemann-Sound nachmachen werden„. Aha- individuell ist folglich, wenn es alle nachmachen können. Ja, geht’s denn noch?!

Mara Delius wiederum zieht in der FAZ einen langen Riemen aus der Tasche, wonach Helene Hegemann, „locker die literarische Ahnenreihe aufrufend – von „Bonjour Tristesse“ über den „Fänger im Roggen“ bis zu „Faserland“ –, kühl die Weisheiten der Popkultur gespiegelt, abgemischt mit dem Sound zur Schau gestellter Introvertiertheit und eingerahmt in ironische Lässigkeit“, einen Jahrhundertroman geschrieben habe. Jaja, ‚Faselland‘ – man darf ja noch dankbar sein, dass nicht ‚Naked Lunch‘ oder ‚On the Road‘ in den Zeugenstand gerufen wurden in dieser Kritik, an der nur ein Zitat wirklich wahr ist: „Mir wurde eine Sprache einverleibt, die nicht meine eigene ist“.

Wer nämlich hier durch die Bank als ‚Originalschriftstellerin‘ abgefeiert wird, diese fromme Helene also, das ist schlicht ein kleines Pups-Mädchen mit zusammengestoppeltem literarischem Bauchladen, das so ziemlich alles, was es dort erlebt haben will, sich anderswo zusammenkompiliert hat.

Jeder möge sich den aufgetürmten Intellektual-Misthaufen, den Deutschlands Föjetong-Redaktionen in ihrer rezensionistischen Dienstfertigkeit sich tagelang zusammensalbadert haben, anderswo in extenso durchackern, klar ist eins: Das deutsche Feuilleton befindet sich nicht länger in freiem Fall, es ist ganz unten aufgeschlagen – und die letzten verbliebenen Sprachperlen und Kalendersprüche rollen wie buntes Talmi über den Boden. Ein Maßstab aber ist nicht mehr dabei …


2 Kommentare

  1. Drum hat das Feuilleton in des Wortes Ursprungsland ja auch eine hierzulande unbekannte, gleichwohl zutreffende Grundbedeutung:

    Seifenoper.

  2. Mich döcht vielmehr, es ist weithin die ‚Marketing-Abteilung‘ von Buchverlegern und Filmverleihern geworden …

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