Stilstand

If your memory serves you well ...

Adieu, Homo Oeconomicus!

Zum Teil ist das Scheitern des Westens in der Ukrainefrage auf falsche Grundannahmen zurückzuführen, die der Theorie zufolge eben nicht nur Unternehmer, sondern auch Politiker beachten sollten: Jeder Mensch sei im Kern ein ‚Homo Oeconomicus‘, ein ‚rationales Wesen‘, das ganz egoistisch seinen Nutzen zu maximieren trachte. Die diversen Spieltheorien – wie auch ‚Hayek und Co.‘ – haben sich längst tief in westlichen Gehirnen eingenistet.

Jetzt aber treffen sie auf einen Politiker wie Putin, der ökonomisch nicht sonderlich rational handelt – und schon klappert ihr schönes theoretisches Modell an jeder Schweißnaht wie ein altersschwacher Fiat Panda. Denn sie haben es plötzlich mit einem ‚Homo Politicus‘ zu tun, mit einem Menschen, der eben nicht ‚ökonomisch rational‘ handelt, sondern schlicht aus machtpolitischen Erwägungen heraus. Was auch immer dann die wirtschaftlichen Folgen sein mögen. Aus Sicht der westlichen Entscheidungsträger ist Putin damit ‚gaga‘, ein Irrer am Schachbrett, der sich noch nicht einmal an die Spielregeln hält. Ein Mensch, mit dem kein vernünftiges Spiel möglich ist. Und die Börsenindizes – also die Schiedsrichter – sagen das auch …

Denn aus Putins Sicht hat ein Satellitenstaat wie die Ukraine nicht die oktroyierte Perspektive einer ‚eurasischen Wirtschaftsunion‘ verfolgt und Dero Majestät damit zutiefst beleidigt und hochweise Pläne konterkariert. Dafür wird dieses Land jetzt büßen. Eine möglichst weitgehende Destabilisierung des Landes scheint mir sein ausschließliches Ziel zu sein, ohne jede Rücksicht auf den ökonomischen und humanitären ‚Preis‘ dafür.

Verabschiedet sich ‚der Westen‘ daher nicht von spieltheoretisch motivierten Fragen – ‚Welchen Nutzen erwartet sich Russland von einer völlig entfesselten Politik ohne ökonomische Rücksichten?‘ – dann werden sie auch nie die richtige Antwort finden. Der Nutzen besteht hier in der Befriedigung, das Spielbrett einfach umzuwerfen. Und kein Mensch weiß, an wessen Grenzen Putins Machtwille dann einst verebbt. Ich tippe ja auf einen Zarenmord, der hat in Russland Tradition …

21 Kommentare

  1. Kopfschüttelnd nehme ich auf den NDS zur Kenntnis, wie Albrecht Müller in seinem neusten Artikel („Noch ein Nachtrag: Es geht um Krieg und Frieden und um die nicht enden wollende Kette von Manipulationen“, 15. März 2014) die Berichterstattung im Deutschlandfunk geisselt:

    „Dann weisen wir in Anlage 2 beispielhaft auf den Fall einer konkreter Manipulation durch das Heute Journal des ZDF hin, in Anlage 3 auf die Einseitigkeit des Deutschlandfunks…“ (Albrecht Müller, NDS)

    „Die Einseitigkeit der deutschen Medien ist grauenhafter, als ich mir das in schlimmen Träumen hätte vorstellen können. (Anlage 3)
    […]
    So muss ich mir die ständige militante Agitation von Sabine Adler, der Korrespondentin [vom Deutschlandfunk] in Warschau, anhören. Oder Kommentare des Korrespondenten in Washington, Dr. Markus Pindur.“ (Albrecht Müller, NDS)

    Es ist der selbe Deutschlandfunk, der den NachDenkSeiten, Albrecht Müller und dem Spiegelfechter immer wieder eine Plattform bietet…

  2. Es gibt einige Beispiele dafür, dass Organisationen nicht mitbekamen, wie sie peu à peu ‚unterwandert‘ wurden. Von den Traditionen der Gründer und Sozialdemokraten haben sich die NDS wie auch der ‚Spiegelfechter‘ längst weit entfernt. Diese kommunizierenden Röhren sind – vor allem in den Foren – aber auch nicht schlichterdings bei der ‚Linken‘ gestrandet, sondern heute eher ein selbstgenügsamer Tummelplatz von ein paar Dutzend versprengter Obskuristen und Sektierer, die Ewiggleiches in ihre Threads tröten.

    Aber tröste dich, du darfst immerhin noch beim ‚Spiegelfechter‘ kommentieren. Mich traf dort längst der Bannstrahl. Normale Menschen sind dort nun mal nicht gern gesehen – ausgerechnet ich war dort binnen Minuten als ein Reaktionär und als ein Nazi ‚enttarnt‘, ohne dass sich jemals ein korrigierender Wischmopp in die Gänge dieses Denkknastes gewagt hätte. Die Moderation hat dort eher eine ideologische Wächterfunktion, wenn man das wilde Gebräu denn ‚Ideologie‘ überhaupt nennen mag.

    Der Deutschlandfunk aber hat diesen Wandel wohl noch gar nicht mitbekommen, die schauen nur auf das Etikett der ‚Gründerväter‘. Und selbst der Albrecht Müller ist für mich zunehmend ein auf links gestrickter Hans-Olaf Henkel …

  3. Albrecht Müller und die NDS sind vermutlich zu lange gegen die (mediale) Wand gerannt. Und das hinterlässt allmählich Schäden. Die Engstirnigkeit, getreu dem Motto: „Wer nicht unserer Meinung ist, ist Neoliberal“, war ja schon immer etwas lästig. Aber mittlerweile wird es grotesk. Vor allem das ewige Kampagnen-Geschwätz als Erklärung für alles, was einem nicht in den Kram passt. Furchtbar.

    Ach, und wegen Putin und Ökonomie. Vielleicht ist der gute da doch nicht so unbedarft: http://hesikamiscellaneous.wordpress.com/2014/03/15/putins-genialer-schachzug/

    Hat mir mein Facebook-News-Stream zugespielt, keine Ahnung ob das stimmt. Zutrauen würde ich ihm so eine Aktion aber.

  4. Naja, zumindest tummeln sich auch dort in den Kommentaren die üblichen Spökenkieker.

    Es mag ja sein, dass ein paar Schnäppchenjäger an der Börse ein paar Windfall-Profite mitnehmen. Was aber ‚das Volk‘ von diesen fallenden Rubelkursen hat, das muss mir erst mal jemand erklären. Kaufkraft futsch, heißt das. Die eigenen Oligarchen haben ja auch schon Adios gesagt, und ihr Vermögen in den ‚faschistischen Westen‘ und in solide Euros transferiert.

    Langfristig ist eben das erschüttert, was die Anleger und Investoren ‚Vertrauen‘ nennen. Das heißt, alle Welt wird sich aus blanker Angst vor dem wilden Hans jetzt so schnell, wie’s irgend geht, aus der russischen Energieabhängigkeit befreien wollen. Und dann sitzt sie da, Putins Neo-SSR auf ihren unverkäuflichen Rohstoffreserven. Die Rentner aber wollen ihre Rente, und die Beamten ihren Sold – und Väterchen Zar kann bloß noch segnend die Hände breiten. Wenn jetzt – bei weiterem Zündeln – ein Export-Boykott für Produkte der Agrarindustrie, der chemischen Industrie, der Maschinentechnik etc. folgt, oder nur noch gegen Vorkasse, dann möchte ich nicht in Russland leben (wollte ich allerdings vorher schon nicht).

    Zur Illustration dieses Autarkie-Wandels: „Das erste deutsche noch im Planungsstadium befindliche Flüssigerdgas-Terminal an der Jade, Wilhelmshaven wird folgendermaßen dimensioniert sein: 2 Lagertanks für LNG (a 160 000 Kubikmeter Volumen), Verdampfer mit einer Leistung von 1.2 Millionen Kubikmeter Gas pro Stunde (die Verdampfungsleistung entspricht ca. 8 Prozent des deutschen Erdgasbedarfs in 2007), Transportlinie von der Anlegestelle für Tanker bis 215 000 Kubikmeter Flüssiggas von 1300 Metern.“ Polen und Litauen planen (oder bauen) derzeit auch …

  5. es ist wie immer: jemand bekommt einen schnippsel mit, der ihm nicht passt, verpasst dabei die anderen schnippsel, die er auch mitbekommen könnte … und schon ist der skandal „einseitiger berichterstattung“ perfekt.

    ich höre ja nun auch den deutschlandfunk und kann eigentlich nicht über einseitige berichterstattung jammern, im gegenteil, wer hören kann, der hört und wer dann auch noch dabei sich seinen teil denken kann, ist doch prächtig bedient.

    kleines beispiel: der hintergrund politik gestern abend, davor zwei sendungen, in denen der dlf sich und seine kunden fragt, ob sie sich gut informiert fühlen.

    die situation ist wohl die, daß das politische berlin troz aller vorgeblichen versuche, den ball flach zu halten, sich selbst in kalter krieg lyrik ergeht und die dinge, die man ja auch sehen kann, übersieht – ich kann zb. nicht erkennen, daß putin heute etwa die krim annektiert hat. er hat sie „anerkannt“.

    kann man immer noch kritisieren, man kann aber auch sehen, daß er die tür nicht zuschlägt. im gegensatz zu klaus kann ich da immer noch keinen hasardeur erkennen, aber okay, time will tell.

    ich fand das interview am ende des gestrigen hintergrunds jedenfalls sinniger als vieles, was ich so an mitgelaufe in einem berliner mainstream höre oder von den leidmedien so serviert bekomme.

    ich bin nun beim besten willen nicht russophil, au contraire, aber ich bitte doch dringendst darum, mental ein bißchen abzurüsten, beiderseits. wir sind doch erwachsene menschen und sollten eigentlich gemeinsam mehr spaß daran haben, daß die _anderen_, egal auf welcher seite sie ins nirvana mitlaufen, sich verrenken, blödes zeugs stammeln etc etc etc.

    das sollte nicht _unser_ ding sein. beide seiten liegen falsch. wir sollten uns um das dazwischen kümmern.

    just my 2 cents

    ach ja, die NDS habe ich noch nie geschätzt. ein alter sich selbst überschätzender gockel samt fangemeinde. da fühle ich mich hier, obwohl klaus die dinge anders sieht als ich, besser aufgehoben.

  6. @ hardy – ich kann wohl einfach kein Verständnis für Putin heucheln. Weißt du eigentlich, wenn er über alle Maßen bewundert? Den Muammar Ghaddafi … vielleicht wandelt er ja auf dessen Spuren. 😉

  7. klaus,

    ich fand muammar auch klasse 😉

    naja, in zeit und raum, nicht so sehr den späten, obwohl ich diese „zelt in paris“-nummer schon auch irgendwie cool fand.

    du hast da, denke ich, eine sehr deutsche, eurozentrierte sicht drauf und übersiehst dabei, daß es menge guter gründe gab, ihn zu mögen. eine menge libyer haben das getan.

    und? ist es besser geworden in libyen? oder geht es heute einer größeren menge menschen nicht doch eher schlechter als unter ghaddafi?

    was ist aus timbuktu (als sekundärschaden) geworden?

    es war eine voll hirnrissige idee, den zu _verraten_. er war _unser_ drecksack, auf dem weg zur resozialisierung.

    ich will gar nicht wissen, wer nach putin kommt, denke aber, wir – unsere kinder – werden den vermissen …

  8. Wo alle herrschen, da herrscht keiner. Und wo keiner herrscht, da herrscht der, der am ehesten in der Lage ist, seine Feinde umzubringen. Wo alle Institutionen politischer Willensbildung abgeschafft sind, bleibt nur noch die nackte Macht übrig. Die Macht hat bekanntlich Gaddafi, der umgekehrt kein einziges Amt bekleidet (und deshalb auch nach eigenem Bekunden von keinem zurücktreten kann).

    http://www.verfassungsblog.de/de/gaddafi-der-achtundsechziger/#.Uyi9Qc6hGKo

  9. sol1,

    unglücklicherweise ist es wohl haargenau so.

    es ist unglücklicherweise auch so, daß menschen, die zu lange an der macht sind und so etwas wie einen g*tteskomplex entwickeln, zu unangenehmen tyrannen mutieren, die im nachhinein keiner mehr vermisst.

    ich blicke auf ghaddafi als auf einen, den keiner von den anderen mächtigen mochte, weil er (s)einen eigenen weg ging, und der am ende von seinen neuen „freunden“ verraten wurde, weil die landkarte neu geordnet werden sollte und noch rechnungen offen waren, die endlich eingetrieben werden mussten.

    hätte nicht er libyen beherrscht, hätte es ein anderer getan, von dem wir nicht wissen, wie wir den oder die hätten bewerten müssen. so haben wir nur ihn … und wenn ich eine summe ziehe, komme ich zum ergebnis, daß er von den möglichen schurken einer der „besseren“ war, seinen untertanen eine stabilität und eine relative freiheit erhielt, von der die bewohner anderer arabischer länder nur träumen durften.

    aber, das ist halt nur meine sicht auf die dinge, andere sehen das anders und ich kann verstehen, warum. verschüttete milch, mal gucken, wohin uns dieser akt von kolonialismus, dem er (auch) zum opfer gefallen ist, uns noch bringen wird.

  10. weia, klaus,

    gerade gehört: kritik von seiten der cdu (laschet in der faz) an einem „marktgängigen anti-putin-populismus in deutschland“ und die „dämonisierung putins“ sei „keine politik sondern alibi für das fehlen einer solchen“.

    ich glaube, du wirst gerade von der cdu links überholt 😉

    und verheugen beklagt im dlf den tabubruch, daß „zum ersten mal in diesem jahrhundert völkische ideologen, richtige faschisten, in eine regierung … (ge)lassen (werden). die webseite von website von svobodo ist eine wahre fundgrube für völkische ideologie, die sind getrieben von russenhass, von judenhass und polenhass“

  11. @ hardy: Ich mochte immer diese dänische Serie (‚Borgen‘) über die Funktionsweise der Demokratie. Da herrscht im Land auch jede Menge Trickserei, Korruption und sogar die Rolle und die Zwänge der Medien wurden endlich mal ausgiebig beleuchtet – das Resultat war natürlich kein Ideal, es gab keine Helden, aber es gab immerhin eine überaus realistische Sicht auf demokratische Verhältnisse – und etwas Besseres haben wir, der dämliche Populus, wohl politisch nicht zu erwarten. Wenn ich mir dagegen manche unserer Hauruck-Linken anschaue, dann ist das pure Romantik, was die im Kopf herumtragen.

    Zu Laschet: Magnifizenz möchte ich den nicht gerade nennen. Und Verheugen ist FDP, da geht es um Wirtschaft, und jetzt soll auch mal wieder Ruhe sein, weil in Russland so allerlei ‚Önnveschtitjonen‘ anstehen. Da hindert diese Revolutionsfolklore in der Ukraine nur – und der Putin möchte doch mit seiner Krim selig werden.

    Bei der ‚Svoboda‘ irritiert mich dieses ewige Aufbauschen: Das war mal eine Zwei-Prozent-Partei, dann hat sie Janukowitsch höchstselbst auf zehn Prozent aufgewertet, mehr aber dürften es bei freien Wahlen nicht werden. Und in Konkurrenz zum ‚rechten Sektor‘ jagen sie sich auch noch gegenseitig die Stimmen ab. Im Hintergrund spukt bei solchen ‚Öchsperten‘ wohl immer der Gedanke herum, dass die Ukrainer im Grunde doof seien und ganz bestimmt im Mai ‚die Faschisten‘ wählen werden.

    Dabei ist es selbst bei Bandera, der Gründungsfigur des ukrainischen Nationalismus, trotz seiner Polen-, Juden- und Kommunistengemetzel höchst fraglich, ob der überhaupt in die Faschistenschublade passt. Der gehört für mich eher in die Linie russischer Nihilisten mit Zarenmord und ersatzweisen Pogromen. Immerhin saß Bandera unter Adoof vier Jahre in einem deutschen KZ – auch nicht ganz stimmig. Und als ihn die Nazis am Ende des Krieges gegen die Russen ‚reaktivieren‘ wollten, schlug sich dieser treulose Bandera prompt auf die Seite der sowjetischen Partisanen. Tscha, dumm gelaufen …

  12. klaus,

    ich war heute morgen ganz iritiert, als ich den kommentar nicht sah und hatte ihn schon mal bei mir in einer recht düsteren post mitverwurschdet.

    wie dem auch sei (verheugen ist btw. sozi, schon seit genscher schmidt verriet) – ich verlinke mal zweierlei: einerseits das interview, das antje vollmer gegeben hat.

    es ist schön, daß es noch eine grüne gibt, wenn alle anderen weiber da anfangen die moderne variante der sozen 1914 zu geben.

    das zweite ist ein wdr radiofeature „geschichte wird gemacht – die erfindung der ukrainischen nation“ von vorgestern, das lustigerweise auch von lübberding verlinkt wurde, dessen tv-kritik von heute morgen auch teil meines „knöpfe drücken“-posts ist.

    versteh‘ mich richtig: ich weiss nicht, wer „recht“ hat, ich will beim besten willen nicht recht behalten, weil … naja, das ergebnis wäre elend.

    zu dänisch/schwedischen serien: ich habe seit sonntag abend wieder mein weibliches pendant, was den umgang mit meiner umwelt angeht, saga, auf dem schirm („die brücke II“) und da wurde mir angesichts des fummels, den die chefin ihres dänischen kollegen auf der arbeit anhatte, noch mal klar, wie groß manchmal die unterschiede sind – und wie wenig wir sie wahrnehmen.

    so was würde keine deutsche frau auf der arbeit anziehen und sich selbst noch als seriös empfinden.

    warum ich das erzähle: ich befürchte, „wir“ deutschen bekommen manchmal gar nicht mehr mit, wie selbstgefällig „wir“ in unseren urteilen sind. das hat antje sehr schön formuliert und genau so sehe ich das in bezug auf rußland.

    es ist einfach, putin zu be- oder verurteilen, und – sage ich mal direkt in aller freundschaft und zuneigung, die ich für dich und deine arbeit empfinde – ich befürchte, du sitzt oben auf einer palme und das, was ich hier tue, ist der versuch, dich da ein bißchen herunterzuholen, dich zu bitten, eins, zwei schritte zurückzutreten und noch einmal auf ein größeres bild zu gucken. denn, da bin ich mir sicher, sonst würd ich mir die mühe nicht machen, im grunde bist du viel zu klug für dieses einfache und ausschließliche putin bashing.

    das andererseits wiederum teil meiner meinungsbildung ist.

    es sind, sagte ja der mönch „finstere zeiten“ und man muss dinge denken, die zueinander im wiederspruch stehen.

    in diesem sinne – in einer stunde roundabout kommt eines meiner jährlichen highlights, der nockherberg, bockbier wird kaltgestellt, einmal im jahr wird hier im haus alkohol konsumiert.

    obwohl mir gerade manchmal danach ist, mich angesichts der nachrichten, öfters zu besaufen.

  13. Was mich stets zuverlässig allergisch reagieren lässt, ist schlicht ‚die Lüge‘. Und so unverschämt gelogen wie jetzt aus Kreml-Richtung wurde in der Weltpolitik zuletzt zu Schorsch Dabbeljuhs Zeiten. Eigentlich bringt dieser Jerofejew, selbst Russe, ganz gut auf den Punkt, was auch ich denke: „Die euphorische Stimmung in seiner Heimat schildert der direkt aus Moskau angereiste Schriftsteller in finstersten Farben. Niemals hätten die nationalen Medien derart schamlos indoktriniert und gelogen wie jetzt, das stelle sogar die Sowjetpropaganda während der Kuba-Krise oder der Niederschlagung des Prager Frühlings in den Schatten.“

  14. klaus,

    _beide_ seiten lügen …

    ich hoffe, du hast einen blick auf den nockherberg geworfen, es war der wohl beste seite jahren, beendet mit von teufeln gerittenen politiker und dem lied „ein vorsicht, ein vooorsicht der gemütlichkeit“.

    wunderbar!

  15. Nein, da gibt es einen grundlegenden Unterschied: Im ’slawischen Raum‘, und da beziehe ich jetzt Ungarn oder Rumänien durchaus ein, werden Medien als Teil des staatlichen Machtapparats betrachtet, sie sind weisungsabhängig und werden auch so geführt und organisiert. Journalisten, die sich dafür hergeben, gibt es allemal wie Sand am Meer. Das war schon immer so.

    Bei uns aber werden bislang keine unbequemen Medien abgeschaltet oder schlicht ‚übernommen‘, zumindest nicht aus ideologischen Gründen. Natürlich gibt es auch in den USA ‚Fox TV‘ und andere Verdummungs-Veranstaltungen der Koch-Brothers und der Heritage Foundation. Aber es gibt eben immer auch andere … in Russland aber gibt es nur noch die verlogene Regierungsmeinung auf allen Kanälen – z.B. ‚es gibt keine russischen Truppen auf der Krim‘. Wenn mich jemand derart blöd machen will, kriege ich die Krätze.

    Wir haben bislang immer noch beide Seiten ‚auf Sendung‘, sogar eine ‚Links-Zeitung‘, die im Kern ‚Russia Today‘ bloß abschreibt. Wer den Scheiß lesen mag, soll’s eben lesen. Und wenn die ‚Linkszeitung‘ damit keine Leser gewinnt, ist das ein Problem ihrer Glaubwürdigkeit. Das eben ist der Unterschied zwischen Meinungsfreiheit und Gehirnwäsche …

  16. klaus,

    ich sach ma so … bei uns ist es auch nicht üblich, daß abgeordnete dem chef des staatlichen fernsehens eins auf die zwölf geben (ich hab‘ das video gestern auf euronews gesehen).

    ich lese auch, daß der verteidgungsminister zu svoboda gehört. oder daß bandera, der sich vorher mit den nazis gemein machte, von denen in den knast gesteckt wurde, weil er einen staat ukraine ausrief. oder daß svoboda verbindungen zur NPD unterhält. na denn, gute nacht.

    ich sage ja nicht, daß „die“ ukraine von faschisten regiert wird, und noch weniger würde ich abstreiten, daß ich in russischen medien stöbernd meine erkenntnisse über die welt beziehe

    ich lese den mist generell erst gar nicht, dazu ist mir meine zeit zu schade und der neue schätzing mit 35 stunden definitiv zu lang … aber äußerst informativ btw. … „mirage“ von matt ruff …amerikanische terroristen haben das welthandelszentrum in bagdad zum einsturz gebracht, die vereinigten arabischen staaten sind an der küste amerikas gelandet und säubern nun die rocky mountains, während david irving, der englische premier immer noch die vernichtung des judenstaates, der von der oder bis an die französische grenze reicht, samt deren bewohner fordert 😉 … ist auch toll, erfordert aber totale konzentration, um bloß keinen brüllenden joke zu verpassen …

    du verstehst: ich hab‘ wirklich besseres zu tun, als diesen zankhähnen meine zeit zu opfern, wie gesagt „todo“-liste, man weiss ja nie, und ich will „hinterher“ nicht sagen müssen „hätte ich nur …“.

    ich lese also die leute, die mir einen blick auf die welt vermitteln, zb. dich, höre den widerstreitenden stimmen im radio zu, denke mir meinen teil und komme zum ergebnis: da sind _überall_ nur idioten am werk.

    wobei das jetzt bitte nicht als das übliche „politiker sind dooof“-gestammele ist, ich mag eigentlich politiker und respektiere (normalerweise) ihre arbeit … aber im moment scheinen mir alle irgendwie ein bißchen vernagelt und vor allem überfordert.

    du wirst mich also nicht für eine seite überzeugen können – ich traue keinem zu, das wirklich geregelt zu bekommen, und die frage, wer an was „schuld“ ist, wäre – wenn die weiter „schlafwandeln“ – hinterher eh müssig, oder?

    nicht, daß ich im panikmodus bin, aber, naja, ich hab‘ halt ne kleine todo-liste incl. hoffmannstropfen auf vorrat und gucke den dingen eher irritiert in ihrem fortgang zu.

    du verstehst?

    ich bin emotionell einfach zu weit weg von dem ganzen aberwitz, will mich da auch gar nicht groß argumentativ verwickeln. eher damit an palmen zu klopfen und ggfl zu sagen „hey, hier unten ist auch ein angenehmer ort und man fällt nicht so tief, wenn ernsthaft an den bäumen gerüttelt wird“ 😉

    liebe grüße aus der sonnenbeschienen eifel.

    und, nochmal, „fast faust“ – das gestrige singspiel auf dem nockherberg, wieder inszeniert von marcus h. rosenmüller – wird am 21. um 19:45 auf b3 wiederholt, es war wirklich in jedem detail mit das beste seit jahren, du solltest es unter gar keinen umständen verpassen, die perfekte mischung aus intellektuellem vergnügen, krachledernen schenkelklopfern und unsterblichen hits wie dem von merkel & gabriel vorgetragenen

    „aber nein, aber nein, wir müssen evangelisch sein“

    äätsch, ich war mal katholich 😉

  17. ooops: ich streite natürlich ab, daß ich russische medien überhaupt zur kenntnis nehme. nicht mal in form ihrer lobotomisierten deutschen herolden. aber ich misstraue auch abgrundtief denen auf „unserer“ seite, die uns in diesen mist reintreiben.

  18. Think different!

    20. März 2014 at 17:29

    @ hardy
    >“mirage” von matt ruff

    =>> Farthing Trilogie von Joe Walten nicht verpassen!

  19. Ich habe dir als neuen Beitrag dort oben jemanden verlinkt – einen rationalen Erzpessimisten – der dir gefallen dürfte.

  20. think different

    ist notiert, aber – soweit ich weiss – nicht als hörbuch erhältlich.

    von ruff gibt’s ja ne menge als hörspiel (G.A.S.) oder als hb (Bad Monkeys). schätzing ist elend lang, bis zu shabra & shatila halte ich aber noch durch .. dann steht eco auf der TDL …

  21. Think different!

    21. März 2014 at 8:51

    @ hardy:
    Sorry, gleich zwei Tippfehler: Jo Walton. Jo ohne E, Walton mit O.
    Die hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Jo_Walton. Aber was ich dort nicht finde sind deutsche Übersetzungen der Farthing Trilogie. Seeeeehr schade, die wären’s wirklich wert.

    Und leider auch nicht auf Deutsch, aber hier* von der FAZ zusammengefaßt: Masterplan und Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in Russland vs. Ukraine, vorweggenommen von Tom Clancy und Mark Greaney.

    * http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/themen/ein-thriller-als-ukraine-drehbuch-wenn-tom-clancy-es-wusste-wieso-nicht-die-eu-12835198.html?printPagedArticle=true (alles in eine Zeile)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

© 2017 Stilstand

Theme von Anders NorénHoch ↑