Stilstand

If your memory serves you well ...

Monat: Dezember 2014 (Seite 1 von 8)

Wir haben doch Ausländer lieb!

Das flötet das Pegida-Kommentariat als Reaktion auf Merkels Neujahrsansprache.

Um es mal klar zu sagen: Wenn irgendjemand es wagen würde, die ’19 Pegida-Programmpunkte‘ auf einer Pegida-Demonstration vorzulesen, dann würde er von den Pegida-Demonstranten schneller von der Pegida-Bühne geprügelt werden, als er ‚Pegida‘ sagen kann. Kurzum – es ist man bloß Double-Speak: Links blinken, rechts abbiegen …

Aber hier kommt schon Alex, die tote Hose der AfD – Vorhang auf für seine Horrorshow:

„Die Alternative für Deutschland (AfD) hat die Anti-Islam-Bewegung „Pegida“ gegen Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Schutz genommen. „Sie verurteilt Menschen von oben herab, die sie gar nicht kennt“, sagte der AfD-Fraktionsvorsitzende im Brandenburger Landtag, Alexander Gauland.“

Nun ja, ‚von unten‘ ginge das ja auch kaum …

Kommt gut rüber …

Allen, die dies lesen, wünsche ich einen guten Rutsch und ein erfolgreiches neues Jahr. Allen, außer Alexander Dobrindt, Vladimir Putin, Thilo Sarrazin, Helene Fischer, Justin Bieber, Ken Jebsen, Igor Strelkov, Rosamunde Pilcher, Carsten Maschmeyer, Bernd Lucke … mein Gott, das hört ja gar nicht mehr auf!

Wie sagte schon Goethe: ‚Ein Lump, wer keine Feinde hat.‘

Und tschüß!

Als erster Abmahnwalt ist Thomas Urmann jetzt seine Zulassung los. Wem er eine Rechnung schreibt, der darf die getrost zukünftig gleich in den Reißwolf stopfen. Hoffentlich werden noch viele seinem lobenswerten Beispiel folgen – Müllmann ist ja auch ein schöner Beruf, und sehr viel ehrenwerter und geruchsneutraler dazu:

„Vor rund zwei Jahren sorgte der Regensburger Anwalt Thomas Urmann für Schrecken: Mit Massenabmahnungen wegen angeblich rechtswidrigen Klicks auf die Website Redtube löste der Jurist einen Furor in der Szene der Internetuser und Urheberrechtler aus. Nun ist es damit vorbei: Der Jurist hat keine Zulassung zum Anwaltsberuf mehr, wie die Mainzer Anwaltskanzlei GGR mitteilte.“

DNR: Gute Bildung ist alles

Compulsory education will be the subject for both boys and girls. It will include a drill and physical training, the basics of civil defense, shooting, assembly and disassembly of small arms. In addition, it is assumed holding elective classes of civil defense in the process which will teach students the basics of first aid, how to behave when artillery fire, the basics of equipment shelters and shelters.“

Erinnert mich doch stark an die HJ und die Jungen Pioniere. Und mit dieser Ausbildung bauen sie dann das Land wieder auf? Non scholae sed mortis discimus? Hier übrigens Bilder von der Moskauer Pegida, der Russian Version:

„Neo-Nazis and Nationalists Rally at the “Russian March”. No unity on National Unity Day.“

Auch ’ne Verschwörungstheorie

Wer sich über das sinnlose Massensterben der Separatisten am Donezker Flughafen im Feuerhagel der ‚Cyborgs‘ wundert – hier wäre eine mögliche Antwort zu finden:

„Weiter. Der Hauptteil der russischen Streitkräfte wird hauptsächlich in den zur Russischen Föderation angrenzenden Städten beobachtet und nicht an der Frontseite: Offensichtlich wird im Kreml wunderbar verstanden, dass im Falle einer weiteren Konfliktverschärfung – wenn man sich nicht mehr durch humanitäre Hilfe freikaufen kann und die Region vollständig geplündert ist – die bösen Kämpfer in das angrenzende Gebiet Rostow eindringen werden. Die Chancen ins Innere des ukrainischen Territoriums vorzudringen sind gering: die ukrainischen Streitkräfte haben ihre Positionen recht gut gefestigt.“

Der Flughafen wäre somit also eine ‚Knochenmühle‘ für unbotmäßige Elemente; Säuberungen nicht durch Gulags, sondern durch Fronteinsatz. Creating martyrs without a cause … interessant auch die dort genannten Angebote von kosakischen Separatistenführern an ukrainische Streitkräfte, sich jetzt ‚gegen die Russen‘ zu verbünden.

Je länger, je mehr erinnert mich die Situation im Donbas an den russischen Bürgerkrieg, nur dass ich nicht weiß, wer dort jetzt die ‚Roten‘, und wer die ‚Weißen‘ sind. Wer noch Weihnachtsgeld übrig hat, besorge sich die jüngst erschienenen Erzählungen des großen Isaak Babel aus dem schönen Odessa, um zu verstehen, dass damals nicht kommunistische Helden gegen faschistische Söldner kämpften, sondern Dreck gegen Schmutz. Stalin jedenfalls ‚was not amused‘ … und Putin ist es vermutlich heute auch nicht.

No Names (37)

Diese Texas-Band namens ‚Deadman‘ um den Mastermind Steven Collins möchte ich hiermit allen ans Herz legen, die noch nach einem passenden Chill-Out für das Jahr 2014 suchen.

Logik sechs, setzen!

Die russische Krise werde kein Land der Welt so stark treffen wie Deutschland.“

Typisches Aluhut-Gebrabbel. Ich behaupte hingegen, die russische Krise werde kein Land so stark treffen wie Russland. An zweiter Stelle dann vielleicht auch die Ukraine. Und wat sagste nu, DWN? Ach, ein solcher Teaser wäre für eure toitsche Leserschaft doch völlig ungeeignet?

Gegenrechnung

Wie du uns, so wir dir. Einer der beinharten Alu-Hut-Träger oder aber jemand aus den Reihen der propagandagelenkten Nashibots schreibt uns bei ‚Zeit online‘ diese bereits vielfach abgekupferte Liste in den ausufernden Thread der hirnverblasenen Ahnungs- und Gewissenslosen hinein:

„Vietnam
Panama
Grenada
Kosovo
Irak
Lybien
Eine Spur des Krieges.“

Bevor mir hier der Kragen platzt, ist es doch endlich mal Zeit für die niveauparallele Gegenrechnung:

„Vietnam
Angola
Mozambique
Afghanistan
Tschetschenien
Süd-Ossetien
Transnistrien
Abchasien
Syrien
Ukraine
Eine Spur des Krieges.“

Menschliche Fracht

Unter der Flagge des Roten Kreuzes rollen die russischen Truppen hinein in den Donbas – das sagt der Organisator dieser Transporte selbst. ‚Human Aid‘ also statt ‚Humanitarian Aid‘. Auf dem Rückweg haben die Kamaz‘ dann wiederum menschliche Fracht geladen, nehme ich mal an. Diesmal allerdings passieren sie wohl als ‚Cargo 200‘, um irgendwo im Hinterland diskret verscharrt zu werden:

„Russians Used Humanitarian Convoys to Send Militants into Ukraine, Russian Organizer of this Effort Says.“

Tscha, statt der dringend benötigten Lebensmittel gibt’s nur weitere Mäuler, die zu stopfen sind … und dem Herrn hier scheint es auch den Blick versemmelt zu haben:

„Russia’s Deputy Defence Minister Anatoly Antonov accused Nato members of „trying to turn Ukraine into a front line of confrontation with Russia“.

Förmlich das Gegenteil ist richtig: Diese ‚Konfrontation‘ entsteht durch die Annexionen und den unaufhörlichen Einmarsch ‚grüner Männchen‘ auf ukrainisches Territorium. Oder erwartet der Kerl etwa, dass die Ukrainer den Russen dafür aus Dankbarkeit um den Hals fallen?

So leicht kriegt ihr mich nicht …

Der ‚hardy‘ hat hier im Kommentar verkündet, dass er dem Jan Fleischhauer erstmals vollumfänglich recht gebe. Da hege ich große Zweifel – nur weil der Gegner ausnahmsweise mal der gleiche ist, heißt dies noch nicht, dass durch einen Schwarzen Kanal plötzlich das klare Wasser der Vernunft strömen würde. Hier Fleischhauers zentrale These:

„In Dresden können wir erkennen, wie eine Öffentlichkeit aussieht, die ihre Informationen nur noch aus obskuren Ecken im Netz bezieht.“

Erstens sehe ich dort bei Bifigaga (= Pegida) eine ganze Menge Leute herumlaufen, die schon Schwierigkeiten haben dürften, einen Computer überhaupt fachgerecht anzuschmeißen. Und zweitens kommen die dicksten Enten nach wie vor aus den gedruckten Medien, so wie beispielsweise der derzeit größte Aufreger, dass künftig in toitschen Weihnachtsmessen auch ein muslimisches Lied geträllert werden müsse. Der Hoax stammt nämlich aus der ‚Bild‘, seit Jahrzehnten stets für die kleine Hetze am Morgen zuständig. Folglich stimmt der folgende Satz vom Jan Fleischhauer auch nicht, auch das ist nur ein Konstrukt:

„Bei Pegida zeigt der rechte Onlinebürger Gesicht, es ist der Aufmarsch der digital Erregten.“

Bei diesen Rechtserigierten dürfte immer noch die gedruckte Ware fürs große Aufschäumen zuständig sein. Ich nenne bloß mal den Ulfkotte oder den Sarrazin, deren Werke doch zu hunderttausenden ihre Abnehmer finden, und zwar gebunden und auf Papier. Weiter geht’s holterdipolter den Schwarzen Kanal hinab:

„Mit Menschen, die ihr Weltbild vor allem aus Blogs und Webseiten zusammenklauben, die sich als Gegenöffentlichkeit verstehen, wird es schwer, eine Ebene der Verständigung zu finden.“

Ach ja? Ist ‚RT deutsch‘ neuerdings ein Samisdat-Medium, nur im Netz zu finden? Residieren die nicht vielmehr unweit vom Kanzleramt, in gepflegten Studios? Was ist ferner mit dem Gas-Gerd, was mit der Gabriele-Krone-Schnulz, was mit der ‚Anstalt‘ des ZDF, was mit dem Ostausschuss der deutschen Wirtschaft, was mit diesem Aufruf der 60, was ist mit Eva Herman oder Konstantin Wecker – wären die alle nur in den Schmuddelecken der Blogs zu finden, oder greift nicht jeder Volontär eines Altmediums begierig zu solchen Statements, um für ein wenig Awareness zu sorgen?

Kurzum: Diese euphemistisch getauften ‚Wutbürger‘ beziehen ihre Medienkritik noch immer und zuvörderst aus diesen Medien höchstselbst, weil letztere sich ständig selbst ins Knie schießen. Das Internet wäre dann nur ein Treibsatz, der die Verbreitung all des Quarks erheblich beschleunigt. Natürlich gibt es auch ‚Schmuddelecken‘ im Netz – ‚Politically Incorrect‘, ‚Telepolis‘, ‚Hinter der Fichte‘ oder die ‚Nachdenkseiten‘ – aber man muss sich doch erst einmal an den eigenen Kopf fassen.

Wenn ich bspw. über die Ukraine-Krise etwas Fundiertes wissen will, dann begebe ich mich zu ‚reddit‘, zum ‚Interpreter‘ oder zu den ‚Voices of Ukraine‘ – also direktemang ins Netz. Und sehr viel seltener zu den so genannten ‚Qualitätsmedien‘, wo es redaktionell und ständig heute ‚Hü‘ und morgen ‚Hott‘ heißt, im dienstfertigen Bedürfnis, es möglichst allen recht zu machen. Solche Medien sind zum Selbstbedienungsladen jeder Ideologie geworden, auch derjenigen von der Pegida.

Was der Jan hier mal wieder betreibt, ist reine Bauernfängerei, ganz wie bei der Pegida auch. Er schimpft scheinbar auf Pegida – und meint das pöse Netz, den eigentlichen Feind der Altmedien. Und wenn’s das Netz nicht gäbe, dann gäbe es auch Pegida nicht. Ach, wie schön wäre Panama …

Auch wenn’s hier nicht ganz so besinnlich klang – allen Lesern des ‚Stilstandes‘ wünsche ich ein schönes Weihnachtsfest.

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