Stilstand

If your memory serves you well ...

Monat: November 2014 (Seite 2 von 6)

Eins ist klar

Wenn die Ukip, der Front National, die FPÖ, der Jobbik oder eine der all anderen von Putin gepamperten rechtsradikalen Parteien irgendwo an die Regierung kommen sollten, dann wird ‚Russia Today‘ der erste Sender sein, der loskreischt: „Faschisten übernehmen die EU“.

Auch das ist mal wieder so’ne Lachnummer:

„DNR demand to convene an emergency meeting of the UNSC for consideration of the peacekeeping contingent in the East of Ukraine“

Kein Land hat die beiden Phantasiestaaten nämlich bisher anerkannt. Noch nicht einmal Russland. In was für einer Position wären sie also, solch eine Dringlichkeitssitzung zu verlangen. Wolkenkuckucksheimer.

Andererseits – mal angenommen, man würde darauf eingehen: Russland könnte dann wohl schlecht das übliche Veto gegen eine daraus folgende Resolution einlegen. Schon hätten sie die UN-Truppen in ihren Beutestaaten … was aber bei der Vielzahl der Parteien ein äußerst gefährlicher Job wäre:

„The process of uniting the gangs, which is taking place under the control of the General Staff of the Russian Armed Forces, supported by the FSB, is accompanied by clashes between armed groups. There are cases of arrest of some of the representatives of the terrorist groups. The most active clashes occur in the southern districts of Donetsk and Luhansk regions, where Russian mercenaries (primarily the so-called “Cossacks”) are waging an armed struggle with small groups of local militants who had fled from the districts of Horlivka, Makiivka Yenakiievo, Stakhanov and Donetsk.

Ein guter Artikel über die russischen Kleptokraten aus der Perspektive eines Insiders findet sich hier:

„Putin’s entire chain of command is built on a foundation of corruption,“ Kolesnikov says. „To see power go to another party or other people would be to put themselves under enormous threat of criminal investigation and inevitable punishment.“

Seltsam ist es schon …

Gestern lief nun schon die dritte Talkshow zur Ukraine-Krise, zu der niemand aus der Ukraine eingeladen war.

Derweil steigt die Stimmung in Novosomalia von Tag zu Tag:

The militants tried to scare the protesters away with machine gun fire, however the publication reports that people kept coming with over a thousand involved. This is not the first time that the militants have used their machine guns to try to stifle protest. … At the same protest it was stated that as of Nov 16, 64 people had died of starvation. During the last week there have also been reports of protests in Makiyivka; Torez; Snizhne; and Yenakiyevo.“

Tscha, Herrgott, kann dieser Pöbel nicht einfach schweigend verhungern, so brav wie einst im Holodomor?

Der Putin entpuppt sich derweil als ein echter Linker. Jetzt hat er dem Front National ein paar Milliönchen gespendet, vermutlich um Marine Le Pen zu diskreditieren …

Andersherum wird’s ein Schuh

Wer immer noch unbelehrbar von einer ‚Faschisten-Junta‘ in Kiew faselt, der möge sich doch diesen Text mal zu Gemüte führen:

‚Wlassow-Anhänger, Faschisten und Weißgardisten im Dienste der “DVR”

Man könnte auch sagen, dass die Bevölkerung der beiden Sockenpuppen-Republiken unter faschistische Herrschaft geraten ist – dank Vladimir Putin. Der sagt jetzt übrigens:

„We are strong because we are right:“

Tscha, nach diesem Gesetz des Stärkeren wären die USA dann logischerweise wohl noch ‚righter‘, weil noch ’stronger‘. Klingt irgendwie nach Gangster-Logik aus East LA: ‚Guggst du meine Muckies, Oida – also gib Handy‘. Ich glaube ja auch, er meinte das andersherum. In der Eile hat er sicherlich nur die Adverbien vertauscht … ein großer Ökonom ist er jedenfalls nicht gerade:

„But look: we earlier sold a product that was worth one dollar and got 32 rubles for it. And now we’ll get 45 rubles for the same product costing one dollar. Budget revenues have increased and not decreased.

Und wenn’s für den Dollar eine Milliarde Rubel gibt, dann kauft er sich die ganze Welt. Je länger, je mehr erinnert er mich an den Schulhof-Bully einer Vorstadtschule, nix in der Birne, aber Atomraketen  …

Inside Novosomalia

I remember four months ago, they told us, „If you join the European Union, all the coal mines and plants will close, there will be no jobs.“ But here, oh là là — we didn’t join the EU, yet not a single coal mine in Gorlovka is running, not a single plant, they stupidly wrecked them. These people came here not to create, but to destroy. Stirol is closed. The mines are flooded. Kirov Machine Works is halted, people have left, there’s nobody to work. Everything is closed. There is garbage everywhere. There are many abandoned animals. … There’s no work. There’s no normal food. Nothing. So this is what’s called „the Russian World has come to us,“ let it be thrice damned, your „Russian World.“ Once again, guys, I ask you, Russians, take away your Bezler, your Girkin, your Strelkov. Let them build new people’s republics in your country, Russia. Let them destroy bridges, let them destroy the infrastructure in your cities. But leave us alone. And take your „Russian World“… He concludes with a vulgar curse.“

Tscha, blühende Landschaften …

Ich verbreite übrigens gerade mal wieder etwas ‚Fear and Loathing at Wiesaussieht‘.

From Russia with love – das stille Massensterben ist wohl eine Folge all der russischen Hilfskonvois:

„Ukraine party of retired people confirms 64 people in Chervonopartyzansk, Luhansk regions have died from starvation.“

Nicht fähig, die zwangsbeglückte Bevölkerung in den famosen Folxrepupslicken zu ernähren, aber täglich mit Grads rumballern. Wie mag’s in anderen Städten Novosomalias erst aussehen? Holodomor? Holodomor! Da war doch mal was …

Apropos – am Alarmgebell von Putins Dobermann ist sicherlich so viel richtig, dass eine ganze Menge Leute im Westen aufatmen würden, wenn sie sein Gesicht und das seines Vorgesetzten nicht mehr sehen müssten:

„Die russische Regierung wirft dem Westen vor, einen Regierungswechsel in Russland zu forcieren. Mithilfe der Wirtschaftssanktionen sollen gezielt Proteste in der Bevölkerung ausgelöst werden, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow in Moskau vor dem Rat für Außen- und Verteidigungspolitik.“

Und was schließen sie nun daraus? Rally ‚round the Flak? Wie wäre es denn, wenn sie nur das Minsker Abkommen mal einhalten würden?

Ken unter Antilopen

Jeder kennt einen der von Verschwörung schwadroniert
Und er weiß, wer die Medien und die Börsen kontrolliert,
Dem es leicht fällt, die Welt in Gut und Böse zu sortieren,
Und er kennt auch immer eine simple Lösung des Problems:
Zu Verschwörungstheorien gehören Vernichtungsfantasien.
Sie können sagen was sie wollen, sie sind schlicht Antisemiten,
All die Pseudo-Gesellschaftskritiker
Die Elsässer, die KenFM-Weltverbesserer:
Nichts als Hetzer in deutscher Tradition
Die den Holocaust nicht leugnen, sie deuten ihn um.“

Wat ’ne klagefreudige Narzisse! Ich suche immer noch nach einer Zeile, die mir so richtig falsch erscheint … wer austeilt, muss auch einstecken können. – Aber diese Rapper-Truppe beschädigt doch das Ansehen unserer schönen Montags-Demos! – Welches Ansehen? …

Blasphemie!

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Beim Stöbern in meinen alten Dateien stieß ich auf diesen Text. Mir waren damals all die üblichen Ratgeber zum Schreiben im Netz aufgestoßen, deren Ratschläge dann doch immer auf ‚Wolf Schneider‘ mit einer Prise SEO hinausliefen. Ich habe meine konträren Ansichten damals in ‚zehn Gebote‘ gefasst:

Die zehn Gebote
Schreiben im Web 2.0

1. Du sollst keine anderen Götter haben.
Ich bin ein neuer Gott, geboren in einer ‚Medienrevolution‘. Die alten Gebote gelten nicht mehr.

2. Du sollst eine Gemeinde formen.
Vernetze dich, beteilige dich an Diskussionen anderswo, setze Links und äußere dezidierte Meinungen, die eine Debatte auslösen. Dann werden meine Engel, die Suchmaschinen, dich weit oben, zu meiner Rechten, platzieren.

3. Du sollst in Bildern sprechen.
Die Menschen sehen nur, was ihnen anschaulich ist. Sprich in Metaphern, entdecke die Macht einer neuen, bildhaften Sprache.

4. Du, nur du, sollst Zeugnis ablegen.
Weil du für meine neue Kirche sprichst, stehst du allein. Die Kirche der Individualität hat selbst keinen Mund. Werde nie zu einem bloßen Sprachrohr, sondern zu einem Autor, der auf jedem Marktplatz wiedererkannt wird. Schaffe dir in meinem Namen einen Namen.

5. Du sollst nicht nur Wörter und Buchstaben nutzen.
Meine Welt ist ‚multimedial‘: Ich spreche aus Filmen, aus Animationen, aus Bildern und Fotos – und nicht nur aus grauem Text zu den Menschen.

6. Du sollst den neuen Gott beschreiben – aber keine Theologie verbreiten.
Meide die Fachsprache der Gelehrten, beschreibe in einfachen Worten komplizierte Dinge, damit die Gemeinde das Sehen lernt.

7. Du sollst deine Überzeugung mitteilen, nicht meine Gebote.
Sprich also in der Ich-Form, zeige dein Gesicht, stehe zu deinen Aussagen, berufe dich nicht auf Autoritäten, die immer so vergänglich sind wie das Laub im Herbst.

8. Du sollst erzählen.
Die Menschen folgen Geschichten, nicht den Beschreibungen. Mache aus jedem Gegenstand einen ‚Helden‘, gib ihm eine Biographie, eine Entwicklung und Erlebnisse.

9. Du sollst von dir selbst überzeugt sein.
Schreibe nie etwas, woran du nicht glaubst. Schon führen alle Wege zu mir.

10. Du sollst mich achten.
Bestelle den neuen Acker in meinem Geist. Reiße das Unkraut und die alten Wurzeln aus.

Bild: Welleschik, wikimedia, CC-License

Igor ‚Kamikaze‘ Girkin

Bilder vom Auftritt des großen Strategen Igor Strelkov gibt es jetzt bei ‚Ukraine Today‘. Tenor: ‚Klar, haben wir Russen den Krieg begonnen und all das gemacht, was wir immer bestritten haben‘.

„Girkin said that he and a group of 52 elite Russian commandos seized Ukrainian government buildings, police stations and security service offices in April this year.“

Welcher Teufel ihn reitet? Tscha, das weiß ich auch nicht, die russische Seele bleibt für mich ein Buch mit sieben Siegeln … und dass es die russischen Wehrpflichtigen sind, die ihrem Präsidenten als erstes den Stinkefinger zeigen, hätte ich gestern auch noch nicht vermutet:

„Some 250 Russian draftees at a military base in Rostov oblast have rejected the appeals of their commanders to sign up as contract soldiers, a step that would allow Moscow to send them to fight in southeastern Ukraine, according to Valentina Melnikova of the Union of Soldiers’ Mothers of Russia.

Wie isses denn nur möchlich!

AfD-Anhänger neigen zu Rassismus.“

Liegt es vielleicht daran, dass es sich um eine ‚Professorenpartei‘ handelt? Oder ist es eine Folge der Referenten, die auf ihren Veranstaltungen vom Leder ziehen dürfen?

Medialer Mainstream 1.0

Auf den Begriff des ‚medialen Mainstreams‘ bin ich gestern ganz zufällig bei Hunter S. Thompson gestoßen (‚Die Rolling Stone Jahre‘). Damals meinte sein Widerstand gegen das Objektivitätsideal der bürgerlichen Zeitungen noch etwas anderes, als ebenso erwünschte wie blanke Lügen von glattgeschleckten Betthasen mittels ‚Russia Today‘ in pseudo-journalistischer Sprache verbreiten zu lassen – so wie heute. Hunter S. Thompson’s Kampf richtete sich gegen jenen „Haufen hirnverkrusteter Arschgeigen“, der bräsig und dienstleistungsbereit in den Redaktionen etablierter Zeitungen saß. Einige Beispiele:

Hauptstadt-Journalismus (HJ): „Dem Kandidaten Nixon werden gute Chancen eingeräumt, die kommenden Präsidentschaftwahlen zu gewinnen.“
Gonzo-Journalismus (GJ): „Und so blieb nur noch Nixon übrig; dieser aufgeblasene, künstliche kleine Furz, der demnächst unser Präsident sein würde“.

HJ: „Die Gegner des Sheriffs luden die Journalisten zu einer Pressekonferenz ein.“
GJ: „Zum Teufel, die einzige Weise, wie wir diese Hundesöhne dazu bekommen konnten, uns zuzuhören, ist, drüben in West Hollywood oder sonst an einem anderen scheiß Ort irgend ’ne schnieke Hotellobby zu mieten – wo die sich dann wohlfühlen können – und dort unsere Pressekonferenz abzuhalten. Mit gratis Kaffee und Häppchen für die Presse. Aber auch dann noch kommt die Hälfte der Arschgesichter nicht, weil wir ihnen keinen Schnaps umsonst kredenzen.“

HJ: „Der anerkannte Drogen-Experte Professor Bloomquist wies auf die Flashback-Problematik bei Konsumenten hin.“
GJ: „Dr. Bloomquists Buch ist ein Kompendium staatlich geprüfter Affenscheiße. Bloomquist schreibt wie jemand, der mal Tim Leary in der Uni-Mensa getroffen hat und für alle Drinks bezahlen durfte.“

Tscha, die beiden verfeindeten Gruppen verwendeten damals auch zwei unterschiedliche Sprachen. Das klang dann doch irgendwie anders als bspw. heutzutage Ken ‚As Catch Can‘ Jebsen, als der Alfkotte oder jemand von den anderen Media-Mainstream-Gegnern dieser vom ersten Tag an abgetakelten Generation, die, statt des Wortes als Waffe, die Lüge und das Verschweigen als Waffen zu nutzen gelernt haben – und das in exakt der gleichen Sprache wie ihr angeblicher Gegner. Was damals ein Klarstellen war, ist heute ein Übertölpeln: Man hüllt die dollsten Behauptungen in die Sprache eines vorgeblich ‚objektiven Journalismus‘.

Unverdrossen

Putin darf ja gern weiterlügen, wenn er sich unbedingt noch tiefer in die Grütze reiten will – aber hier findet sich eine unvollständige Liste exklusiv russischer Waffen, die bis dato im Donbas schon gesichtet wurden. Man muss schon ein vernageltes RT-Gehirn besitzen, um ihm den Scheiß noch abzukaufen …

Wenigstens wissen wir jetzt, wer den Krieg in der Ostukraine begonnen hat – und zwar aus seinem eigenen Mund (ist ein Google-Translate von lenta.ru, deshalb klingt’s ein wenig pfanni):

„Former commander of the host of Donbass Igor Gunmen [ = Strelkov] admitted responsibility for the outbreak of military conflict in the east of Ukraine. „The trigger war still hit me. If our unit is not crossed the border, in the end everything would come to an end, as in Kharkov, in Odessa. It would be several dozen killed, burnt arrested. And this would come to an end „- said the Gunners, reiterating that“ virtually flywheel war that still goes to run our squad.“

Tscha, hier eine arithmetische Frage an unsere Putin-Kamarilla: Wenn es ihn nicht gegeben hätte, wie viele Menschen würden dann also noch leben?

Die neuen Herren sind übrigens so doof, dass es fast schon weh tut:

„When they stormed the local state treasury to seize money, the treasurer had to explain the intricacies of state finance and that tax proceeds were not stored in cash in his building.

Oha, das haben wir gar nicht gewusst …

Nachtrag – hier eine bessere Übersetzung von Strullkovs Statement. Bin gespannt, wie lange er das überlebt:

„But it was I who triggered the war after all. If not for our group crossing the border everything would have ended like in Kharkov or Odessa. Several dozens dead, scorched, arrested and that’s it. It was for all intents and purposes our group that started the ongoing war. We upset all plans there were, everything! And from the beginning we started to fight for real: destroying „Right Sector“’s diversion teams. And I am personally responsible for all that’s happening there. I bear responsibility for Donetsk still being shelled. Of course I bear responsibility for leaving Slavyansk. And I bear responsibility for it not yet being freed too.“

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