Stilstand

If your memory serves you well ...

Monat: Juni 2014 (Seite 1 von 7)

Das traf den Richtigen …

Philipp Mißfelder sitzt im CDU-Präsidium, er fördert die Völkerverständigung mit Turkmenistan und berät einen Glamour-Verlag. Neulich besuchte er Schröders Geburtstagsparty in St. Petersburg. Als wir mehr erfahren wollen, wird er fuchsteufelswild.

Der Herr mit dem eingebauten Opportunitäts-Turbo hat schon lange publizistische Hiebe verdient … wie aber die Merkel dieses russophile PR-Männchen ausgerechnet zum USA-Öchsperten ihrer Fraktion machen konnte, das bleibt mir unerfindlich.

Nanu?

Ich dachte bisher, ‚Kalif‘ dürfe nur jemand werden, in dessen Adern das Blut Mohammeds, des Allwissenden, fließt:

„Es ist eine neue Demonstration der Macht: Die ISIS-Dschihadisten haben einen Staat mit islamischer Regierungsform ausgerufen. Befehlshaber des „Kalifats“ sei ihr Anführer Abu Bakr al-Baghdadi.“

Auf den Stammbaum des Herrn bin ich unter diesen Umständen höchst gespannt. Und die Legitimitätsfrage dürfte wohl auch schon bald zu neuen Konflikten führen. Andererseits sind ein paar dienstbare Schriftgelehrte immer schnell bei der Hand … süsswoll:

„Als offizielle Biografie lässt er verbreiten, dass sowohl der Vater als auch der Großvater geschätzte örtliche Notable waren und die Familie direkt vom Propheten Mohammed abstammt.“

Im Dunkeln ist eben gut munkeln. Vom Tellerwäscher zum Visionär, sozusagen … und wir erleben jetzt ‚Al-Bakr gegen Ali‘, das große muslimische Schisma, zweiter Akt. Die wahhabitischen Saudis, das sind auch nur Zauberlehrlinge …

Schlimm ist’s auf der Krim

It is depressive region, over 50% of its budget was not enough for maintenance,” emphasised the MP. And he reminded that the entire responsibility for Crimea lies on the shoulders of the Russian government. “The tourism season has been disrupted, as out of 6 million of all holidaymakers, 4,5 million would always come from Ukrainian cities and towns, which no longer go there. … The citizens of Crimea made money on the holiday making ’savages.‘ “Today, when you rent out your living space, you have to pay 30 roubles per square metre. Even when there is nobody living there, you still have to pay,” noted Sergiy Kunitsyn.“

Tschaja – Putins ‚Erfolge‘, und die lauthals versprochenen höheren Renten und Löhne bleiben auch aus. Muss Separatismus schön sein … aber auch anderswo, z.B. in Russland, wird der Putin den Leuten immer ‚teurer‘:

“It has happened! Gazprom is demanding an increase in tariffs on gas inside the country in order to build the pipeline to China. Putin supporters, rejoice! Thanks to the Chinese caper of your idol, the people will pay one-and-a-half times more for utilities. The $55 billion for the Rotenberg brothers’ contracts will be found in the pockets of state employees and pensioners. I have written many times that the project with the Chinese will be paid for by the citizens of my country. But I didn’t know that it would start so quickly.”

Wer’s noch ein wenig schärfer mag, dem empfehle ich den ‚Criticus‘ zur Berechtigung von Putin-Hitler-Vergleichen:

„Besonders das Internet ist dicht durchzogen von Blogs, die alle die gleiche rötlichbraune Querfrontsauce absondern wie russische Zeitungen und Fernsehsender. Andererseits funktioniert sie nach den gleichen Prinzipien, nach denen auch die Nazipropaganda funktionierte. Primitivste Hetze in größtmöglichster Dichte und Dauer. Dazu gehören Videos von Folter, Erhängen, Kopfabschneiden, zerfetzte Menschen und bevorzugt tote oder verletzte Kinder, wo immer es geht. Dabei ist sich die Propaganda nicht einmal zu zynisch, immer wieder die Leichen aus Putins anderen Kriegen als angebliche Opfer der ukrainischen „Faschisten“ zu präsentieren. Heute heißen die Verbreitungswege nicht mehr Stürmer oder Volksempfänger, sondern Fernsehen und Internet.“

Frauenlogik

Ich sehe heute etwas zerkratzt aus – und das kam so: Wir saßen gestern abend mit Nachbarn zusammen und das Gespräch kam auf einen der Jungen hier im Dorf. Der ist einerseits blitzintelligent, andererseits ziemlich demotiviert, bzw. zukunftstechnisch desorientiert. Er weiß also nicht, was er werden soll, und die schulischen Leistungen jetzt zum Abschluss hin sind dementsprechend ’nur so lala‘. Die Gespräch wogte hin und her, Thema: ‚Die heutige Jugend an und für sich und überhaupt‘. Mitten hinein ins Getümmel empörte sich eine Nachbarin: „In dessen Alter war ich schon Mutter!“ Losprustend fiel ich mit dem Stuhl hintenüber und landete rücklings im stacheligen Grün am Rand unserer Terrasse …

Putin am Ziel

Die EU und die Ukraine haben soeben das Assoziierungsabkommen unterzeichnet … ohne die hilfreiche Initiative des russischen Präsidenten wäre das wohl nicht so schnell erfolgt. Aus dem Kreml ertönt Gebell:

„Unmittelbar nach der Unterzeichnung des Abkommens drohte der stellvertretende russische Außenminister Grigori Karasin nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax der Ukraine mit „schwerwiegenden Konsequenzen.“

Auch das organisierte Kommentariat zeigt sich empört … aber ich weiß einfach nicht, warum die sich wundern: Da überschwemmt man ein Land mit russischen Söldnertruppen, mit Krieg, Waffen und Munition, und dann staunt man, dass dies Land in die andere Richtung abdriftet?

Fällt ja gar nicht mehr auf …

Dabei fiel es zunächst weder der jungen Welt, noch dem VVN oder den Veranstaltern auf, dass es sich bei Byshok und Kochetkov um russische Neonazis und Rassisten “im Nadelstreifen” mit zahlreichen Verbindungen zur russischen rechtsextremen Szene handelt. Nachdem die Sache aufflog, distanzierte sich der VVN eilig, kurz darauf wurde die Veranstaltung von den Organisatoren abgesagt. Diese erklärten in einer Entschuldigung, dass der Kontakt zu den russischen Neonazis von Sergej Kiritschuk vermittelt wurde, dem im Berliner Exil lebenden Gründer der pro-russischen stalinistischen Organisation Borot’ba, die für DIE LINKE bei zahlreichen Veranstaltungen als Kronzeugin für eine pro-russische Auslegung des Ukrainekonflikts dient.

Ach ja, der Towaritsch Sergej! Wenn also ein stadtbekannter Stalinist die Veranstaltung vermittelt, dann wäre für die Linke alles in Ordnung? Diese ‚Querfront‘ macht unsere Hardcore-Sozialisten noch ganz wuschig. Vielleicht sollten sie sich mal an die Rosa-Luxemburg-Stiftung wenden:

„Borot’ba“ hat sich als eine Organisation mit undurchsichtiger Finanzierung und Prinzipienlosigkeit in der politischen Zusammenarbeit erwiesen. … Teile von Borot’ba haben an gemeinsamen Aktionen mit der PSPU (Progressiven Sozialistischen Partei der Ukraine– einer antisemitischen, rassistischen, klerikalen Partei, die in keinem Zusammenhang mit der sozialistischen Bewegung steht) teilgenommen sowie an Aktionen der Charkiver „Oplot“. … Daraus schließen wir, dass die Anführer von „Borot’ba“ nicht nur die autoritäre sowjetische Vergangenheit unterstützen sondern auch bewusst die öffentliche Meinung manipulieren und als „Taschenrevolutionäre“ für die herrschende Klasse fungieren. Ihr aktuelles Verhalten hat nichts gemein mit linker Politik und Klassenkampf und ist ausgerichtet auf die Unterstützung von Pro-Putin-Kräften unter dem Deckmantel von „Antifaschismus“ und „Kommunismus“.

Wie steigere ich ‚gaga‘?

Der Chef der rechtsradikalen ungarischen Jobbik-Partei Gabor Vona hat am Donnerstag die FPÖ und die französische Front National (FN) als „zionistische Parteien“ bezeichnet, weil sich beide Parteien geweigert hatten im Europaparlament ein Bündnis mit Jobbik zu schließen.“

Gagior, gagissimus? Es ist schon eine seltsame Welt, dort in Pathologia … und zudem ist der Vorwurf des Zionismus doch ein Relikt aus seligen kommunistischen Tagen, auf dem ein Gutteil der stalinistischen Schauprozesse beruhte. Wann und wie aber ist dieser Begriff nach knallrechts emigriert? Hoffnungsfroh stimmt mich allerdings, dass unsere Rechten an ihrer Ideologiefront sich noch allemal von allein zerlegen …

Anschwellendes Hirnflöten (3)

Laut Selbstaussage ist die AfD „weder rechts noch links, weder konservativ noch liberal“. Sie ist, recht betrachtet, also gar nichts. Aber das laut.
– Bevor ich Putin einen lupenreinen Demokraten nenne, würde ich eher Banken als Dienstleister betrachten.
– Was bringt uns die Zukunft? – Den Tod.
– Nicht alle Maschinen, die uns versklaven, sind aus Stahl oder Silizium.
– Mit der Unterscheidungskraft wächst der Wortschatz.
– Wörter bezeichnen keine Dinge in der Welt, sie aktivieren Konzepte in unserem Kopf.
– Was immer ein Dualist vertritt, er will immer, dass es in der Welt nicht natürlich zugehen möge.
– Der Pazifismus ist eine kleine Idee, die unter Größenwahn leidet.
– Der Wahlkampf keltert Stimmen aus dem Volk.
– Jede Moral duldet keine andere neben sich.
– Ökonomie zeichnet sich dadurch aus, dass hinterher gar nichts stimmt.
– Wer Transzendenz sucht, dem gefällt es in dieser Welt nicht.
– Erst überkommt uns das Gefühl, dann kommen die Argumente.
– Die Dialektik ermöglicht es Dummen, schlau zu scheinen.
– Die Natur ist ein Heimwerker, kein Handwerker.
– Genie ist die Fähigkeit, zwischen weit Entferntem Analogien herzustellen. Weshalb den Monothematikern und Fernseh-Experten auch jedes Genie abgeht.
– In der Kultur wirkt Lamarck: Hier können wir Erfahrungen weitergeben. In der Natur wirkt Darwin.
– Irrtümer sind angegangene Wahrheiten aus der Vergangenheit.
– Fundamentalismus ist nicht so schlimm, Intoleranz ist schlimmer.
– Evolution ist nicht Mord und Totschlag, sondern Überleben. Mir fallen gerade einige Kandidaten ein, deren Zukunft mir fragwürdig erscheint …
– Journalisten seien ‚Industrieritter vom Geiste‘, sagt Karl Kraus. Das mit dem ‚Geist‘ hat er sicherlich nicht so gemeint.
– Wie soll ich am Wahltag bloß entscheiden, was das kleinere Übel ist?

Russophil, nicht russophob

Wissenschaft wird einen Hardcore-Querfrontler wohl kaum interessieren. Er wird sich in allen Foren auf seinem Lieblingszossen weiterhin einen Wolf reiten. Weil’s aber der Wahrheitsfindung dient, sei das Ergebnis dieser Studie hier doch vermerkt:

„Der Vorwurf, die deutschen Medien seien russophob oder betrieben gar anti-russische Propaganda, ist nach einer Analyse der gängigen Polittalkshows nicht haltbar.“

Man könnte auch sagen: Das Gegenteil kommt der Wahrheit schon näher: Die russische Sicht wird in extenso in diesen ‚westlichen Mainstream-Medien‘ ausgebreitet, die ukrainische Sicht kommt kaum vor. Wer etwas anderes verkündet, pflegt nur seine Vorurteile …

Biss zum Abwinken

Es war vorauszusehen: Seit Uruguays Stürmer Suarez gestern seine Zähne in die Schulter eines italienischen Verteidigers grub, kalauern alle Medien im ‚Beiß-Modus‘ fröhlich vor sich hin:

Der verbissene Engel
Die größten Beißer der Geschichte
Der Zahn Gottes
Attacken des „Vampirs“ aus Uruguay
Der weiße Hai des Weltfußballs
Verachtung für den Beisser
Vorsicht bissig!

Ich vermisse noch den ‚Beißheitszahn‘, das ’stürmende Bisserl‘, den ‚Bissmackhering‘ oder den ‚bissexuellen Charakter‘ dieses Ausrasters …

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