Stilstand

If your memory serves you well ...

Monat: April 2014 (Seite 1 von 5)

Hier kommt Alex …

Der Alexander Kissler, ein Mann, der uns Akif Pirinccis unfreiwillige Satire allen Ernstes schon mal als „Sachbuch“ vorstellte, der holt jetzt im ‚Cicero‘ zum großen Rundumschlag aus: Die deutschen Medien hätten ihr Publikum aus den Augen verloren, das könne man vor allem an den Kommentaren zur Russland-Berichterstattung und zu den Pirincci-Verrissen sehen, und daher, vom mangelnden Kontakt einer ‚Medienelite‘ mit der Volksmeinung, kämen allemal und ganz allein die ständig sinkenden Auflagen:

„Immer mehr Menschen haben den Eindruck, da werde an ihrem Leben, ihren Eindrücken, ihren Haltungen vorbei geschrieben. Da bastle sich eine abgehobene Medienelite die Welt, wie sie ihr und nur ihr gefalle. Da herrsche der teils übellaunige, teils zwangsironische Nörgelton der Hyperkorrekten und Dauerbesorgten, der Schönredner und Weggucker und Besserwisser.“

Fakt daran ist bisher nur, dass die Auflagen tatsächlich sinken. Daraus aber den Schluss zu ziehen, die ganze junge Leserschaft hierzulande würde im Grunde wie ‚Russia Today‘ denken und bei den Abonnements mördermäßig zuschlagen, wenn ein gedrucktes Medium nur deren Weisheiten endlich mal verkündete, das ist eine reichlich kühne These, die keineswegs durch Umfragen gedeckt ist. Zwischen dem, was unter rapide wechselnden Pseudos derzeit durch die Kanäle der Kommentarspalten stürmert, und der demoskopisch ermittelten ‚Volksmeinung‘ herrscht nämlich eine geradezu erstaunliche Diskrepanz. Da spielen also höchstens einige Leute ‚das Volk‘, indem sie sich zur beleidigten Katzenmusik einer konzertierten Aktion zusammenfinden. Was Alexander Kissler uns im Grunde hier als Vademecum für die Publizistik empfiehlt, das ist ihr Wandel vom Journalismus hin zu vermehrtem ‚Astroturfing‘. Leitmedien wie der FAZ oder der Zeit sage ich schon mal einen noch größeren Auflagenschwund voraus, sollten sie sich jemals publizistisch auf die Ebene ihres Kommentariats zu diesen Themen begeben. Die Zeitungen haben kein ideologisches Problem, sondern ein mediales. Ideologisch sind – vom Freitag bis zur Welt – alle Bedürfnisse längst abgedeckt.

Weiterhin stünde es doch jedem renditebewussten Verleger in einer freien Marktwirtschaft absolut frei, auch hierzulande eine ‚Prawda‘ auf den Markt zu bringen, wenn damit – laut Kissler – solch exorbitante Auflage zu erzielen wäre. Was sie davon bloß abhält? Vermutlich sind es die Beispiele, die schrecken. Wir haben doch hierzulande reichlich Medien, welche Kisslers empfohlene Linie eines ‚Bilderberger-Journalismus‘ verfolgen – ich denke bspw. an das ‚Neue Deutschland‘, an die ‚Junge Freiheit‘ oder auch an die ‚Linkszeitung‘. Steigen deren Auflagen etwa, weil sie die ‚einzig wahre Volksmeinung‘ vertreten? Laut unserem Cicero-Orakel müssten sie ’s doch eigentlich – und wie geht’s denn eigentlich dem ‚Cicero‘?

„Die in Berlin vom Schweizer Ringier-Verlag herausgegebene Monatszeitschrift „Cicero“ zählt zu den Titeln, die viele schätzen, aber nur wenige lesen.“

Viel geschätzt und wenig gelesen – wie geht das? Egal, das war vermutlich nur des Sängers Höflichkeit. Kurzum: Mal wieder völlig neben der Spur, der Alexander Kissler, diese These ist schlicht ein antielitärer Hoax, voll und ganz auf rechtspopulistischer Linie: ‚Wir sind eigentlich ganz viele und werden nur deshalb nicht erhört, weil ja die bösen Eliten‘ usw. usf. – Lilliput im Größenwahn …

Die große Gehirnwäsche

Eine Lüge muss nur oft genug wiederholt werden. Dann wird sie geglaubt“, soll schon Joseph Goebbels gesagt haben. Auf diesen Mechanismus scheinen derzeit auch russische Medien blindlings zu vertrauen. Mit altbekannten Auswirkungen:

„In Kiew regieren“, so gibt der kommandierende Offizier in Konstantinowka die Kremlpropaganda wieder, „Faschisten, die Menschen lebendig verbrannt oder enthauptet haben“.

Wo bleiben die Säurebäder und die Giftcocktails? Müssen wir im Westen blöd sein, dass wir von solchen Ereignissen so rein gar nichts mitgekriegt haben sollen. Aber keine Angst, diese Behauptung wird uns schon bald, verkleidet als unwiderlegbares Faktum, in den Foren deutscher Presseerzeugnisse wieder vor die Füße laufen … und das hier ist für mich der Desinformations-Witz des Tages:

„Zugleich habe der [russische] Minister eine „anti-russische Hysterie“ in westlichen Medien beklagt.“

Doch so viele?

Mit 2.000 Demonstranten ist man in der Millionenstadt Donezk nicht unbedingt mehrheitsfähig. Für die Unabhängigkeits-bewegung wäre es ein schwerer Schlag, wenn das Referendum in der Bevölkerung kaum beachtet würde.“

Da geht’s ja teilnehmermäßig zu, wie derzeit auf unseren famosen, machtvollen Montagsdemos. Schlau wie sie sind, haben sie aber gleich die wahre Ursache ausgemacht. Es sind nicht ihre verqueren und unpopulären Forderungen, es ist der Suff:

„Ihr Frauen“, wandte sich eine Rednerin an die Teilnehmerinnen. „Seht zu, dass sich eure Männer aktiv am Kampf beteiligen! Jeden Abend holt ihr sie betrunken aus den Kneipen. Warum bringt ihr sie nicht mit auf die Demonstration und das Referendum! Werft sie von ihren Sofas, zieht sie aus den Kneipen. Wir brauchen eure Männer für den Kampf.“

Jawoll – freier Vodka für alle! Diese Forderung könnte die arg schwachbrüstigen Demonstrationen sicherlich erheblich beleben. Vermutlich haben darüber hinaus ein paar gewaltbereite CIA-Agenten verhindert, dass der wahre Volkswille sich siegreich Bahn bricht …

Hier eine halbwegs seriöse und aktuelle Umfrage (incl. der Krim) zu den tatsächlichen Kräfteverhältnissen in der Ukraine:

„On May 25, the voters’ preference would be for:
Petro Poroshenko 32.9%
Yulia Tymoshenko 9.5%
Serhiy Tihipko 5.1%
Mykhailo Dobkin 4.2%
Petro Symonenko 4%
Oleh Tyahnybok 1.4%
Dmytro Yarosh 0.7%.“

Putins Kandidat, Michail Dobkin, läge demnach noch nicht einmal bei fünf Prozent, weit sogar von jeder Stichwahl entfernt. Die ‚Faschisten‘ (Tjanibok u. Jarosch) kämen nur auf den Rang von unbedeutenden Splittergruppen. Auch deshalb dürfen wohl auf keinen Fall Präsidentenwahlen stattfinden. Und was sagt der Chor unseres Putin-Balletts dazu: „Man wird sich ja wohl noch mal irren dürfen!“ …

Nachtrag: Ich hätte übrigens nicht gedacht, dass die Russen so knickerig sind. Aber okay, jetzt nach den neuen Sanktionen, da muss auch die Petersburger Hausfrau die Dollars natürlich zusammenhalten:

„Self-proclaimed Sloviansk Deputy Mayor Ihor Perepechayenko brought $19,000 from Moscow and a device to encrypt telephone conversations designated for the pro-Russian separatist movement in eastern Ukraine when they detained him on April 25 at the Donetsk Airport.“

Gute Fragen:

Herr Reinecke, wo sind Ihre Argumente? Wenn Sie meinen, daß Snyder im großen und ganzen unseriös vorgeht, was ja gut sein kann, wo ist dann Ihre sachliche Einschätzung des Einflusses von Dugin und der Bedrohung, die er nach innen für die Russische Föderation und nach außen für die Anrainerstaaten darstellt? Mit einem schnellen und pauschalen „der Westen auch“ ist das nicht abgetan. Hängt Dugins Aufstieg tatsächlich mit westlichem Imperialgehabe und NATO-Erweiterung zusammen bzw. welche Faktoren greifen hier? Wie ließe sich diese wechselseitig polarisiserende Entwicklung umkehren? Welche Rolle könnte eine vernünftige europäische Außenpolitik dabei spielen? Zu diesem Zeitpunkt noch? Und sind Sie überhaupt mit dem Projekt „Russischer Frühling“ von Dugin vertraut? Haben Sie schon einmal in Dugins „4. Politische Theorie“ hineingelesen? Sind Sie sich sicher, daß das alles so harmlos ist? Die Verbindungen zu Jürgen Elsässer auch? Die internationale rechtsextreme Vernetzung, die damit einhergeht? Die Bildung einer okkult angehauchten Querfront, wie aktuell bei den rechten Montagsdemos? Tragen Sie für Fehleinschätzungen die Verantwortung und die gesellschaftlichen Konsequenzen?“

Jetzt fehlen mir eigentlich nur noch die Antworten …

Der Fachmann spricht …

Wer ist schon der Martin Walser mit seiner ‚Auschwitz-Keule‘? Hier äußert sich endlich mal ein wahrer Fachmann und leugnet jene Keule, die bei uns alle Rechten tagtäglich bejammern:

„Berlusconi: Für die Deutschen haben KZs nie existiert.“

Wenn der Mann jetzt endlich im Altersheim antreten muss, sollte man ihm gleich einen Job als Insasse geben. Was mich immer wundert, ist weniger die Tatsache, dass viel Geld auch nicht intelligent macht. Eher schon, wie wenig Intelligenz doch dazu gehört, so reich zu werden … oder ist gerade das der Trick?

Eine alte Geschichte

Nikolaj Gogol ist sicherlich der größte Dichter, der jemals in der Ukraine geboren wurde. Das darf ich wohl ohne großen Widerspruch behaupten. Als Gogol 1809 als Sohn eines ukrainischen Gutsbesitzers kosakischen Ursprungs auf die Welt kam, da war es gerade mal dreizehn Jahre her, seit das Zarenreich diese blutig eroberten Gebiete im Gefolge der polnischen Teilungen zu einem ukrainischen Gouvernement (‚Neurussland‘) zusammengefasst hatte.

In seinen frühen Erzählungen, später veröffentlicht unter dem Titel ‚Die Abende auf einem Weiler bei Dikanka‘, schildert der Autor uns das ukrainische Dorfleben um 1830. Friedlich, bunt und durchaus komödiantisch sehen wir dort Kosaken, Ukrainer, Zigeuner, Juden, Polen und viele andere Völkerschaften miteinander handeln, saufen, poppen und auch streiten. Nur eine Völkergruppe fällt aus diesem großen gesellschaftlichen Konsens immer heraus. Das ist ‚der Moskowiter‘, damals der ukrainische Schimpfname für den Russen überhaupt. Die Geschichten strotzen geradezu von solchen Fundstellen (zit. n. d. Winkler-Dünndruck-Ausgabe sämtlicher Erzählungen):

„Spuckt ihm auf dem Kopf, der das gedruckt hat. Er lügt, der Hundsmoskowiter!“ (S. 49)

„Mir ist so fröhlich ums Herz, als ob die Moskowiter meine Alte entführt hätten!“ (S. 44)

„Mein Narr hat sich zur Nacht mit dem Gevatter unter den Wagen gelegt, damit die Moskowiter nichts stehlen können.“ (S. 28 f)

„Das stimmt schon, aber du weißt ja, wenn irgendwo eine Teufelei im Spiel ist, so kann man sich ebensoviel Gewinn erhoffen wie von einem hungrigen Moskowiter.“ (S. 22)

„Wie in Streit geratene Hökerinnen einander mit Flüchen und Krebsen bewarfen; wie ein Moskowiter, der mit der einen Hand sein Ziegenbärtchen strich, mit der anderen dagegen …“ (S. 21)

Das waren gerade mal dreißig Seiten, auf denen sich Fund an Fund reiht. Im ukrainischen Volk ist der Russe ‚der andere‘, der die Eintracht stört, der immerfort stiehlt, der lügt und dem man alles Schlechte zutraut. Diese Gesellschaft ist (noch) nicht antisemitisch, sondern durch und durch antirussisch. Nichts ist es also mit einer ‚gemeinsamen russisch-ukrainischen Mentalitätsgeschichte‘. Juden, Zigeuner – sie alle vermochte diese ländliche Gesellschaft zu integrieren. Nur einen eben nicht: den Russen. Der war ihr unverdaulich.

Dass Stalin dieses widerständige ‚Kulakenpack‘ dann zu Hunderttausenden in den Hungertod trieb, war – so gesehen – in seinen Augen sicherlich nur folgerichtig. Aber auch das dürfte die russisch-ukrainische Freundschaft kaum beflügelt haben. Um mich drastisch auszudrücken: Erst kam der Holodomor, dann kam Bandera …

Donnerwetter!

Mitten in der Ukraine soll sich ein ukrainischer ‚Spion‘ aufgehalten haben, sagen diese ‚ukrainischen‘ Pro-Russen. Kaum zu glauben!

Wenn’s nicht so albern wäre! Trotzdem plappern so viele diesen ewigen Bockmist hirnlos nach …

Für den Zettelkasten (24)

In den Lehrbüchern über den Stil aber scheint die Vorstellung zu herrschen, als ob eine jede Art des Stils in eines jeden Gewalt wäre, und durch Regeln füglich erlernt werden könnte, und als ob insbesondere derjenige, welcher über den Stil schreibt, von jeder Art des Ausdrucks selber vollkommen Herr und Meister wäre; da es doch schon zu den besonderen Vorzügen des Geistes gerechnet wird, wenn einer nur in einer einzelnen Art nicht gewöhnliche Talente zeigt.

Was wirklich schön gesagt sein soll, muss vorher auch schön gedacht sein; sonst ist es leerer Bombast und Wortgeklingel, das uns täuscht.“

(Karl Philipp Moritz: Vorlesungen über den Stil, Werke III, 653 u. 586)

Mit anderen Worten: Wolf Schneider klingt so kurz angebunden, wie er klingt, weil er so kurz denkt, wie er denkt. Anders zu denken und zu schreiben ist dann nicht mehr erlaubt, sobald ein Einzelner seinen Maßstab an Einsicht autoritativ vom Katheder verkünden darf. Reisende Scholaren, Plagiatoren und Parodisten sind die Folge. Natürlich kann auch ein minderer Autor wie meine Wenigkeit selbst Goethes Stil oder denjenigen eines Peter Handke ohne große Mühe nachahmen … es bliebe aber immer nur Parodie. Etwas Eigenes könnte ich auf diese Weise nie ausdrücken, weil sich das Wort dann nicht meinem Denken fügt.

Daneben gibt es natürlich noch den Fabrikstil der Mühelosigkeit, ich nenne hier mal Ken Follett als Beispiel für all die anderen Büchertischmatadore. Oder – um von Älteren zu reden – den Marcel Proust, der über weite Strecken so klingt wie eine Gala-Illustrierte zur Jugendstilzeit, ein Mann der uns nebenbei auch noch den ganzen ‚Gotha‘ nebst allen Verwandtschaftsbeziehungen als Literatur verkauft. Letztlich ist das aber immer nur Pret à porter, ein C&A-Stil, der Erwartungen erwartungsgemäß bedient. Was übrigens auch für den ‚Industrieton‘ im Journalismus gilt.

Süsswoll!

Nun holt sich der Onkel Putin wohl sein Happi-Happi. Weil 11.000 Mann ukrainischer Truppen an der russischen Grenze aufmarschiert seien, sagt das staatstreue Radio Eriwan. Na, das wird dann ja wohl ein Gemetzel geben wie einst in Stalingrad. Aber wo kommen die bloß alle her, bei dem desolaten Zustand dieser ukrainischen Armee? Fahren die etwa klammheimlich auf Panje-Wagen an die Front oder saßen die etwa alle auf diesen sieben ukrainischen Panzerfahrzeugen? Faschisten ist bekanntlich alles zuzutrauen …

„Russland sei wegen der „ukrainischen Militärmaschinerie“ und der Nato-Manöver in Osteuropa gezwungen, so zu reagieren, zitiert die Nachrichtenagentur Interfax den Minister.“

Wer mich noch einmal einen Alarmisten nennt, der kriegt hier Hausverbot. Wo sind eigentlich all die Experten abgeblieben, die noch vor Tagen selbstgewiss verkündeten, dass der Putin nie nüch in die Ukraine einrücken würde, weil ihm die Krim doch noch so schwer im Magen liege?

„Die Ukraine wird weder Mitglied der NATO und der EU werden, noch die Ostukraine Teil Russlands.“

Tscha, Herr Lübberding – wat nu? Unsere AWACS-Aufklärung scheint mir übrigens auch im Tiefschlaf befindlich zu sein:

Bereits am Mittwoch haben zwei russische Bomber vom Typ TU-95 die Luftabwehr der Niederlande und Großbritanniens in Alarmbereitschaft versetzt.“

Test, Test, Test – glaube doch keiner unserer Schafsköppe, das alles ereigne sich bloß ‚fern in der Ukraine‘ …

Mein Tipp des Tages: In den nächsten Tagen werden Finnland und Schweden die Aufnahme in die Nato beantragen … und im Regierungspalast in Minsk soll es streng nach vollen Hosen duften. In Weissrussland leben immerhin auch acht Prozent ethnischer Russen. Die wissen es zwar noch nicht, aber auch die wollen bestimmt heim ins Reich.

Hier das Ganze live und untermalt von martialischer Musik – wahrscheinlich sind auch das nur ‚grüne Männchen‘, solch einen Panzer bekommt man dort ja an jeder Straßenecke:

Ach so, diese gen Westen rollenden Kolonnen wurden in Novoshakhtinsk gefilmt, zehn Kilometer vor der ukrainischen Grenze. Aber das hat sicherlich rein gar nichts zu bedeuten. Und was schreibt derweil das werte Zeit-Kommentariat:

„Ich denke immer mehr, wir Deutschen sollten gemeinsam mit den Russen und den Franzosen mal gegen das eigene deutsche Kriegstreiber-Pack vorgehen. Auch unsere Presse sollte eigentlich sich ihrer Verantwortung bewusst sein, förderlich dem europäischen Friedensprozess hinzuwirken, d.h. friedensbejahende Artikel zu schreiben. Ihr Schreiberlinge: nehmt mal Eure besondere Verantwortung ernst! Ihr seht ja, wie einige Foristen hier schon gegen Russland kriegstreiberisch hetzen.“

Hä – die Franzosen? Und Deutsche gegen Deutsche? Mutti Merkel ein Kriegstreiber-Pack? Diagnose: Morbus pacificiensis im Endstadium … und um gleich auch mal das unerträgliche Gebrabbel wegen der Nato-Osterweiterung endlich etwas leiser zu stellen: Im Zwei-plus-Vier-Vertrag wurde vereinbart, dass keine ausländischen Truppen und Atomwaffen „in dieser Region“ stationiert werden sollten. Gemeint damit war allein das Gebiet der ehemaligen DDR, etwas anderes war auch gar nicht möglich zu vereinbaren, weil die heutigen ‚östlichen Anrainerstaaten‘ damals noch zum dahinbröckelnden Warschauer Pakt gehörten. Als dann diese Staaten sich unabhängig erklärten, war bei deren Nato-Beitritt von solchen Klauseln keinerlei Rede mehr. Und auf dem Gebiet von Neufünfland stehen bis heute keine ausländischen Truppen – und es sind auch keine Atomwaffen dort zu finden.

Die russischen Medien spielen übrigens jetzt die antisemitische Karte. Wie sie das mit den ‚Faschisten‘ unter einen Hut bekommen wollen, die doch derzeit in Kiew regieren sollen, bleibt wohl ihr Geheimnis:

„The documentary’s line was picked up instantaneously in a pro-Russian separatist demonstration in Lugansk, Eastern Ukraine. An unidentified speaker went straight for the jugular: “The Maidanists say we’ve had a revolution of national liberation. And I ask: ‘which nation?’ Let’s see how many Ukrainians have come to power. Yatseniuk?” The speaker paused, and the crowd called out, “He’s a Jew!” The speaker continued to list major Ukrainian politicians, adding their alleged Jewish names to prove their true origin: “What about Klitchko-Ettinson, or Yulia Kapitelman?” Someone from the audience yelled “She’s a zhid!” “Or the great fighter for the purity of the nation Tyahnybok-Srokman? Is this the bright light of the Ukrainian nation? This is a coup, a coup perpetrated by Zionists.” The crowd burst into applause.“

Tscha, die schöne Zarenzeit mitsamt den ‚Protokollen der Weisen von Zion‘ kehrt zurück …

Nanu?

Was treiben denn ‚russische Bürger‘ da auf ukrainischem Territorium? Als putin- und russlandgläubiger Mensch dachte ich bisher, da gäbe es gar keine:

„Wenn russische Bürger angegriffen werden, ist das ein Angriff auf die Russische Föderation“, sagte Lawrow am Mittwoch dem englischsprachigen Sender Russia Today.

Dass man seinen Landhunger stets ‚Verteidigung‘ nennt, ist übrigens der älteste PR-Stunt der Welt … jetzt fordert Lawrow auch noch den Abzug der Bundeswehr aus der Bundesrepublik. Ach nee, da habe ich mich verdaddelt: Er fordert den Abzug ukrainischer Truppen aus der Ukraine.

Apropos – noch so ein Hinweis auf die Dienstleistungen der russisch-orthodoxen Kirche dort. Das Moskauer Patriarchat und das Kiewer Patriarchat sind sich nämlich in Erzfeindschaft verbunden. Da gilt es wohl mal wieder ‚Seelen zu retten‘ und die Missionierung vorzubereiten:

„Prior to the operation, Ukrainian security officials had discovered the city’s monastery, the Svyatohirsk Assumption Lavra of the Moscow Patriarchate, served as a military base for the insurgents who have besieged the region.“

Und wo’s schon keine Wahlen geben darf, sind vielleicht Befragungen des ukrainischen Volks ganz nützlich für die Argumentation – die wollen nämlich ganz und gar nicht zu Väterchen Vladimir. Nein, das ist keine CIA-Studie, das ist eine Menschenrechtsgruppe in Charkiw:

„The results coincide with the findings of a survey carried out by Civic Watch; the Democratic Initiatives Foundation; and the EU-Ukraine Bridge in all regions, including the Crimea from March 16 to 30. An absolute majority (89%) consider Ukraine to be their motherland. Only 8% support the idea of regions breaking away from Ukraine and joining another country. Even in Donbas [Donetsk and Luhansk regions] only 18% were in favour (against 0.5% in the West of Ukraine). 9.5% in southern Ukraine support the idea of south-eastern regions joining Russia; 11% in the east; and 27% in Donbas. Only 6% of the population would like their oblast to secede from Ukraine and create its own independent state (the largest number were in Donbas – 17%; the least in the West – 2%).“

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