Stilstand

If your memory serves you well ...

Monat: Februar 2014 (Seite 1 von 6)

Was ist gaga?

Wenn man kein Land mehr hat, keine Partei mehr hat, kein Parlament mehr hat, keine Armee mehr hat, keine Polizei mehr hat, kein Volk mehr hat, keine Freunde mehr hat, wenn man vor lauter Haftbefehlen nicht mehr aus dem Fenster gucken kann … sofern so jemand dann behauptet, trotzdem der ‚rechtmäßige Präsident‘ zu sein, wäre das gaga. Das macht außerhalb einer Anstalt glücklicherweise kaum jemand …

„Ich bin nicht abgesetzt worden“ – ich bin vorher getürmt …

Unwörtler des Jahres

Nachdem NATO-EUSA mit einem faschistischen Mob die demokratisch legitimierte Regierung eines wichtigen Partners Russlands weggeputscht hat wäre es nur legitim, wenn die russische Armee in die mehrheitlich russischen Gebiete einmarschieren würde um die Bevölkerung vor Greueltaten zu schützen. Man stelle sich vor so etwas würde in einer ehemaligen englischen Kolonie passieren.“

Der Herr des Klingelns, der uns dieses schrub, nennt sich selbst ‚Unwort des Jahres‘. Dieses Pseudo hat sich unser randalierender Anti-Imp, der beim Verbal-Klempnern in seinem schlichten Gemüt urplötzlich die ‚Legitimität‘ entdeckte, allein schon wegen seines ‚NATO-EUSA‘ redlich verdient. Aufforderungsgemäß versuchte ich mir probehalber vorzustellen, wie die Engländer in Australien einmarschieren – und was wohl die Folge wäre. Meine Phantasie kapitulierte, aber der versprengte Haufen dort nimmt wohl stärkeren Stoff, wo dann der Gummilöwe des Anti-Imperialismus in Treue fest an der Seite des Imperialismus stehen darf. Leute gibt’s …

Nation Robbery

Oho – 37 Milliarden Dollar privatisiert, gegen diesen ukrainischen Verbrecheradel waren die britischen Posträuber vergleichsweise untalentierte Popel.

Tugendterror

Seit Sarrazins neuestem ‚Oeuvre‘, stöhnt mal wieder jeder Mensch mit schmuddeligem Gedankengut über den ‚Tugendterror‘ allerorten. Dabei leitet sich das Wörtchen ‚Tugend‘ schlicht vom ‚Taugen‘ ab, es sind also jene Eigenschaften, die eine Gesellschaft oder ein System zuverlässig funktionieren lassen. Wer also die Tugend schmäht, will uns stattdessen wohl etwas Untaugliches unterjubeln. Gut, ich will dem Sarrazin nicht zu nahe treten, das war ja nur eine etymologische Herleitung aus meinem Grimm’schen Wörterbuch.

Trotzdem ist es wichtig zu wissen, was jene Tugenden eigentlich sind, vor allem aber auch, was jene ‚Untugenden‘ wären, die stattdessen dann wohl eingeführt werden sollen. Im Christentum stehen den sieben Tugenden – Mildtätigkeit, Demut, Keuschheit, Geduld, Wohlwollen, Fleiß und Mäßigung – die sieben Todsünden gegenüber: Völlerei, Faulheit, Neid, Wollust, Zorn, Habgier und Hochmut. Was also Sarrazin mit dem Kampfbegriff des ‚Tugendterrors‘ wohl erreichen will, das wäre der fortan völlig ungenierte Zugriff des Individuums auf alle sieben Todsünden zugleich, der direkte Weg in die Hölle also, den er uns aber wie ein falscher Prophet als erstrebenswertes Ideal unter die Nase reibt. Er will – logisch betrachtet – dann wohl eine Gesellschaft der Faulen, der Habgierigen, der Maßlosen usw., weil er alle Tugenden als ‚Tugendterror‘ denunziert. Eine Beschreibung des Ist-Zustandes ist aber noch kein Ideal …

Ich will trotzdem nicht behaupten, dass sein neuestes Spekulationsobjekt etwa ein Produkt solcher Habgier wäre. Ich kann ja nicht in seinen Kopf gucken, und lesen werde ich sein Machwerk im Leben nie – den Menschen aber, die bspw. ‚bürgerliche Tugenden‘ verteidigen – Sparsamkeit, Hygiene, Fleiß oder Pünktlichkeit – gleich Terrorismus zu unterstellen, das ist doch sicherlich nicht im Interesse deutscher Arbeitgeber, die es dann auf einmal mit schlampigen, unpünktlichen und verdreckten Mehrwertproduzenten zu tun bekämen. Davon, dass Sarrazin plötzlich die schwäbische Kehrwoche angreift, habe ich auch noch nichts gehört, obwohl auch diese, streng genommen, zum ‚Tugendterror‘ zählt …

Vielleicht sollten wir uns einfach an das lateinische Äquivalent zur ‚Tugend‘ erinnern – an die ‚virtus‘. Das Wort leitet sich schlicht von ‚vir‘ ab, dem Mann oder Menschen. Tugenden wären damit also das, was wahre Menschen auszeichnet. Und Sarrazins Gejanker über ‚Tugendterror‘ wäre demnach nur ein lauthälsig-tierisches Mimimi, in das alle Kommentar-Katzen auf ihren Mülltonnen jetzt einstimmen werden …

Je wilder die These …

Ausgerechnet der Mann, der seine kruden Ansichten in Millionenauflagen unters Volk streuen darf (‚Deutschland schafft sich ab‘: 1,5 Mio.), der jammert und zetert über fehlende Meinungsfreiheit, über ‚Tugendterror‘ in Deutschland. Wahrscheinlich herrscht in seinen Augen erst dann Meinungsfreiheit, wenn alle seiner Meinung sind.

Generell lässt sich dieser wachsende Glaube an das Hanebüchene seit einiger Zeit beobachten: Je bekloppter eine Behauptung, desto gieriger wird das Machwerk gekauft. Mehr sage ich dazu jetzt nicht, sonst neige ich mich am Ende noch zu der Ansicht zu, dass das Publikum immer bescheuerter wird …

Aus dem Standard-Kommentariat: „In seinem ersten Buch vertrat er noch Thesen, jetzt hat er schon Axiome formuliert…..im nächsten Buch kommt dann hoffentlich die Weltformel.“ Zum gleichen Thema auch der ‚Postillion‘: „Thilo Sarrazin entgeht tugendterroristischem Anschlag nur knapp.“

Laut ist er ja …

Ich war tatsächlich Kulturchef des Spiegel“, … ich habe tatsächlich über Goethe, Schiller, Hesse, Heine, die Romantiker, kürzlich Büchner geschrieben, … ich stehe in Unterrichtsbüchern, … dass ich zudem 20 Bücher geschrieben habe, davon drei Bestseller, … Ich kann verstehen, Kartonschädel-Niggi, dass ich Ihr Alptraum bin. Ich bin der Spießer, der seinen ersten LSD-Trip eingeworfen hat, als Sie gerade zur Welt kamen, und der alle alternativen Lebensformen und alle möglichen Formen der Sexualität erprobt hat.

Ach, ‚tatsächlich‘? Und – was hat ihm das wilde Leben eingebracht, unserem ich-ich-ich-hechelnden Willi Wichtig? Er befördert sich ganz sutjemäng höchstselbst vom Kulturchef zum Running Gag.

Apropos – er sagt, er hätte ‚alle möglichen‚ Formen der Sexualität erprobt. Da will ich für ihn hoffen, dass einem renommistischen Don Juan hier nur das Mundwerk durchdrehte. Aus einem reichen Erfahrungsschatz schienen mir seine Auslassungen zur Homophobie jedenfalls nicht gerade zu stammen – und Pädophilie traue ich ihm ehrlicherweise auch nicht zu, trotz seines niegelnagelneuen Ultramontanismus …

RechenkünstlerInnnen

Sie sitzen nicht nur bei der Bild, auch der seriöse Deutschlandfunk hat uns dort längst einiges zu bieten:

„Im vergangenen Jahr haben 250.000 Deutsche rund 20 Milliarden Euro für Bilder und Filme mit nackten Kindern ausgegeben.“

Rechnen wir mal nach: 20.000.000.000 geteilt durch 250.000 macht 80.000 Euro je Nase. Also weit mehr als das Doppelte des durchschnittlichen Jahreseinkommens – nur für derartige Onaniervorlagen. Das muss man sich erst einmal leisten können, will uns Frau Ines Pohl wohl sagen. Dank des Deutschlandfunks und des grassierenden Qualitätsjournalismus wissen wir jetzt, dass die Pädophilie ein Reichenproblem sein muss, angesiedelt hoch oben an der Spitze der Gesellschaft …

via: Fefe

Selbstreferentialität

Wo sich die versammelte Mediokrität wechselseitig als Leuchte des Abendlandes abfeiert, mag niemand das große Kimmenschlecken mehr schauen. Eine absolut verständliche Reaktion, wer will sich schon ständig fremdschämen:

„Zu wenig Interesse beim Zuschauer: Noch einmal wird der Deutsche Fernsehpreis verliehen, dann ist Schluss.“

Aber dem Internet ständig Selbstbezüglichkeit vorwerfen, das können sie …

Wiktor ohne Land

Nee, so geht das ja nun auch nicht: Wie soll der Janukowitsch denn seinen Rücktritt unterzeichnen, wenn er sich nur noch in Charkow oder Moskau herumtreibt?

Oops – korrigiert: Ich sehe gerade, der Präsident und seine ehrenwerte Famiglia ist möglicherweise in Fudschaira gelandet, also in den arabischen Emiraten (Flight Radar ist schon eine feine Sache). Vermutlich will er hoch vom Kamel aus regieren, die Milliarden im Arm und das Handy am Ohr … oha – und nun ist der Flieger auf dem Weg nach Charkow. Vermutlich hat er dort also nur ein paar Pretiosen ausgeladen, für den angenehmen Lebensabend.

Apropos: Dnjepropetrowsk – ist das nicht tief im Osten der Ukraine, dort wo – unseren allwissenden Medien zufolge – der Janukowitsch auf Händen durchs Volk getragen wird? Was stürzen die denn da die Lenin-Statuen, also die Symbole der russischen Besatzer? Naja – vermutlich alles ‚Hooligans‘:

Klasse-Idee: Mezhyhyria, der Palast, den sich Janukowitsch mit seinem kargen Präsidentengehalt vom Munde absparte, soll jetzt ein Museum der Korruption werden: „There is a suggestion to make it a Museum of Corruption.“

Nun – 13:40 Uhr OEZ – ist er zurückgetreten. Mehr Handlungsmöglichkeiten hatte er auch wohl nicht mehr: „WIKTOR JANUKOWYTSCH IST ZURÜCKGETRETEN. Die ihm nahe stehende Abgeordnete Haha Hermann widersprach der Information. Der Vertreter des Präsidenten im Parlament, Miroschnitschenko, bestätigte den Rücktritt.“ Und zu blöd, Beweise zu vernichten, war er auch: „On his way out of Mezhyhyria this morning, President Viktor Yanukovych evidently tried to get rid of a lot of documents kept at the luxurious estate. Opposition leaders who are now in control of the mansion say they fished documents out of the Kyiv Sea that leads to the Dnipro River and are drying them in a hangar.“

Nun dementiert er alles wieder. Hat da jemand Druck gemacht? „In einem kurzen TV-Interview wies er alle Gerüchte, dass er zurücktreten werde, zurück.“ Vermutlich denkt er ja, dass er triumphal nach Mezhyhyria zurückkehren könnte. Verblendung ist gar nicht der richtige Ausdruck …

Immerhin: Knapp 10.000 Zugriffe auf meine kleine Seite aus der Ukraine heraus, was immer das jetzt heißen mag … hoffentlich keine Titushkis.

Judikative?

Ich gönne es Frau Timoschenko ja von Herzen, aber dass das Parlament darüber bestimmen darf, wer dort einsitzt und wer nicht, das widerspricht all meinem Schulwissen über Gewaltenteilung – und es zeigt, zu welch einem Staat die Ukraine unter Janukowitsch herabgesunken ist.

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