Stilstand

If your memory serves you well ...

Monat: Januar 2014 (Seite 1 von 8)

Vernichtungs-Rhetorik

Entweder [Janukowitsch] verteidigt den ukrainischen Staat und vernichtet die Rebellion, die von Kräften aus der Finanzwelt und aus dem Ausland provoziert wird. Oder er riskiert den Machtverlust, zunehmendes Chaos und einen internen Konflikt, aus dem kein Ausweg zu sehen ist“, sagte Putins Wirtschaftsberater Sergej Glasjew. … Auch Ramsan Kadyrow, der moskautreue Präsident Tschetscheniens, rief Russland dazu auf, die Ukraine und Georgien „zu vernichten“. Dem britischen Telegraph sagte er: „Georgien, Südossetien, die Ukraine – diese Liste könnte man noch lange fortsetzen. … Warum müssen wir immer leiden, wenn wir auch das, was uns stört, einfach vernichten können? Wir sind mächtig, wir haben alles: die Armee, die Technologie. Wir müssen eingreifen.“

Jaja, den Worten folgen zumeist auch Taten, wie das Echo dem Donner. Der große Wahlmanipulator Janukowitsch soll eine ‚Verfassung‘ verteidigen, die keine mehr ist, seit er sie bis zur Unkenntlichkeit verbogen hat. Er soll für eine ‚Sicherheit‘ garantieren, die im Land nur noch für Oligarchen gilt. Und er soll eine ‚Integrität‘ bewahren, die kein vernünftiger Mensch den Regierungsmitgliedern dort mehr zugesteht. Was wir hören, das ist das ‚Neusprech‘ der östlichen Autokraten und Finanzmagnaten – und die propagieren jetzt den Krieg gegen andere Nationen. Der Maidan soll ihr Sender Gleiwitz sein.

Nachtrag: Der Zynismus dort hat längst stalineske Ausmaße erreicht: „Bulatow stehe unter Verdacht, die Entführung nur vorgetäuscht zu haben, um die Unruhen in der Ukraine anzuheizen, sagte ein Mitarbeiter der Innenbehörde.“ Ein klarer Fall von Selbstverstümmelung also … und ein großer Teil des Kommentariats bei FAZ, Zeit und Spiegel klatscht und johlt dazu, nach dem Motto ‚Das halbe Ohr ist doch noch dran‘. Das Wort ‚Ekel‘ beschreibt meinen Zustand ziemlich präzise.

Was mach‘ ich nur falsch?

Seitenaufruf

Knockemstiff

Hallo, Brüderchen,

dir aus der niedersächsischen Pampa einen herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.

Vielleicht wunderst du dich ein wenig über das Buch, das ich dir schickte. Immerhin aber ist es das letzte Buch, das ich atemlos in einer einzigen Nacht durchlas. Und es enthält ein nahezu ausgestorbenes Genre: Kurzgeschichten.

Für mich steht dies Buch gleichrangig neben Hemingway, nur dass es beim Großmeister Hochseeangler, Elefantenmörder oder Stierkämpfer aus der ‚lost generation‘ sind, welche die Bühne bevölkern, bei Pollock ist es der ‚white trash‘, verlorene Gestalten aus der tiefen Provinz, die in ihren Trailer-Parks die Zeit totschlagen. Sherwood Anderson hat als letzter so etwas gewagt. Übrigens kam der gleichfalls aus Ohio. „Alle Amerikaner kommen aus Ohio, zumindest zeitweise“, hat ein kluger Mann gesagt.

Die Lapidarität und ‚Pointenlosigkeit‘ ist es, die mich in Knockemstiff so sehr an Hemingway erinnert. Vater und Sohn sitzen im Autokino, der Film ist Schrott, sogar für ihr Spatzenhirn, also steigen sie aus und prügeln sich mit den anderen Besuchern, sie steigen wieder ein und fahren nach Hause. Damit ist ihr Tag rund. Den ‚Plot‘ kannst du also vergessen, alle landen immer wieder dort, wo sie gestartet sind, auch die ‚Moral von der Geschicht‘ ist eine glatte Fehlanzeige – aber wie das erzählt ist, so etwas hat es lange nicht gegeben. Eine große, völlig vergessene Schicht taucht unversehens auf der literarischen Bühne auf, und siehe da, es sind Menschen. Kurzum – dein Bruder erteilt dir eine Art ‚Lesebefehl‘.

Dir jedenfalls alles Gute zum Geburtstag dort unten, in jenem putzigen Zwergstaat, wo ihr seltsame Einwanderungsinitiativen beschließen oder ablehnen dürft. Grüß mir bitte den Rest vom Schützenfest.

Alles Liebe

Liebe Frauen!

Wenn ihr wissen wollt, wie wir Männer ticken, dann schaut euch mal jene Kalender an, wo sich die nackerten Weiber auf den Riesenschnauzen chromglänzender Benzinsäufer räkeln. Und jetzt verhaltet euch bitte endlich entsprechend … dann klappt das auch mit der Emanzipation.

Die Internationahale …

Der Fiat-Konzern verlegt Firmen- und Steuersitz ins Ausland.“

Die Internationahale bekämpft das Steuerrecht!

Winterschlussverkauf

Es ist als sollten solche Anklagen klar machen, dass, nachdem die Assoziation der Ukraine mit der Europäischen Gemeinschaft „aufgeschoben“ wurde, die neuen Herren eingetroffen sind, um das Ruder zu übernehmen. Und die ukrainischen Behörden, von der Polizei und den Gerichten bis zum Parlament und dem Präsidenten, kollaborieren mit ihnen oder tun so, als bemerkten sie nichts.“

Ihr sollte den Artikel ganz lesen, auch wegen der unsäglichen Diskussion um einen ‚aktivistischen Journalismus‘. Da ist er zu finden … und prompt klingt’s ganz anders als bei unseren Flanellmännchen.

No Names (15)

Zu meinen Erweckungserlebnissen in den 90er Jahren gehörte die Bay-Area-Band ‚Dieselhed‘ um Virgil Shaw. Deren erste CD suche ich noch heute wie die Stecknadel im Heuhaufen. Auch diese Band beherrschte jene Mischung aus Folk, Indie, Country und Blues, die später dann kurz ‚Americana‘ genannt wurde. Am wichtigsten aber war wohl, dass plötzlich Erlebnisse und Geschichten wieder eine Rolle spielten, statt dieses stumpfsinnigen Parolengebrülls im Disco-Mainstream für die Parteitage uninteressanter Polit-Darsteller (‚We are the champions‘ – glatt gelogen, ‚I stay alive‘ – wer hätte das nun wieder gedacht?).

Wie äußert sich Altsheimer?

Der Kölner Kardinal Meisner hat bei einer Veranstaltung vor Mitgliedern der katholischen Bewegung Neokatechumenaler Weg erklärt: „Ich sage immer, eine Familie von euch ersetzt mir drei muslimische Familien.“

Lieber als all das heidnische Gesocks sei ihm eine Familie von überzeugten Anti-Aufklärern, wollte er wohl sagen:

Theologen sehen im Neokatechumenat eine Häresie, die sowohl protestantische als gnostische Elemente in ihrer Theologie aufweise. … Des Weiteren beklagen sie, dass das Neokatechumenat große Teile des Gedankenguts der Aufklärung ablehne.“

Tscha, Katholik im Rheinland sein – das gleicht schon einer Via Dolorosa …

Hallo, Herr Döpfner!

Laut Hausmitteilung ist der Matthias Matussek – selbstverfreilich ‚auf eigenen Wunsch‘ – aus der Spiegel-Redaktion ausgeschieden. Wäre das nicht ein echtes Schnäppchen, um den Stall bewährter Kräfte bei der ‚Welt‘ zu komplettieren? Ich meine: Matthias Matussek (jüngstkatholisch), Alan Posener (vormals KPD-AO), Thomas Schmid (vormals SDS), Andrea Seibel (vormals taz), Henryk M. Broder (vormals Sankt-Pauli-Nachrichten), wie übrigens auch Ihre jüngste Akquisition, der Stefan Aust – das passt doch. Das gäbe auch eine tolle Mannschaft, die ihre Geschmeidigkeit am eigenen Leibe schon zweifelsfrei bewiesen hat. Die würden in meinen Augen die anspruchsvollsten Wünsche einer exklusiven Kundschaft gedankenschwer bedienen …

Nachtrag: Inzwischen hat mit jemand gesteckt, dass der Matthes doch längst in Springers Hayek-Chor angekomen sei … tscha, man kann ja nicht alles wissen.

Die Dämographen

Da muss man wohl Gabriele Goettle heißen, um den Mythos vom ‚demographischen Wandel‘ endlich einmal so zu Schrott zu schreddern:

„Die Demografie ist eine Zauberformel zur Durchsetzung von rücksichtslosen Einschnitten ins Sozialsystem, ein Deckmantel für die Politik.“

Betrachten wir die anderen Blättchen, dann stehen wir mal wieder vor einem Fall kompletten ‚Medienversagens‘ – oder aber, die Medien sind auch nur ein Teil des großen Plünderungsspiels. Was schlimmer ist, mag sich jeder selbst ausklamüsern …

Nachtrag: Immerhin – jetzt kommt auch der ‚Cicero‘ mal aus dem Quark:

„Demografieexperten wie Reiner Klingholz vom Berlin Institut für Bevölkerung und selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel sagen weiter den unabwendbaren demografischen Niedergang der Bundesrepublik voraus. Zu Unrecht – denn die Annahmen, auf denen frühere Prognosen beruhten, erweisen sich als allzu statisch gedacht. Sie entsprechen kaum noch der Realität.“

Frage: Ist ein ‚Demographieexperte‘ noch ein Demographieexperte, wenn er meilenweit an der Realität vorbei argumentiert?

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