Stilstand

If your memory serves you well ...

Monat: September 2013 (Seite 1 von 4)

Kommentatorenmund

Tickt sie noch richtig? Anstatt sich in Italien einzumischen, sollte sie erstmal einen Beitrag zur Stabilität im eigenen Land leisten, indem sie ihren blöden Horst und andere Nebelgranatenwerfer in der Union zurückpfeift.“

Oha – unser Horschtl als Bayern-Berlusconi, das hat schon was. Dem Volk dämmert, scheint’s, dass es ohne Steuererhöhungen wohl nicht abgeht, dagegen sehr wohl ohne Maut nur für Fremdlinge. Allerdings fehlen unserem Horschtl zur Vergleichbarkeit doch noch ein paar Milliarden …

Sie denken nur, dass sie’s tun …

Die Union hat vor der Wahl versprochen, die Steuern nicht zu erhöhen. Die Interessenvertretung der Unternehmer in der CDU mahnt, sich daran zu halten. Und verweist auf das Debakel der FDP.“

Nun – es ist mal wieder der Wirtschaftsrat der CDU, der uns solch vernunftfernes Gedenke so haltlos und bar jeder Logik daherschrubbt. Denn schließlich war die FDP die einzige Partei, mit der es bestimmt keine Steuererhöhungen gegeben hätte. Und wo krebst diese Partei dank des Votums der Wähler jetzt herum? Eben, eben, eben … wo keine Steuerhöhung, da Debakel.

Klingt doll – ist falsch

Gerechtigkeit ist etwas extrem Subjektives.»

So hätte unser ultraliberaler Willi Wichtig es wohl gern: Gerecht ist, wenn ich dick Portfolio. So etwas ähnliches entnehme ich jedenfalls seinem Gequengel.

Faktisch aber ist Gerechtigkeit eine soziale Grundnorm, die über bloße Gesetzlichkeit hinausreicht und immer den anzustrebenden Zielzustand einer Gesellschaft beschreibt. Sie ist eine Art objektiver Wegweiser für alle Individuen einer gegebenen Gemeinschaft – bei uns hieß diese Norm lange ’soziale Marktwirtschaft‘, bevor Angela Merkel auf eine ‚marktkonforme Demokratie‘ umzuschwenken versuchte. Das einzelne Subjekt darf dann gern noch ein wenig gegen den Stachel löcken und sich auf die Hinterbeine stellen, sein Meinen und Mögen hat nichts zu sagen, gegen kollektive Festschreibungen kommt es nicht an, sofern diese von der Mehrheit akzeptiert werden, also gesellschaftlicher Konsens sind.

So ist das eben heute mit unseren wirtschaftlichen Eliten: Keine Bildung im Kopf, folglich keine begriffliche Klarheit zu finden – leiten aber trotzdem große Verbände … und in den Kommentaren kriegen sie sogar in der betulichen Schweiz gewaltig Saures.

Das Allmachts-Paradox

Weil’s mir altem Heiden gestern im Gespräch mit unserem zuständigen Pastor wieder einfiel, will ich auch euch dies bewährte Argument nicht vorenthalten. Es geht so:

„So mächtig ist unser Gott, dass er sogar einen Stein erschaffen kann, der so viel wiegt, dass Gott selbst ihn nicht mehr aufzuheben vermag.“

Es dauert ein bisschen, aber dann beginnt’s im Kopf zu klickern und zu klackern, während der Dogmenstaub rieselt …

Unabhängig? – Überparteilich?

Nun ja, so sehen sie sich halt gern. Was hingegen das Publikum sieht, das sind bspw. die Headlines auf der heutigen Startseite beim ‚Cicero Online‘. Diese repräsentative Seite des deutschen Qualitätsjournalismus sieht derzeit nun mal so aus:

„Der FDP steht ein triumphaler Wiederaufstieg bevor.“
„Die grüne Journaille hat versagt.“
„Generation Grün: Das Ende der Moralapostel.“
„Die Niederlage der FDP ist ein Sieg des Liberalismus!“

In geballter Form wirkt es schon ein wenig kampagnenmäßig, und bei Neuwahlen – sagen die Umfragen – stürze die FDP ja nur noch weiter ab. Aber sei’s drum. Irgendwer aber hat diese Texte ja wohl bestellt … auch wenn sie inhaltlich allen unverbildeten Gemütern allzufern der Realität daherzudichteln scheinen. Und wenn’s uns so knüppeldick aufs Brot gestrichen wird, klingt selbst der neoliberale Tabubrecher-Gestus hohl, er wirkt nur noch wie Mainstream-Ballett im Affenkäfig. Das aber ist ja eben die kindliche Natur dieses unipolaren Widdewiddewitt-Journalismus: ‚Komm mit uns nach Leckerland … statt harter Fakten gibt’s dort Schmand‘. Aber immer erst nach der Rente mit 67 …

Aufklärung sah irgendwie mal anders aus.

Konservativ

Als Adam den Tieren ihren Namen gab, war eines darunter, das wedelte gar bedächtig mit den Ohren und sagte, es sei konservativ; es könne aber keinen Grund hierfür angeben und Adam sagte: Du sollst Esel heißen!“
(Gottfried Keller: Der grüne Heinrich)

Aua!

So weit ist es also mit Deutschland gekommen! Da fallen mutmaßliche Bandenbosse Leistungsträger des Trickbetrugs schon bei der Vorführung aus dem ersten Stock unserer Justiz heraus. ‚Mutmaßlich‘ ja um des Selbstmords willen, denn dass dieser Hallodri und Kaviarprinz bloß einem zahnlos-wirtschaftsrechtlichen Großreich erhobener Zeigefinger zu entkommen trachtete, mag ich schon wegen angelegter Handschellen nicht recht glauben:

„Im Frankfurter Landgericht hat sich ein mutmaßlicher Millionenbetrüger der S&K-Fonds aus dem Fenster gestürzt.“

Tschaja, Frankfurt – – – diese Main-und-Dein-Metropole ist nicht nur im Bahnhofs- sondern auch im Bankenviertel ein ganz heißes Pflaster für arglose Anlagetouristen! Schneeballsysteme heißen übrigens deshalb so, weil deren ‚Anleger‘ auf jedem Auge einen dicken Schneeball tragen müssen, vermutlich um die Schwellung zu kühlen. Ohne diese systematische Erblindung hätten sie ja erkennen müssen, mit welchen halbseidenen Figuren sie dort Schmolles tranken und deren Ferraris bewunderten.

Mit anderen Worten: Von diesen armen Anlegern tut mir so recht niemand leid. Ich hoffe sogar, dass diese Hochjodler erdferner Renditeversprechen all das schöne Geld restlos verjuxt haben, bevor sie jetzt verdientermaßen in den Bau einfahren …

Polit-Sprech

Es gelte auch weiterhin „uneingeschränkt“, dass die CDU Steuererhöhungen ablehne, sagte Gröhe. Will sagen: Davon gegebenenfalls abzurücken, sei erst Sache konkreter Koalitionsverhandlungen …

Das Rennen um die dollste Headline gewinnt derweil irgendsoein Rolf Lapuster oder so ganz meinungsfroh beim ‚Cicero‘: „Die Niederlage der FDP ist ein Sieg des Liberalismus.“ So kann man das sehen: Diese gegelten Jungunternehmer gerieten in den kalten Wind des Wettbewerbs – und soffen prompt ab, weil sie ihren Äppelkahn zu stark auf steuerbord geleichtert hatten. Das kann auf dem politischen Pferdemarkt schon mal passieren, das unternehmerische Risiko gehört nun mal zum Business …

Nachtrag: Auch das Grauchen mag nicht von alten Überzeugungen lassen und wälzt sich wohlig im Kaffeesatz: „Der FDP steht ein triumphaler Wiederaufstieg bevor.“

Der Wolf jagt die Meute

Da kam unserem Wolfgang Bok ganz unversehens die FDP abhanden – und was schreibt er in den ‚Cicero‘? Die Versager – tätä! – seien doch ganz andere gewesen:

„Die grüne Journaille hat versagt.“

Man fragt sich ja, wer das bitteschön sein soll? Eine ‚grüne Journaille‘ mitten im schwarzen Deutschland, vermutlich ja aus dieser Bok-Marguier-Poschardt-Seibel-Siems-Steingart-Dönch-Fleischhauer-und-so-weiter-Medien-Mafia, die diesmal bis zur Schließung der Wahllokale faktisch die Grünen jagte. Die Wacheren unter uns erinnern sich noch … wenn das Wort ‚Niederschreiben‘ je einen Sinn machte, dann im Vorfeld der Bundestagswahl. Und das – soso! – wäre also die ‚grüne Journaille‘ gewesen, die sich dort selbst versenkte?

Dass der Wolf dann noch die FDP und die AfD, die bekanntlich beide nicht im Bundestag vertreten sind, zu einer ebenso virtuellen wie ideellen Mehrheit auf seinem Taschenrechner zusammendaddelt, was vermutlich dann irgendein Gebilde ‚rechts vom Konservatismus‘ und von Merkel wäre, wenn’s so etwas Krankes denn gäbe, das verwundert in seiner zuordnungstüddeligen Wirrsal mich doch bis zum Hirnschmerz. Vor allem, weil die untergegangene FDP selbst als ‚Partei der Mitte‘ keinesfalls mit den Giddels von der AfD in einen Topf geworfen werden möchte. Aber das macht ja nichts, beim Wolf, unserer meinungsfrohen Laokoonfigur im Kuddelmuddel neuerer Wahlergebnisse, bei dem kommt heuer alles in die Wurst …

Was faktisch hingegen feststeht, ist folgendes: Im Bundestag gibt es nach der Wahl eine ‚linke Mehrheit‘ von vier Stimmen, der es aber so ergeht, wie den zwei Königskindern – aus nicht vom Wähler zu vertretenden Gründen. Wer das bestreitet, kann nicht zählen und leidet unter Hirnflöten – um mich mal höflich auszudrücken.

Wie gelogen – so betrogen

Gut, wir sind nur das Volk, wir kennen ja das Spiel, das mit uns getrieben wird. Aber hätten die Partei-Granden nicht wenigstens warten können, bis die Wangen ihrer rosaroten Wahlversprechen kalt und bleich geworden sind? Die zucken doch noch – auf solche Art plump berührt …

„CDU-Führung stimmt auf Steuererhöhungen ein.“

Ältere Beiträge

© 2017 Stilstand

Theme von Anders NorénHoch ↑