Stilstand

If your memory serves you well ...

Monat: August 2013 (Seite 2 von 4)

Niki Blome, der Meisterpublizist

Für alle, die’s noch nicht glauben, dass auch Karrieren krumm wie Bananen verlaufen können: Bild-Mann Blome wird beim ‚Spiegel‘ Vize … Tschaja, „alle Lobbys zittern, bei Tage und bei Nacht, sie fühlen sich hinter Gittern, und wer hat das vollbracht? – Niklas Blome, der Meisterpublizist, Niklas Blome, der Meisterpublizist!

Spin-Doktoren, aufgepasst!

Wie soll der kommende Schuldenschnitt für Griechenland heißen, jetzt, wo die Regierung versprochen hat, dass es auf gar keinen Fall einen ‚Schuldenschnitt‘ geben wird? Kanzleramtsminister Pofalla brachte ein ‚etat-optimiertes Konzept der Vernunft‘ ins Spiel, wobei das Buh-Wort ‚Schulden‘ ganz entfiele, Finanzminister Schäuble dozierte etwas von einem Zukunftsprogramm ‚Greece 21‘, was nach Meinung anderer arg abgelatscht und schwer nach Helmut Kohl oder nach Deutscher Bahn klänge, Fiepsi Rösler sprach von einem ‚Economic Backrailing‘, was den Vorteil hätte, dass dies kein Mensch mehr versteht. Was aber meint ihr, liebe Spin-Doktoren?

Apropos – wenn die EU-Länder die Schulden eines Mitgliedslandes als Gemeinschaftsaufgabe übernehmen und dafür haften, dann wäre das dieses gräusliche Teufelszeug, das wären also diese ‚Euro-Bonds‘. Wenn aber jetzt die Gemeinschaft viel Geld zur Verfügung stellt, damit Griechenland „nicht weitere Kredite erh[ält] und seinen Schuldenstand damit noch weiter in die Höhe schrauben [muss]“, dann sind das selbstverständlich nie im Leben ‚Euro-Bonds‘ – ask your local spin-doctor!

Derweil versucht sich die SZ schon mal an Voodoo-Economics:Neue Kredite kämen eigentlich in Frage [sic], da sie den ohnehin zu hohen Schuldenstand des Landes weiter nach oben treiben würden.“ Eben – das kommt ja darauf jetzt ‚eigentlich‘ auch nicht mehr an …

Blödelbarde

Vor 1000 Jahren eroberten die Wikinger Grönland und nannten es so, weil es Grün war. Sie fuhren mit ihren Wikingerschiffen nach Neufundland und nannten es Wienland, weil es dort Wein gab. Danach suchen sie heute, zur Zeit der angeblichen Klimakatastrophe vergeblich.“

Mal abgesehen von der mangelhaften Orthographie – ‚wikingisch‘ spricht unser Trouvadix Stefan Aust wohl nicht gerade: Dieser ‚Víjn‘ war dazumalen schlicht ein Beerensaft. Ob der nun aus Johannisbeeren, Blaubeeren oder Moosbeeren bestand, das wissen wir nicht mehr genau, jedenfalls war es kein Dernier Cru. Damit enthielt dieser ‚Wein‘ alles, was sich in Neufundland auch heute noch so in den Wäldern findet … es könnte aber auch um ‚vijn‘ (ohne Akzent) gegangen sein. Dann war schlicht nur ‚Weideland‘ gemeint, sozusagen die ‚Schafweijn‘ in jener Zeit …

via nömix

Viel Technik – nix im Kopp!

Regierung zwang „Guardian“, Snowden-Daten zu löschen.“

Yo – da haben sie’s diesen Zeitungs-Fuzzis aber mal gezeigt! Oder aber – wie blöd muss jemand sein, der tatsächlich glaubt, er könne heute noch Daten aus der Welt schaffen, indem er Festplatten zerhackt? Beim Geheimdienst nehmen sie wohl neuerdings jeden …

Flatulentia

Die einzigen, die noch Wahlkampf führen, sind Zeitungen.

Ein ‚abgehalfterter Politiker‘ – ein arbeitsames Bild, das suggeriert, dass jemand zuvor einen Karren zog.

Uiuiui – neunzehn Botschaften wurden geräumt. … Und? Ist schon was passiert?

Schon wieder, meine Damen und Herren, verweigert der scheue Wallach AOK unter Daniel Bahr den Krankengeldgraben …

Highlights auf Festivals sind meistens Funzeln.

Besen, Besen, sei’s gewesen: Der irre Rösler hat den ‚Neuen Markt‘ heraufbeschworen …

Denk ich an Pofalla in der Nacht, hab ich ’ne dolle Zeit verbracht …

Merkeliana (1): Formulieren sie eine Alternative zu ‚Ja‘. „Öhm – meine Damen und Herren, nach reiflicher Überlegung ziehe ich durchaus einige Möglichkeiten in Betracht, die allesamt ihr Für und Wider besitzen, doch sollte eine positive Entscheidung in diesem Umfeld stets eine leichte Präferenz besitzen, weil wir dieses Land durch eine vorwärtsgewandte Politik dauerhaft auf den richtigen Weg bringen sollten.“ Naja, richtig gut war das noch nicht, das geht viel schwurbeliger. Also ‚Zwei bis drei‘ …

Öchspertentum

Der ‚Geist‘ nimmt in dienender Stellung rascher als der Korpus die lakaienhafte Haltung ein. Hier findet der wahrhaft vollkommene Verkauf statt – was sollte der Geistige, seinen Geist verkaufend, vom Kaufe ausnehmen und zurückbehalten?“
(Bert Brecht, FA XXI, 428)

 

Die Medienkrise fällt leider aus

Journalismus war nie so erfolgreich wie heute.“

Bei Tante FAZ da spielt ’ne Rentnerband seit 20 Jahren Dixieland … und überhaupt ist heute wieder alles klar, auf der Andrea Doria.

Liberale Militanz

Dass ausgerechnet die Liberalen in Ägypten zu den größten ‚Eisenfressern‘ wurden, wundert mich wenig. Ein solcher Wandel ist im Liberalismus immer auch angelegt:

„Viele von Ägyptens Liberalen wollen heute Blut sehen. Sie glauben ernsthaft, dass die Muslimbrüder, die sie als Terrororganisation bezeichnen, ausgemerzt werden müssen. Dafür haben sie sich mit dem Militär verbündet. Neben den Seilschaften des alten Mubarak-Regimes gehören sie zu den größten Cheerleadern des Putsches.“

Soziologisch gesehen, haben wir es dort mit vier großen Gruppen zu tun: Einer ‚Bewegung der Armen‘, die sich bei den Muslimbrüdern organisiert. Mangels Bildung und erfolgter Aufklärung suchen die pauperisierten Massen den Begriff der Gerechtigkeit einzig und rückwärtsgewandt in der Religion. Dann gibt es einen ‚Staat im Staate‘, gemeint ist das Militär, das sich parasitär an der Gesellschaft mästet. Diese Mubarak-Fraktion wuchs einst aber hervor aus dem ‚arabischen Sozialismus‘, der auch deshalb dort gnadenlos diskreditiert ist. Weiterhin eine ziemlich blauäugige Bewegung junger Menschen namens ‚Tamarod‘, die heute verblüfft und ohne Waffen zwischen allen Stühlen sitzt, so wie einst bei uns das ‚Bündnis 90‘ nach dem Fall der Mauer. Und dann haben wir ‚die Liberalen‘, also den Basar, wo es traditionell einzig nur ums Geschäft geht. Ist dieses gefährdet, dann geht der gelenkige Liberale gern auch einen Pakt mit dem Teufel ein, in diesem Fall mit dem Militär. Siehe bspw. bei uns die Zustimmung der deutschen Liberalen zum ‚Ermächtigungsgesetz‘.

Der Liberalismus in seiner reinen Form, mit Rechtsstaat und allem Pipapo, ist nur eine Schönwetter-Religion, dahinter steht immer das ungestörte Bizziniss. Ist dieses gefährdet, dann wachsen auch dem Liberalismus Zähne, dann will er Blut sehen …

Die große Lähmung

Allgegenwärtig scheint die Lethargie der Deutschen vor der Wahl. Ob nun Intellektuelle oder aber ein Ulf Poschardt, sämtliche Eingeweideschauer flüchten sich wahlweise in Kritik an Merkels ‚asymmetrischer Demobilisierung‘ oder in hanebüchene psychologische Deutungen:

„Deutschlands Intelligenz ist narzisstisch gekränkt.“

Klar, Ulf, wer im Glashaus sitzt … aber gut, lassen wir das. Das Phänomen wäre eigentlich ganz einfach zu erklären. Keines der angebotenen Politikmodelle – ob nun eine schwarzgelbe Fortsetzung des politischen Elends oder aber ein rotgrüner ‚Beglückungsstaat‘ – keines der großen ideologischen Modelle, die nach Ansicht der Strategen diesen Wahlkampf bestimmen sollen, kann die Wähler in der Masse magnetisieren und auf Linie bringen. Weil beides entweder längst unrealistisch scheint oder aber eine gesellschaftliche Katastrophe wäre.

Die Bürger wünschen sich schlicht nach der Wahl eine große Koalition. Das zeigen alle Umfragen. Es wäre also sehr wohl eine Wechselstimmung da: Zurück zum Bewährten, zu dem, was man bei der letzten Wahl noch so schnöde verschmähte, zurück in jene gute, alte Zeit, als die beiden bewährten Kaltblüter den Karren zogen:

„Die Deutschen wollen eine Große Koalition.“

Weil diese Alternative aber nirgends ernsthaft kommuniziert wird, deshalb ist die Lähmung so groß. Deshalb entwickelt der Wahlkampf keinen ‚Drive‘. Es wird – nicht nur in den Medien – so getan, als sei rotgrün weiterhin irgendwie eine realistische Möglichkeit, oder aber als sei eine Fortsetzung von Schwarzgelb für die Mehrheit irgendwie wünschenswert. Die Tigerenten-Koalition wollen faktisch nur noch 17 Prozent der Deutschen weiterregieren sehen, bei Rotgrün sieht es übrigens haargenau so aus. Die Journalisten beteiligen sich damit an einer publikumsfernen Geisterdebatte.

Die politische Aufgabe der Publizistik – als Dienstleister einer Mehrheit im Publikum – bestünde unter diesen Umständen doch eher darin, den Weg zu dieser gewünschten großen Koalition aufzuzeigen. Da die Union ohnehin jenseits von Gut und Böse in Muttis kuscheligem Umfragehoch treibt, hieße dies: Entweder die FDP unter die immer noch unverdienten fünf Prozent zu schreiben, bzw. die SPD emporzujazzen, oder aber einer kleineren Partei über diese fünf Prozent zu helfen. Wahlweise also den Piraten – oder von mir aus auch der AfD. Sollen sie doch ein paar Jahre Diäten kassieren! Weil nämlich mit einer sechsten Partei im Parlament jede schwarzgelbe Mehrheit sofort die arithmetische Plausibilität verliert.

Ein solcher Wahlausgang, der dann auch den Wünschen des Souveräns entspräche, der wird aber nirgends thematisiert. Stattdessen wird eine faktenenthobene Geisterdebatte geführt, befeuert natürlich auch von schwarzgelben Spin-Doktoren: Rotgrüner Umverteilungsstaat gegen schwarzgelbe Froihoit. Bei der Richtungslosigkeit der Publizistik, bei diesem Verlust jeder Peilung, besteht allerdings die große Gefahr, dass wir diese Froihoit tatsächlich weiterhin bekommen könnten. Und dann? Oops – wrong country?

Höherer Blödsinn

Jakob Augstein ist Joan Baez.“

Tscha, da muss man erst einmal drauf kommen. Das ist Qualitätsjournalismus heute. Und beide fangen auch noch mit einem ‚J‘ an! Wie wäre es mit ‚Angela Merkel ist Agnetha Fältskog‘? Oder ‚Reiner Calmund sind die Wildecker Herzbuben‘?

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