Stilstand

If your memory serves you well ...

Monat: Juni 2013 (Seite 2 von 4)

Vor Sonnenuntergang

Einen starkdeutschen Mann wie Henryk M. Broder muss eine kontinuierlich abnehmende Relevanz weit mehr als andere schmerzen. Vor allem, wenn einem Intimfeind wie Peter Sloterdijk dann auch noch ’sein‘ Börne-Preis verliehen wird. Schon hebt er im Abendglanz mahnend sein Märtyrerhaupt und äußert Missmut über diese Welt, die sich ständig so ganz anders entwickelt, als er es ihr predigt. Die Folge ist ein ungewollter Slapstick mit gleich zwei Pokalen:

„Zum running gag der Veranstaltung wurde Henryk M. Broder. Dieser Publizist hatte erklärt, seinen Börne-Preis (2007) aus Protest gegen die Verleihung an Sloterdijk zurückzugeben. Michael A. Gotthelf, Vorsitzender der Ludwig-Börne-Stiftung, teilte dem überraschten Publikum mit, Broder habe seinen Preis schon einmal zurückgegeben, nämlich im Herbst 2010, aus Protest gegen die Rede Alfred Grossers bei der Paulskirchen-Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht. Man erwäge, so Gotthelf, eine Satzungsänderung dergestalt, dass der Börne-Preis nicht mehr als zweimal zurückgegeben werden kann.“

Dass sein Buddy bei der ‚Welt‘, dortzulande Feuilleton-Chef, dass also der Richard Kämmerlings dem Henryk M. Broder gleich zur Seite sprang, zeigt nur, welche schreibenden Kronjuwelen es im Hause Springer zu verteidigen gilt. Alles, was Sloterdijk bei der Verleihung des Preises sagte, muss prompt schlecht gewesen sein. Obwohl dieser Begriffsrastelli den geschändeten Namen nicht einmal erwähnte. Auch ohne das hat unser Riesenslalom-Fahrer durch die europäische Philosophiegeschichte dort in der Paulskirche tatsächlich recht Bedenkenswertes gesagt:

„Denn ich sah sie ja kommen, die Vergeltungstruppen und ihre eingebetteten Journalisten, mit ihrer großspurigen Imperium-Versteherei, ihrem Applaus für den Krieg unter gefälschten Vorwänden und ihrer antiislamischen Verbissenheit. Und wir haben Grund festzustellen: Diese September-Krieger, diese besinnungsfeindlichen Maulhelden von damals, diese Drohnen, die als unbemannte Hohlschädel ihre Überwachungsflüge über dem freien Denkraum ausführen, sie sind noch immer im Einsatz und lassen von ihrer wutgetriebenen Vergiftungsarbeit nicht ab.“

Mal ehrlich, Herr Kämmerlings – damit kann der Peter Sloterdijk Ihren Henryk M. Broder doch wohl kaum gemeint haben, oder?

Ach so, weil ich darauf angesprochen wurde – die Headline weist auf ein naturalistisches Stück von Gerhard Hauptmann hin: „„Der Philosophieprofessor Wolfgang sieht seine Rechtfertigung in der Vernunft, doch wie die anderen kann er die scheinbar sich verselbstständigende Entwicklung nicht mehr verstehen.“

Warum dann noch Wasserwerfer?

Erdogan: „Ein Gebet unserer Leute reicht aus, um ihre Pläne zu durchkreuzen.“

Trauen diese Gläubigen der Allmacht ihres Gottes nichts mehr zu? Braucht’s zum Gottesdienst in einer trägen Welt jetzt Pfefferspray statt des Kniefalls gen Mekka?

Horch, was kommt von oben her

Der Gezi-Park wurde wieder dem Volk übergeben“, meldete der türkische Fernsehsender NTV Anfang voriger Woche. „Derzeit wird es niemandem gestattet, den Park zu betreten.“

Übergeben könnte ich mich bei einer solchen journalistischen Logik allerdings auch. Oder: Vom Volk zum Vervolk … denn das wahre Volk glänzt immer dadurch, dass es gar nicht da ist, wo es nur stört.

Ulf hat sich stets bemüht

Hmmm – der Spott läge mir auf der Zunge. Hier deshalb nur so viel: Der kleine Ulf sucht wieder Mutti Natur – und verirrt sich prompt im Wald. So etwas kommt dann dabei heraus, dort, wo die Baumgeister ihm mit den knorrigen Ästen des Irrationalismus drohen:

„Die Deutschen haben nicht nur die sozial Schwachen paternalisiert, sondern auch die Natur.“

Und damit muss jetzt Schluss sein, lautet daraus wohl die unausweichliche Conclusio. In der Folge unterhalten sich dann noch zwei Möhren …

Jaja, all diese Romantiker, von Novalis bis Eichendorff … keine Ahnung vom wahren Leben hatten die. Und ‚irre‘ sei ihre Liebe zu Wald und Posthornklängen gewesen, wo heute doch längst die Erntemaschinen paternalistisch und festmeterweise durch alle Forsten fräsen, damit die Pelletheizung schmöken kann. Das ist eben der Fortschritt … und so sieht ‚Natur‘ heute ja längst auch aus: rechts Energiemais und links Industriewald. Aber unsere Posh faselt sich was von Natur und Paternalismus zurecht … tsss! Ein Städter halt, der die Bauern nicht kennt.

Dazu noch dieser ’soziale Paternalismus‘ der Deutschen! Von den Bauernkriegen über Bismarcks Sozialistengesetze und auch Hartz IV bis hin zu den Freikorpsgemetzeln in München, Sachsen und an der Ruhr hat diese väterliche Sorge wahrhaft tiefe Spuren im Gemütsleben ‚der Deutschen‘ hinterlassen.

Nur ein Satz – und schon strömt Blödsinn aus allen Ritzen. Das ist schon eine einzigartige Gabe. Drücken wir’s mal anders aus: Wer ‚die Deutschen‘ universalisiert, der gerät intellektuell stets auf die schiefe Bahn. Es gibt nämlich keinen ‚Nationalcharakter‘ … wer ihn vermisst, blicke ersatzweise auf die ‚Interessen‘. Übertragen auf den Fall Poschardt: Wer betrachtet hier weshalb die Natur als Hindernis für was? Schon wird allmählich Journalismus daraus … und wir erfahren, wo der kleine Ulfie steht: Immer ganz nah beim Bonschestand …

Eine Tonne Popcorn, bitte!

Wenn Sie bis zum 1. August keine Bestätigungserklärung bei uns hinterlegen, werden Ihre Inhalte ab diesem Datum nicht mehr in Google News angezeigt.“

Tscha, die wollen einfach nicht dafür bezahlen, dass sie kostenlose Werbung für Verlagsinhalte machen. Da drohen uns jetzt wohl redaktionelle Schlangentänze und ein bemühter Verleger-Limbo … elegant wird das sicherlich nicht. Aber durchaus unterhaltsam …

Die Truppe bei der ‚Zeit‘ hat da übrigens gleich was falsch verstanden: „Google beugt sich der deutschen Bürokratie.“ Nö – beste Redaktions-Miliz, wenn ihr dem Vertrag zustimmt, kriegt ihr keinen Cent, und wenn ihr nicht zustimmt, kriegt ihr auch keinen. So ‚rum wird ein Schuh draus! Nur werdet ihr im letzteren Fall noch nicht einmal mehr gefunden. Kurzum – diese bösen Kalifornier drücken einfach kein Geld ab – und das strikt im Rahmen eures famosen Gesetzes. Und ums Geld ging’s euch ja schließlich … mit der Wasserpistole eines zahnlosen LSR lässt sich das aber nur schlecht eintreiben. Da lachen sich die Ladeninhaber nur über euer ‚Moskau Inkasso‘ schlapp.

Anders die taz, die immerhin gleich kapiert hat, welcher Torpedo da im weithals geöffneten Laderaum der ‚HMS Springer‘ eingeschlagen ist: „Leistungsschutzrecht für Verlage: Google trickst sie alle aus.“ Und was sagt Google selbst dazu: „Selbstverständlich können Verlage jederzeit entscheiden, ob sie ihre Inhalte aus Google News entfernen.“ Das finde ich wahrhaft honorig: Sie geben den Verlegern jede denkbare ‚Freiheit‘. Nur noch immer keine Sterntaler.

Kuckuck! – Gibt nix mehr!
wikimedia, Per Ole Hansen, Artikel ‚Kuckuck‘, GNU Lizenz

Er hat ja recht

Natürlich ist es Blablaismus oder blanker Boulevard, wenn wir derartige ‚Nachrichten‘ erdulden müssen, die intellektuell so nahrhaft sind wie ein Glas Wasser:

„Was soll man aber anfangen mit folgenden, laufend online zu lesenden Informationen: „Obama ist erstaunt über Berlins Hitze“, „Gauck weinte bei der amerikanischen Hymne“, „Obamas Dienstwagen ist ein mächtiges Gefährt“? Das Problem sind nicht die Informationen als solche, sondern, dass sie zu den politischen Nachrichten, die es ja auch gibt, in kein Verhältnis mehr gesetzt und nicht mehr hierarchisiert werden.“

Trotzdem: Es sind doch immer noch Journalisten, die diesen Schwachfug schreiben – und nicht ‚das Netz‘ oder die Netizens. Denn das Problem ist ja nicht die mangelnde Hierarchisierung der Details, das Problem besteht vor allem darin, dass Altjournalisten ins Netz geschickt werden, die ihre Ergüsse ohne Zeitverzug und ohne Reflexion ‚online‘ stellen müssen. Weshalb der Journalismus bisheriger Prägung, so wie er gepolt ist, genau diesen ‚Konfetti-Sound‘ erzeugen muss. Denn sie alle haben immer noch ihr altes Ideal im Kopf, die hechelnde Extrablatt-Mentalität, wonach sie mit irgendetwas, und sei es der Farbe der Cocktailsoße auf den Shrimps, als erste ‚draußen‘ sein müssen, um sich ‚gut‘, ‚wertvoll‘ und auch ‚kompetent‘ zu fühlen. Prompt kommen sie atemlos mit ihren News-Peanuts, mit ihren Meldungen und Artikelchen angestratzt, als müsste gleich die gute, alte Rotation angehalten werden. Dabei ist nichts so uninteressant, wie all dieses Sprühwerk aus pseudo-exklusiven Fakten, Fakten, Fakten, von denen am besten noch der Dampf aufsteigen muss. Dies sei hier vermerkt in Gedenken an Markwort, den Dinosaurier.

Die Kunst bestünde heutzutage eher darin, aus all den zahllosen Details noch eine ‚Geschichte‘ zu stricken, die diskursfähig ist, die also Dialog erzeugt. Mit anderen Worten – im Schneegestöber der Informationen überhaupt erst einen Ariadnefaden zu finden. Eben das können sie zunehmend weniger, Dramaturgie haben sie nie gelernt. Verständlicherweise geht der Leser laufen, ob nun inner- oder außerhalb des Netzes. Denn eine solch akribische Aufarbeitung des Mollath-Falles, eine solche Diskussion des SPD-Dilemmas, meinethalben auch eine solch historisch tiefgestaffelte Perspektive auf die europäische Aporie, die suchen wir im printgeprägten Journalismus vergeblich. Heute tröten sie dies, morgen wird schon wieder das Gegenteil verkündet. Rein in den Euro, raus aus dem Euro – wie’s gerade kommt. Sie leben vielfach noch in der Adenauerzeit: „Was schert mich mein Geschwätz von gestern“

Es gibt aber längst keinen ‚Jour’nalismus mehr, der nur für einen Tag aktuell ist, das allerdings wäre eine echte Folge ‚des Netzes‘ und des Medienwandels. Also sind auch tägliche Meinungswechsel nicht länger egal. Eine etwas weiterer Atem, eine gewisse Konstanz der Ideen, die eine größere Lebensdauer haben sollten als eine Eintagsfliege, dies ist nun gefragt. Bloße ‚Berichterstatter‘ hingegen nicht …

Natürlich sind solche Texte auch oft umfangreicher als eine Zeitungsseite – wen interessiert denn noch das Platzproblem im Print? Das Netz ist immer groß genug … und notfalls strickt man am folgenden Tag noch ein paar Ellen neuer Einsichten dran. Weil die Artikel im Netz ja nicht mehr im Papierkorb verschwinden werden. Alles klebt allen ewig an den Hacken. Natürlich darf man dann nicht mehr wie ein gewiefter Tagesjournalist seine Meinung mit der Richtung des mäandernden Mainstreams ständig ändern. Denn das kurze Gedächtnis des Journalismus ist das tieferliegende Problem – heute hier, morgen dort, geänderte Ansicht immerfort. Kaum einer weiß noch, wofür er schreibt. Jetzt gilt: ‚Ein Kerl muss eine Meinung haben‘ (Döblin). Mit der Betonung auf ‚eine‘ …

Das Wort ‚Tagesjournalist‘ dort oben ist tautologisch – ich weiß. Vielleicht sollten wir den Begriff ‚Journalismus im Netz‘ durch den Begriff ‚Annalismus‘ ersetzen, was auf die neuerdings erforderliche Konstanz hinweist …

Mit Hütchen spielen

Ha! Nicht die Renten sind zu niedrig, nicht die Löhne sind zu gering, nicht die Prekariatsphasen im Leben zu lang – nein, es ist die böse EZB, die uns mit ihren niedrigen Zinsen alle in die berüchtigte ‚Armutsfalle‘ treibt. Das meint jedenfalls der ‚Focus‘ in seiner Weisheit. Denn sonst könnte der Niedriglöhner ja etwas von seinem ‚Kapitalstock‘ nehmen und dies zinsbewusst anlegen. Um später brav die Pflege selbst zu bezahlen:

„Armutsfalle Niedrigzinsen: So entkommen Sie dem sozialen Abstieg.“

Gut, ich rekapituliere mal: Hätten wir bloß schon die festverzinslichen Eurobonds, dann könnte die alleinerziehende Mutter jetzt etwas von ihrem Kapital im Portfolio umschichten, um renditebewusst ‚in Europa‘ zu investieren. Oder wie jetzt, Herr Markwort?

Selbsttäuschung

Ich habe aber auch deutlich gemacht, dass bei aller Notwendigkeit das Thema der Verhältnismäßigkeit ein wichtiges Thema ist.“

So etwas sagte unsere Bundeskanzlerin beim Besuch von Barack Obama. Schon dieser Satz in seiner teflonartig-schwurbeligen Struktur (‚aber auch‘, ‚dass bei aller‘, ‚das Thema … ein wichtiges Thema‘, ‚Notwendigkeit … wovon?‘) widerspricht fundamental dem darin möglichst vage Angekündigten. Das ist der typische Merkel-Sprech – die Frau ist nämlich ganz und gar unfähig, überhaupt irgendetwas ‚deutlich‘ zu sagen: „Auch beim Abwaschen bin ich im Rahmen meiner Möglichkeiten bestrebt, natürlich sofern solche absoluten Ansprüche überhaupt erfüllbar sind, das Ziel größtmöglicher Hygiene nicht aus den Augen zu verlieren, bei aller unverzichtbaren Relevanz und Aufmerksamkeit für andere Themen, die unsere Welt sonst noch so bewegen.

Rhetorisch gesehen ist diese Frau die ‚Fettlinse‘ der deutschen Politik: Aus ihrem Mund wirkt alles verschwommen, weichgezeichnet und maximal verschwiemelt …

Lebensmittelpunkt

Wer sich fragt, wo ich eigentlich lebe, kann sich hier schlau machen: Mitten in der Pampa der Südheide – wo einst Arno Schmidt, Hans Henny Jahnn oder die Prinzessin von Ahlden ihr Exil fanden. Der kulturelle Mittelpunkt für mich ist die kleine Stadt Rethem an der Aller, in 20 Kilometern Entfernung folgen Nienburg, Verden oder Walsrode, die ‚urbanen Oberzentren‘ sind nach 45 Minuten Autofahrt zu erreichen: Bremen, Hannover und Hamburg. Die Leute hier sind ganz ähnlich, so wie anderswo auch: Nerds und Freaks neben Braven und Angepassten, Migranten neben Alteingesessenen, nur der Auslauf ist eben weiträumiger, das Essen reichhaltiger, die Häuser und Mieten erschwinglicher und der Köm süffiger. Das Netz aber ‚funzt‘ …

Weil ich gerade Achtklässlern an der hiesigen Schule ehrenamtlich erste Netzkompetenzen vermittle, musste ich mich nolens volens auch mit dem Einstellen von Filmen beschäftigen. Das Resultat sind meine ersten Gehversuche mit Hilfe eines Moviemakers und mit Youtube, einem Dienst, um den ich bisher erfolgreich einen Bogen machte. Voilà:

Musik: Pete Brown & Piblokto! – Golden Country Kingdom …

Muss Louis Vuitton sparen?

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