Stilstand

If your memory serves you well ...

Monat: April 2013 (Seite 1 von 3)

Journalistisches Ansehen

All dies ha[t] dazu geführt, dass der Zeitungsreporter den undankbaren letzten Platz im Jobs Rated Report 2013 einnimmt – noch hinter Holzfäller (199), Soldaten ohne Offiziersrang (198), Schauspieler (197) und Bohrinselarbeiter (196).

Angewandter Irrealis

Hätte Uli Hoeneß sich nicht auf Zockerspielchen eingelassen, hätte er sich rechtzeitig aus dem Schlamassel zurückgezogen, hätte er nicht einen unendlich tiefen Graben zwischen hehren Worten und miesen Taten klaffen lassen – dann wäre er heute noch ein ehrlicher Mann. Statt bloß in ehrenwerter Gesellschaft. Tscha – hätte, hätte, Fahrradkette.

Nie dabei, immer mittenmang!

Was wären nur die Talkshows ohne jene Personalskandale, die der Republik mit schöner Regelmäßigkeit ihre leicht moralingesäuerten Erregungszustände bescheren?“

Das schreibt uns der ‚Spiegel‘ nach der gestrigen Gesprächsrunde, wo es um Uli Hoeneß und um andere Steuerakrobaten ging. Richtig – und allgemeiner gefasst – lautet dieser Satz doch:

„Was wäre nur [der Journalismus] ohne jene Personalskandale, die der Republik mit schöner Regelmäßigkeit ihre leicht moralingesäuerten Erregungs-zustände bescheren?“

Denn diese Konjunkturritter der Publizistik, die so gern auf den Wellen der Moral surfen, die sind doch keineswegs nur in den Talkshows zu finden. Selbst der genannte Artikel – wie auch die Auflage des ‚Spiegel‘ generell – die profitieren in ihrer Selbstreferentialität davon, dass sie Bezug auf ihresgleichen nehmen müssen: Sie fuchteln wild herum, erörtern moralische Fragen, zeigen auf ‚das Volk‘ oder ‚die Republik‘ und vergessen sich – den ‚Erreger‘ – dabei in schöner Vorhersagbarkeit. Die Regel lautet: Moral bringt Auflage, viel Moral bringt viel Auflage …

Reflexives von Unreflektierten

Unser Rainer Brüderle ist bekanntlich immer dort zu finden, wo die Mikrofonständer sich krümmen und winden. Weshalb auf FDP-Parteiversammlungen angesichts dieses Schlangentanzes der ganze Saal dann tost und johlt. So auch in diesem Fall eines verunglückten Sprachgebrauchs:

„Generalverdacht gegen Vermögende verbietet sich.“

Nanu, wer verbietet uns denn da diesen Generalverdacht? Einzig logische Folgerung, öffnen wir die verstaubte Schublade mit der altehrwürdigen Grammatik: Dieser General Verdacht, den es Brüderle zufolge gar nicht geben soll, der verbietet sich hier selbstherrlich selbst und schafft gedankenflüchtig sich selbst auch gleich ab, nach dem Motto aller Hütchenspieler : ‚Ich bin gar nicht mehr da!‘. Russisch Roulette im Wirtschaftsraum …

Denn so arbeiten nun mal diese reflexiven Verben, die sich ungefragt selbst zu Handelnden aufschwingen können. Subjekt und Objekt schließen da eine Personalunion. Hätte unser hochweiser FDP-Chef hingegen gesagt, einen „Generalverdacht gegen Vermögende verbiete ich,“ dann wäre die subjektive Hybris des Pfälzer Weinkönigs angesichts einer überbordenden Zahl von Selbstanzeigen jedem unmittelbar klar gewesen – und das wäre dem Brüderle wiederum auch nicht recht. Trotzdem möge er sich aus Gründen der Sprachlogik künftig um einen sachgerechten Wortgebrauch bemühen (verdammt, schon wieder so’n reflexives Verb) …

Armes Deutschland

Ein Entwicklungsland will unbedingt ein Entwicklungsland bleiben. Da kann man wohl nichts machen. Worum es geht? Na, darum … um Big Magenta.

Journalist 2.0:

Vorbild für die JvM Academy ist die Journalistenschule von Axel Springer. … Zu den Lerninhalten gehören Programmier- und SEO-Grundlagen, Social Media Monitoring sowie das Schreiben von Storyboards für Werbefilme in allen Formaten, aber beispielsweise auch für Computerspiele.“

Auf die Qualität der ersten Artikel dürfen wir gespannt sein …

Blöde Fragen

Nun gilt Uli Hoeneß in der öffentlichen Diskussion vor allem als Steuerbetrüger. Wie konnte das passieren?“

Ja, wie wohl?

Jennifer, die Retro-Maid

Zu einem Artikel der Holzschnitt-Lady Jennifer Nathalie Pyka haben ich beim ‚European‘ einem gewissen ‚Markus‘ geantwortet. Da der Text zu schade ist, um in einer Foren-Ecke Patina anzusetzen, weil er auch Grundsätzliches verhandelt, stelle ich ihn auch hier nochmals ein:

„Eine Zeitlang konnte man im Journalismus tatsächlich etwas werden, wenn man aus der rechtspopulistischen Ecke kam. Siehe bspw. Dorothea Siems, Andrea Seibel, Ulf Poschardt, Henryk M. Broder usw. Das war so Anno 1990. Diese Leute sind allesamt längst im publizistischen Museum bei der ‘Welt’ gestrandet.

In den Blogs beim ‘European’ spielt die JNP heute die Rolle der Provokateuse aus diesem leicht modrig duftenden, hayek-infizierten Bereich, mit einem dicken Klacks Netanjahu-Anhimmeln obendrauf – so wie’s in der ‘Achse des Guten’ eben auch geschah. Sie darf – soweit ich das überblicken kann – ja nur ‘Blog-Texte’ schreiben, um so (mittels ihrer angestrengten Effekthascherei) verlegerisch erwünschte Klicks zu generieren. Weil selbst eher schlichte Leute sich über diese schlichte Thesenbastelei schlicht aufregen.

Mir dient JNP eher zur Bestätigung dessen, was ich über solche Egomanen eh schon denke, die da glauben, ihre unermessliche Weisheit wäre mindestens schon seit Anno Aristoteles unerhört (s. auch Schirrmachers Buch). Auf eine wirklich exponierte Ebene aber hat sie’s meines Wissens nie geschafft.

Derartige Texte klingen um so dissonanter, je mehr deren Zeit vorbei scheint … s. z.B. Zustand der FPÖ in Österreich, die Wilders-Bewegung in NL usw. Diese ganze akklamatorische, im Kern aber unpolitische Ebene ist auf breiter Front heute wieder nach links geschwenkt, selbst die Angela Merkel schwenkt zusehends mit – derzeit liegt die Zukunft jedes Populismus eher auf der Beppe-Grillo-Linie – er muss also direktdemokratisch gegen ‘das System’ und damit gegen ‚die Eliten‘ gerichtet sein, will er Erfolg haben. Weil unsere Führungsschichten erheblich abgewirtschaftet haben.  Von diesem gesellschaftlichen Grundbeben spürt JNP nicht einen Hauch, sie sitzt auf ihrem Maulwurfshügel und verklugfidelt uns die Schönheit einer alten Welt, die gerade hinter dem Horizont verschwindet.

Der von Ihnen erwähnte ‘Cicero’ trat einst an, um sozusagen die ‘Transatlantic’ des dritten Jahrtausends zu werden. Zusehends aber hat er sich unter Michael Naumann in die Langweiler-Ecke des Mainstreams manövriert und der politische wie der Kulturbegriff richten sich in etwa am Horizont der Zahnwaltsgattin aus (Feministinnen, verzeiht mir!), die sich deshalb schon ‚elitär‘ dünkt, weil ihr Mann ihr eine teure Perlenkette schenkte. Dahin passt JNP wiederum ganz gut. Das neoliberale Töchterchen erklärt der Eislaufmutti das Weltgeschehen. Intellektuell gesehen bleibt’s aber ein Ponyhof – oder Kaffeeklatsch …

Generell haben manche Schreiber noch immer nicht kapiert, dass ‘liberal’ und ‘neoliberal’ heute eher Gegensätze sind. Freiheit im liberalen Sinn heißt ja eben nicht ‘Egoismus’ und ‘pfeif auf die Gesetze’ und auf jedwede ‘Regulierung’ und hinterziehe weiter brav deine Steuern – der Liberalismus sprach vom ‚größtmöglichen Glück für die größtmögliche Zahl‘. Lesen Sie mal Friedrich Naumann! Davon weiß der Neoliberalismus nichts – er setzt seine Ideologie mit dem Egoismus – oder ‚dem Markt‘ – schlicht gleich. Sollte allerdings jemand das Konto solch egomaner Leute plündern, wären die allemal die ersten, die nach mehr ‘Regulierung’ schreien. Auf ein solches retardiertes Publikum sind diese Holzschnitt-Texte berechnet. Der Rest zielt mit einem abgelatschten Stiefel auf die Hühneraugen anderer Leute …

Wenn Sie JNP gern lesen – ja, Herrgott, was sollte ich denn da machen? Jedem Tierchen sein Pläsierchen.

Herr Ober, zweierlei Maß!

Besondere Menschen kann man nicht mit den gleichen Maßstäben messen. Es gibt nun mal Leistungsträger, die aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten, ihres Engagements, sozusagen natürlichen Überlegenheit, für uns andere aus der Masse der Mehrheit, Wohlstand und Erfolg erringen. Und damit diese nicht die Motivation verlieren, ihre besonderen Fähigkeiten, letztlich zum Allgemeinwohl, einzusetzen, muss man sie pflegen. … Der beste Weg gegen Steuerhinterziehung ist es, diese zunächst für unsere Elite so weit zu senken dass deren natürliches Gerechtigkeits-empfinden damit harmoniert! … Ein Arbeitnehmer dessen Talent und Energie nie ausreichten, um mehr zu schaffen als eine simple Ausbildung, sagen wir mal zum Altenpflegehelfer, und der uns sofort auf der Tasche liegt, wenn er seinen Job verliert. muss natürlich seinen Obolus strikt entrichten, um für solche Fälle Vorsorge zu treffen. Mit diesem Maßstab kann man unsere Leistungsträger in Wirtschaft und Management aber doch nicht messen.“ (Kommentar No. 5)

Mann, Mann, Mann – der Leser beachte hier die einwandfreie Orthographie bei aller zynischen Banalität dieses Denkens – es klingt in meinen Ohren alles nach einem Mann mit einer gehobenen Mittelschichtsfunktion, der zudem der Ansicht ist, auch er wäre als Kind mal in das Fass mit jener ’natürlichen Überlegenheit‘ gefallen – vermutlich meint er ja Tante Friedas Erbschaft. Möglicherweise ist er auch ein Anlageberater oder so etwas. Wer sich jemals wunderte, wo die verbliebenen FDP-Stimmen herkommen, hier liegt die Quelle.

Wir lernen: Man kann formal ‚gebildet‘ sein und sich der Maßstäbe des gemeinen Plebs enthoben dünken, und trotzdem fern aller intellektuellen Satisfaktionsfähigkeit daher delirieren. Bin ich befugt, solche Schlichtheit der Gedankenführung hier aufzuspießen? Ich habe es getan, um das entgleiste, sklavenmoralische Denken gewisser Schichten in unserer Zeit dauerhaft zu archivieren. Denn dieser – oops! – aufgeflogene Herr mit seiner verspäteten Selbstanzeige führte bis dato doch nur zwei bayrische Würstchenbuden, eine davon – zugegebenermaßen – mit etwas größeren Würstchen. Und nach Ansicht des Diskutanten dort oben sollten wir deshalb grenzenlose Nachsicht üben, ihn gebührend hegen und ‚pflegen‘, also ihm vermutlich die Füße schlecken oder so etwas, damit er sich rundum wohl fühle in Deutschland und hier brav noch weniger Steuern zahle.

Solch Manager-Job in einem Fußballverein also macht einen Menschen für gewisse Gehirne schon ‚besonders‘? Und was soll dieses unanschauliche Beiwort ‚besonders‘ denn eigentlich bedeuten? Geht’s um den Kontostand? Für mich bleibt festzuhalten: Dieser kollernde Rotkopf konnte weder an Goethe noch an Max Planck jemals klingeln … und einen wichtigen Elfmeter hat er auch mal versemmelt.

Litotes des Tages

Gäbe es keine Schlaumeier wie den Ulli Hoeneß, bräuchten wir auch keine Steuererhöhungen.

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