Stilstand

If your memory serves you well ...

Monat: September 2012 (Seite 2 von 4)

Islamophile und Islamophobe …

wikimedia, gemeinfrei (1831)

Altmedipulieren

Die diversen generationenübergreifenden, multireli-giösen Versammlungen beider Geschlechter, die den Untergang autoritärer Regimes in der gesamten Region zur Folge hatten, waren riesig im Vergleich zu den kleineren Versammlungen junger, frustrierter Männer, die dieser Tage in der Nähe der US-Botschaften und -Geschäfte Krawalle veranstalteten. Diese Versammlungen sind im Vergleich jämmerlich. Wir wüssten das aber nicht, hätten wir nicht die vergleichbaren Bilder aus jeweils derselben Weitwinkel-Perspektive.“

Das wäre also alles eine Frage der Objektive, sagt Megan Reif. Hat unser moderner Awareness-Journalismus die Blasen seiner politischen Soap Operas zu maximaler Größe aufgeblasen, wo sie im Zoom möglichst fundamentalbedrohlich schillern müssen, dann tröten mit der darin enthaltenen heißen Luft regelhaft die Jungs von der Islamo-phoben-Front auf ihren Alarmtrompeten los – von Pro-NRW über Scholl-Lafitte bis Henryk M. Broder. So geht es zu auf dieser medial erzeugten Welt, die wir die Wirklichkeit zu nennen pflegen …

Julia Schramm

Nach drei Seiten ‚Gratislektüre‘ – diese Frau gleicht einem nimmermüden Rharbarbär. Wahlweise einer Rharbarbie …

Ausführliche Rezension hier: „Ich fühlte mich noch nie von einem Buch so missbraucht.“

Abgeschrammt

Julia Schramms nächstes Buch wird dann wohl den Titel „Lost in the Shitstorm“ tragen. Diese heftigen Böen wehen derzeit eindeutig aus Holzhausener Richtung. Und wo trifft sie dieser duftende Taifun? Völlig zu Recht trifft er ihre Glaubwürdigkeit mittschiffs, schon haben auch die Piraten eine Guttenberg am Hals …

Die Abwärtsspirale

Endlich wird der grundlegende strukturelle Mechanismus – wenn auch arg verknödelt und in einer etwas windschiefen Metapher – von einem ‚Qualitätsmedium‘ korrekt beschrieben:

„Bezogen auf die Kaufpresse diagnostizieren die Forscher dabei eine Abwärtsspirale, die von drei miteinander verknüpften Prozessen in Rotation versetzt werde. Ausgehend von stetigen Verlusten auf dem Lesermarkt müssen die verantwortlichen Verlage spürbare Einbussen im Werbemarkt hinnehmen, die mit Kosteneinsparungen auf der redaktionellen Ebene oder durch Konzentrationsprozesse auf Verlagsebene ausgeglichen werden, was schliesslich zu einem Verlust an journalistischer Qualität und publizistischer Vielfalt führe.“

Das Absaufen des Dampfers würde also von der Brücke dadurch unterstützt, dass man zusätzlich die Ventile aufreißt. Hinzu käme vielleicht noch der Befund, dass immer weniger Menschen das Bedürfnis nach Muttis publizistischem Patschehändchen verspüren, also das Bedürfnis, sich massenmedial ‚ausrichten‘ und ‚auf Linie bringen‘ zu lassen. Und das von solchen Journalisten! In der Summe aber sei das Publikum leselustig wie eh und je – nur bedienen sie sich nicht länger nur bei der Presse.

Die Forscher bieten zur Abhilfe wieder die beliebten ‚Bezahlmodelle‘ für den Online-Bereich an. Das war bei der allgemeinen Fantasiearmut vorab schon klar, wie auch bei der cash-flow-orientierten Erwartungshaltung auf den auftraggebenden Verlagsetagen – ebenso klar ist aber auch der Misserfolg, der mal wieder resultieren wird. Bei den Maßnahmen zieht keiner mal ein Karnickel aus dem Hut, da folgen alle dem Muster der Stubenfliege im Zimmer: Immer wieder mit Rumms vor die gleiche Scheibe. Wie wäre es mal mit ‚Verzicht auf überzogene Renditeerwartungen‘ auf der Ebene der Eigentümer? Plakativ ausgedrückt: 20 Prozent Umsatzrendite sind für euch nicht mehr drin! Immer nur von einer ‚zukunftsfähigen und nachhaltigen Wirtschaft ohne Wachstum‘ zu schreiben, ohne selbst das Experiment zu wagen, das wirkt nicht gerade konsequent …

Die Prognostiker

Sie nun wieder: Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW), das im April noch ein stabiles Wachstum von 2,0 % für 2013 voraussah, geht jetzt – nur fünf Monate später – von einem Wachstum von 0,75 % im Jahr 2013 aus. Worin lag dieser recht beachtliche Messfehler begründet, lautet da doch eine legitime Frage aus dem interessierten Publikum heraus: Nun, es lag natürlich an den „Aussichten, die sich verdüstert haben“ und ansonsten auch am allgemeinen Wagalaweia, an der Kontingenz, und daran, dass nachts alle Katzen grau sind. Nie aber lag es an unseren hochbezahlten Orakel-Onkels, die vierteljährlich in ihrem Kaffeesatz herumscharren, um dann irgendetwas Erwünschtes zu verkünden, was mit Sicherheit doch nie eintrifft …

Die alte Hure

Dass nun – Auflage gegen Auflage – jedermann den Thilo Sarrazin eine ‚alte Hure‘ im Dienst journalischer Loddel nennen darf, erfreut mich natürlich, einerseits, weil ‚Zeitgeistiges‘ – ob nun Integration oder Euro-Krise – unseren Thilo fast so sicher zu Stellungseinnahmen zu locken pflegt wie Olympische Spiele den Straßenstrich, andererseits, weil notorischen Übelnehmern und Abmahnwalt-Klienten ein paar ihrer räudigen Felle wieder mal den Cloacus maximus hinabschwimmen. Das OLG-Urteil wird sicherlich noch vielfach vor Deutschlands Gerichtsschranken zitiert, und es zeigt uns zugleich, dass der berüchtigte ‚Shitstorm‘ ebenso häufig inner- wie außerhalb des Netzes zu finden ist. Es gibt da einfach nur eine uralte Textsorte namens Pasquill:

„Die taz hatte laut Gericht im Juni über Sarrazin geschrieben, er werde „inzwischen von Journalisten benutzt wie eine alte Hure, die zwar billig ist, aber für ihre Zwecke immer noch ganz brauchbar, wenn man sie auch etwas aufhübschen muss.“

Kognitive Flatulenz

Um heutzutage noch links zu sein, benötigt man schon einiges an Intelligenz. Beim Rechtssein ist es in unseren Zeiten umgekehrt

Krankgeschrieben

Wir müssen vielleicht an der Typo noch was machen“, sagt Wilfried Wunderlich, der Art Director – und dann überbieten sich wunschgemäß alle Kreativkräfte in deutschen Werbeagenturen in komplettem Schwachsinn. Aus der „Würstchenfabrik“ wird die „würstchen fabrik„, regelgerechte Großbuchstaben gelten plötzlich als der Feind aller Genialität, zumindest aber wird das, was zusammengehört, konsequent auseinandergerissen: „Stahl Werk„, „Tier Park“ oder „Paar Therapie„. Ganz Bekloppte Kreative hauen sogar die Kapitälchen in die Mitte vom Wort – „ruDis imbiSSbude“ – und wundern sich dann, wenn plötzlich nur noch Neonazis dort zur „curry wurst“ greifen …

Disclaimer: Der kurze Text entstand aus aktuellem Anlass, allerdings mit veränderten Kundennamen, weil ich mir beim Schreiben gerade Knoten in den Tippfingern holte.

Kaumdeutsch für Fortgeschrittene

Merkel sieht „starkes Signal nach Europa“. Ob ‚an‘ und ‚für‘, ob ’nach‘ und krach, für sie ist heut ein guter Tach …

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