Stilstand

If your memory serves you well ...

Monat: August 2012 (Seite 2 von 5)

Alles Kacke!

Sagt dein ‚Spiegel‘ … oder: Wer ständig aufs Klo rennt, wird Ferkalien erleben.

Manche Figuren …

Angesichts güllekübelnder und hass-strotzender Postings ohne Fakten, Sinn und Verstand frage ich mich manchmal schon, ob solche rechten Witzfiguren diesen zusammengepantschten Dreck eigentlich selbst glauben, den sie dort ständig unter konspirativem Gefasel verzapfen:

„Obama brauchte 3 jahre um seine gefakte geburtsurkunde Öffentlich zu machen, was soll der ganze scheiss ? Noch nie Ging es amerika so schlecht wie unter dem sozialisten obama Und mir ist lieber ein erfolgreicher unternehmer an der spitze Der usa, als ein geburtsurkundenloser kenianer, der reichtum Nur umverteilen kann, statt welchen zu schaffen.“

Das Alphatier ist ja nackt!

So ähnlich stelle ich mir eine ‚Medienberichterstattung 2.0‘ vor. Der Bernd Hilder, die geschasste Gallionsfigur des Leipziger Pavianfelsens, war mir zuvor unbekannt. Nun habe ich ihn plastisch vor Augen – er ist mir durch diesen Text für immer unvergesslich geworden:

„Ich weine dem ehemaligen Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung keine Träne nach. Und das tun zumindest diejenigen seiner früheren Untergebenen auch nicht, die ich im Rahmen meiner heutigen, nicht repräsentativen Telefonbefragung am Ohr hatte. Aber irgendwie fehlt er mir doch. Schließlich durfte ich Onkel Bernd einige Male als Moderator erleben. Und das hatte schon was. Sicher, man durfte nicht die feine, gekonnt geführte Klinge und die Echtzeitanalyse erwarten. Aber einen noch relativ jungen Menschen dabei zu beobachten, wie er mit Karteikarten hantiert, auf denen die Moderationsstichworte stehen, der dabei aber irgendwie zu eitel ist, seine Fehlsichtigkeit zuzugeben und atemberaubende Brillenakrobatik und gesundheitsgefährdende Augengymnastik betreibt und bei all dem sogar noch Gelegenheit findet, in die ansonsten eher bei Kulturredakteuren und aufstrebenden Kommunalpolitikern übliche Pose des „Sinnenden Geistesriesen“ zu verfallen (für alle Unwissenden: Kopf auf Halbmast, Mund halb geöffnet, zwei Finger irgendwo ins Gesicht gestochen und dabei in die Ferne schauen, als hätte man sich soeben auf etwas Penetrierendes gesetzt) – das erlebt man nicht alle Tage.“

Rätsel gelöst!

Warum ließ der Herr Mappus bloß seine Daten vernichten? Für mich ist das ganz einfach: Deshalb, weil er selbst dazu nicht in der Lage war …

Nur zu, Robin!

Das Scheitern des „Berliner Kreises“ in der Union illustriert ein größeres Problem: Eine ganze Denkrichtung fehlt in unserem politischen Diskurs. Wir brauchen mehr konservative Kontrapunkte. Von Robin Alexander“

Das Denken wagen! Neues ersinnen! Unerhörtes zu Papier bringen! Das sind doch alles zutiefst konservative Tugenden … 😉

Vergleichswaise

Dass sich lautes Revolutionsgeschrei und konservative Wertvorstellungen nicht grundsätzlich ausschließen, hat schon der Sozialphilosoph Theodor W. Adorno bewiesen. Als die Studenten des 68er-Vordenkers begannen, seine Ideen reichlich unzivilisiert auf die Straße zu tragen, stand der Frankfurter angewidert daneben und musste erkennen, dass auf schöne Worte manchmal hässliche Taten folgen.“

Das alles findet sich im ‚Stern‘ unter der Headline „Aufstand der anonymen Spießer„, wo’s ein Niels Kruse wagemutig unternimmt, den ‚Barfüßler‘ von der Piratenpartei zu verteidigen. Ich versuch‘ uns mal diesen komparativen Eingangssatz aufzudröseln: Der Adorno von damals wäre damit gewissermaßen der Ponader von heute mit seinen ‚konservativen Wertvorstellungen‘ (samt der ‚Maus Frederick‘). Und diejenigen, die mit dessen sanft mahnenden Jesusworten jetzt ‚reichlich unzivilisiert‘ bloß revoluzzenden Schindluder treiben, das wären die gleichen ‚anonymen Spießer‘ wie diese krakeelenden 68er Studenten dunnemals. Ähem, aha, soso … man lernt ja nicht aus.

Kampfgestimmt

Wenn das gemeine Parteimitglied endlich etwas entscheiden darf, wie im Falle grüner Spitzenkandidaturen, dann ist natürlich eine „Kampfabstimmung“ fällig. Geht es um die gleiche Angelegenheit bei der seriösen CDU, dann kommt es zu einem höchst honorigen „Ringen um Schavan-Nachfolge“. Vermutlich deshalb, weil dort nach Altväter Sitte noch in den ‚Hinterzimmern‘ um Macht und Einfluss gewürfelt wird. Festgemauert in der Erden jedenfalls stehen die ‚Frames‘ im ‚modernen Qualitätsjournalismus‘ …

Alle doof – außer Papa!

Die Forderung nach Steuererhöhungen zu Lasten von Mittelschicht und Reichen ist absurd und selbst die Union entwickelt neosozialistische Züge.“

Ja, keine Rettung nirgends – auch auf die Konservativen ist kein Verlass mehr. Ganz allein steht der reiche Bourgeois in sozialer Sibirienkälte verlassen in der politischen Landschaft herum, sein guter alter Klepper, der organisierte Liberalismus, liegt politisch tot im Straßengraben, während die Straßengang der Finanzminister schon mit gierigen Griffeln in seinen Taschen nach dem Portfolio fingert. Wer uns solches schrub und faktenenthoben gleich mal „die Mittelschicht“ in die Sachlage hineinschwurbelte – nun, das ist natürlich der Ulf Poschardt, der in der ‚Welt‘ mit seinem Publikum mal wieder ein wenig Milchmädchen spielen möchte.

In einem Punkt hat er ja recht, der Staat nimmt derzeit mehr Steuern ein als im letzten Jahr. Aber wohin wandern diese Steuern gleich wieder? Richtig – in den großen europäischen Rettungstopf, der die Banken und deren Aktionäre, also die Vermögenden, vor gierigen Spekulanten ringsum zu retten hat. Das, was den Reichen nämlich genommen werden soll, ist nur das, was sie mit Zins und Zinseszins gleich wieder vom Staat über ESM usw. zurückerstattet bekommen. So läuft das eben in einer repräsentativen Demokratie: Reiche sind wichtig.

Eine staatliche „Kleptokratie“ sieht der Ulf Poschardt dennoch am Werk, eine „neosozialistische Fiskalpolitik“ – und statt dass endlich mal jemand den Psychiater zu Hilfe ruft, darf der Rasende mit wilden Halluzinationen die Kommentarspalten der ‚Welt‘ verfüllen:

„Die europäische Krise ist eine Staatsschuldenkrise und diese wiederum eine Krise der wirtschaftlichen Vernunft in Demokratien. Deutschland muss seine Liebe zum Staat von ihrer selbstzerstörerischen Leidenschaft therapieren und dabei seine Abneigung gegen die schuftenden Nettozahler eindämmen, besonders dort, wo ein masochistischer Selbsthass zum Vorschein kommt.“

Na also, galoppierender Staatshass bei Poschardt also – dem die ganze Krise sowieso nur ein psychologisches Problem ist, tief unten im mentalen Bereich, dort, wo der Masochismus randaliert und die deutsche „Liebe zum Staat“ dringend einer Therapie bedarf. Allerdings – wo’s um höhere Vermögenssteuern geht, sehe ich – anders als Poschardt – nur selten „schuftende Nettozahler“ vor dem inneren Auge, sondern eher jenes Volk, das vormittags schon auf den Golfplätzen rumstratzt. Sei’s drum. Fakt ist jedenfalls: Der Staat braucht mehr Geld, um unsere Bourgeoisie zu retten.

Klar ist auch, dass wir gar keine „Staatsschuldenkrise“ haben, sondern eine wild gegen Europa und den Euro spekulierende Finanzmafia, die möglichst hohe Zinsen und Renditen für ihren Spekulatius kassieren will. Wir haben also keine „Staatsschuldenkrise“ sondern eine „Zinskrise“ – das aber erkläre mal einem Thatcheristen mit grassierender Liberalitis, der in jenem Kinderglauben aufwuchs, wonach der Markt als postmoderne Vorsehung alles schon von selber regelt. Verglichen mit jenen Schulden, die unbehelligte Länder wie die USA oder Japan vor sich her schieben, sind unsere Staatsschulden ein fiskalisches Paradies. Auch von einer Inflation, von welcher der Welt-Barde tiriliert, ist weit und breit nichts zu sehen. Im Gegenteil – wir stehen vor einer Deflation. Uns droht also Brüning – und nicht Hilferding.

Erstklassig aber, meint dieser luzide Kopf unverdrossen, seien nach wie vor nur die wahngebildeten ‚Analysen‘ seines Poschardt’schen Delirigorosums. Dummerweise steht er damit ziemlich allein unter Fröschen in einem populistischen Sumpf herum (s. Kommentare). Vollends blöd und unter seinem Niveau aber sei die Union in Gestalt von zweitklassigen Ministerpräsidentinnen, dort nämlich, wo diese Partei ganz allmählich umzudenken beginnt, weil voraus der Eisberg immer größer wird. Kurzum: Ulf Poschardt lebt in einer völlig anderen Welt, wahrscheinlich ist er als Findelkind in der Postmoderne zurückgelassen worden …

Wohin will er bloß? Der CDU tritt er gerade mit Anlauf in den Allerwertesten – und seine glorreiche FDP krebst verdientermaßen unter der Nachweisgrenze herum. Es gibt hoffnungsvollere Kompetenznachweise, sich uns als Verwandter des Zeitgeistes zu präsentieren.

Erste Gesundheit?

Jener Slogan, mit dem meine Krankenkasse, die hkk oder Handelskrankenkasse, für sich wirbt, der macht mich vogelig, sooft ich ihn lese. Er lautet: „hkk. Erste Gesundheit.“ Und das ist in meinen Augen nicht gesund, sondern krank:

‚Gesundheit‘ ist bekanntlich ein Absolutum, ein ewiger Singular, der Mensch ist entweder gesund oder er ist es nicht, dazwischen gibt es keine Grautöne. Wer Fußpilz hat, ist nicht mehr gesund. Es hat auch niemand zwei oder mehr Gesundheiten. Andere Absoluta wären bspw. Wörter wie ‚Moral, ‚Himmelreich‘ oder ‚Gerechtigkeit‘. Schon gedankenlos und relativierend mit Adjektiven verknüpfte Sätze wie „Er ist bei bester Gesundheit“ wären, so gesehen, eigentlich blanker Nonsense. Vollends verrückt aber wird es, wenn Zahlwörter ins Spiel kommen.

Kein Mensch redet ja von einer ‚Zweitreligion‘, von einer ‚dritten Moral‘ oder von der ‚vorletzten Freiheit‘. Und ebenso wenig sollten wir von einer ‚ersten Gesundheit‘ reden. Weil dies nämlich voraussetzen würde, dass es auch eine ‚zweite Gesundheit‘ gäbe, eine dritte, eine vierte usw. Gesundheit ist und bleibt aber ein Wort im ewigen Singular, es kennt gar keinen Plural, deshalb hat es auch keinen Sinn, semantisch eine Gruppe oder ‚zählbare Reihe‘ daraus zu formen. So weit mein sprachliches Unbehagen.

Andererseits kann ich mir natürlich vorstellen, was die Verantwortlichen sich ’so ungefähr‘ bei ihrem Slogan wohl gedacht haben: Sie wollten natürlich ‚erstklassig‘ wirken, und das, was da erstklassig sein sollte, das wäre ihre Dienstleistung, die ‚Gesundheitsversorgung‘. Denn ‚die Gesundheit‘ gibt es in einer Krankenkasse weder hier noch irgendwo sonst zu kaufen. Der Slogan ‚erstklassige Gesundheitsversorgung‘ wäre zugleich aber ein wenig riskant gewesen; die hkk ist schließlich eine sparsame Kasse, die bspw. keineswegs alle Kreationen eines boomenden Esoterik-Marktes bezahlt. Kunden hätte darauf beim Klartext aber pochen können. So kam es, vermute ich mal, zum jetzigen Schwurbel …

Vielleicht sollten die hkk-Entscheider einfach „Gesundheit!“ auf ihre Briefbögen und Gebäude schreiben. Das ist doch auch ein netter Wunsch, der Kunden wie Passanten erfreut.

Nationaler Kassandra-Tag!

Die Folgen sind Lese- und Aufmerksamkeitsstörungen, Ängste und Abstumpfung, Schlafstörungen und Depressionen, Übergewicht, Gewaltbereitschaft und sozialer Abstieg.“ Jaja, das böse Internet und die Computerspiele! Fehlt eigentlich nur der Fußpilz. Oder liegt’s vielleicht doch eher am Vorstadt-Milieu in Zeiten von Hartz IV? Wer jedenfalls an die These vom bösen Digitalen glaubt, für den ist ’sozialer Abstieg‘ prompt selbstverschuldet – und die Opfer wurden zu Tätern und haben den Bullshit an der Backe kleben. Oder: Soziale Mechanismen aus der Sicht eines beamteten Hochschulprofessors auf C-IV.

Seltsam ferner, dass jene Nationen, deren Computer-Daddel-Konsum weltweit doch am höchsten scheint, die ‚ostasiatischen Tiger‘ also, dass die bei den Olympischen Spielen so sensationell gut abschneiden konnten. Und wirtschaftlich gleichfalls ‚rundbesohlt‘ scheinen, auch bei den ‚Lernerfolgen‘. Was wiederum in völligem Widerspruch zu den Thesen dieses famosen ‚Gehirnforschers‘ stünde, dessen Steckenpferd bekanntlich jener Forschungsgegenstand ist, in den sich allemal am meisten hineininterpretieren lässt. Siehe Sarrazin … wo ein Buch mehr Schaden angerichtet hat, als zehn Folgen Super-Mario. Da halte ich mich doch lieber an Spitzers Kollegen Dirk Frank statt an diesen ‚terrible simplificateur‘:

„Spitzer ist vor allem darauf bedacht, den Eindruck zu erwecken, es handele sich um eine mit naturwissenschaftlicher Präzision gestrickte Beweisführung. Umfangreiches Datenmaterial, Grafiken und scheinbar gesicherte Erkenntnisse aus Medizin, Kriminalistik, Ernährungswissenschaft und Pädagogik scheinen diesen Eindruck zu untermauern. Doch Spitzers massenmedial zugespitzte These fällt selber dem Prinzip anheim, das sie zu kritisieren vorgibt: nämlich einer oberflächlichen und vorurteilsgeleiteten Medienbetrachtung.“

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