Stilstand

If your memory serves you well ...

Monat: Juni 2012 (Seite 2 von 5)

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Wieder so’n Artikel, wie wir ihn in Holzmedien vergebens suchen. Schließlich schaltet der werte Kunde auch mehr oder minder dämliche Vier-Farb-Hochglanz-Anzeigen, so dass ihn der ‚objektive Qualitätsjournalismus‘ nie mit frechen Kommentaren zu dummen Mailings molestieren wird:

„Es gibt schlechte Werbung. Es gibt dumme Werbung. Und es gibt gefährliche Werbung.“

Neue Synonyme

Im Innern der CDU grassiert eine dieser Neuschöpfungen – vor allem an der Steuerbordreling der rechts noch gläubigen Partei-Fregatte, in Lee also, dort, wo sich inzwischen alle auskotzen. Das Wörtchen „Modernisierung“ haben sie hier konsequent durch das Wörtchen „Sozialdemokratisierung“ ersetzt. So fällt es einem gutgläubigen Laien nicht länger auf, wie gestrig diese Partei doch inzwischen geworden ist. In den Worten Armin Laschets:

„Wir dürfen die CDU nicht sozialdemokratisieren“

Nein, nein, modernisieren dürfen sie die CDU keinesfalls, deshalb also keine Frauenförderung, sondern lieber die Heimchen-Prämie, keine Bildung für alle, sondern lieber „Hauptschule erhalten“ usw. usf. Denn diese unaufhörliche ‚Sozialdemokratisierung‘ bedrohe doch nur das gewohnte Weltbild, wo unten eben unten ist, und oben oben – so wie es Gottes Wille war immerdar …

(Quelle: Holzmedium)

Hinweis: Bis auf weiteres verzichtet der ‚Stilstand‘ auf Links zu Verlagen, die sich nicht ausdrücklich und glaubwürdig vom geplanten Leistungsschutzrecht distanziert haben.

Sensadoxie!

Springers Medienwauwau mit dem einschlägigen juristischen Staatsexamen wurde an die Netzfront geschickt, damit er uns Dumpfbacken dort das Leistungsschutzrecht aus der Sicht eines Öchsperten mal verkläre. Höchstselbst definiert er das Gesetz prompt als die eigentlich überflüssigste Sache der Welt. Weshalb, um keine Paradoxie verlegen, unsere Verleger in der Sache ‚Lex Keese‘ sensationell gern und möglichst rasch eine Vollzugsmeldung aus der Hausmeisterwohnung dienstbereiter Politik auf ihrem Tisch vorfinden möchten. Kommst noch mit? Ich schon längst nicht mehr …

Boah, was der Jan alles weiß!

Die Verursacher und Bewahrer der italienischen Staatssklerose sind die Gewerkschaften.“

Und ich Dummerchen dachte, dieses Italien sei mehr als zehn Jahre von einem notgeilen Bunga-Bunga-Padrone regiert worden, dem größten Rechtsausleger und Gewerkschaftsfeind seit Benito Mussolini, ein Mann, der schon Kommunismus witterte, wenn es eine Minderjährige wagte, in seiner Gegenwart einen BH zu tragen. Während alle Regierungspartner sich im grenzfaschistischen Bereich ihren Jagdschein erwarben – und die gesamte Elite des Landes es als folkloristische Tätigkeit des Pöbels ansah, überhaupt noch Steuern zu zahlen. Während die Richter vom willfährigen Parlament in Hanswürstchen verwandelt wurden.

Seither, sagen jedenfalls ‚linke Berufsideologen‘, kranke das ganze Land daran, dass dieser Berlusconi alles und jedes Staatsvermögen in den Rachen der Bourgeoisie und Finanzhaie expediert habe, wohl auch in den Rachen noch ganz anderer Organisationen, die in Bella Italia aber von der Bourgeoisie notorisch nur schwer zu unterscheiden seien. Während er die großen Privatvermögen jedem Zugriff entzog …

Süsswoll, so kann man sich täuschen! Wer zum Jan Fleischhauer geht, der kommt doch immer schlauer zurück …

(Quelle: Zeitung)

Hinweis: Bis auf weiteres verzichtet der ‚Stilstand‘ auf Links zu Verlagen, die sich nicht ausdrücklich und glaubwürdig vom geplanten Leistungsschutzrecht distanziert haben.

Euphemismen im Alltag

Originelle Gedankenarbeit brauchte es für Parteikarrieren in der FDP nur selten“, das schreibt uns der Klaus Harpprecht aus einem Holzmedium heraus. Er berichtet dort über jenes adenauerzeitliche Sammelbecken versprengter Bräunlinge, das von manchen – und damit ebenfalls euphemistisch – ‚liberale Partei‘ genannt wurde, von anderen lieber ‚Gauleiter-FDP‘:

„Die nach Werner Naumann benannte Naumann-Affäre (1953) kennzeichnet den Versuch alter Nationalsozialisten, die FDP zu unterwandern, die in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen viele rechtskonservative und nationalistische Mitglieder hatte. Nachdem die britischen Besatzungsbehörden sieben prominente Vertreter des Naumann-Kreises verhaftet hatten, setzte der FDP-Bundesvorstand eine Untersuchungskommission unter dem Vorsitz von Thomas Dehler ein, die insbesondere die Zustände in der nordrhein-westfälischen FDP scharf rügte.

Tscha, später kam dort dann ja der Möllemann zum Zug. Der gleich eingangs erwähnte Euphemismus verbirgt sich übrigens hinter der kleinen Adverbialkonstruktion ’nur selten‘, die ein durchaus zutreffendes Absolutum gleich wieder einzuschränken strebt.

(Quellen: Zeitung und wikipedia)

Hinweis: Bis auf weiteres verzichtet der ‚Stilstand‘ auf Links zu Verlagen, die sich nicht ausdrücklich und glaubwürdig vom geplanten Leistungsschutzrecht distanziert haben.

Falsche Vergleiche

Entscheidend ist immer die Wahl der Vergleichsgrößen. Hier werden beispielsweise Äpfel mit Glühbirnen verglichen:

„Müllmann: Belastung wie Berufsfußballer.“
(Quelle: Holzhausen)

Sinnvoller und angemessener wäre es, die Belastung des Müllmanns neben die Belastung eines Bankvorstands zu stellen. Um dann gleich auch mal ihr Salär zu vergleichen.

Hinweis: Bis auf weiteres verzichtet der ‚Stilstand‘ auf Links zu Verlagen, die sich nicht ausdrücklich und glaubwürdig vom geplanten Leistungsschutzrecht distanziert haben.

ABC-Schützin im Wunderland

Unsere Dorothea ‚Dodo‘ Siems verfolgt konsequent ihren Weg als Running Gag der deutschen Presselandschaft. Jetzt hat sie eine veritable Sensation ganz alleine herausklabüstert:

„Ökonomen haben errechnet, dass Wohltaten wie das Betreuungsgeld die Schulden in die Höhe treiben.“ (Quelle: Altmedien)

Ja, Donnerwetter, das ist ja ein dolles Volk, diese Ökonomen! Was die alles berechnen können! Und ich dachte immer, das Betreuungsgeld würde deswegen halbwegs kostenneutral ausfallen, weil bayrische Zahnwaltsgattinnen bei ihren Blagen zuhause bleiben müssen, was dem Ehemann bares Geld spart. Oder so, oder wie, oder wat …

Hinweis: Bis auf weiteres verzichtet der ‚Stilstand‘ auf Links zu Verlagen, die sich nicht ausdrücklich und glaubwürdig vom geplanten Leistungsschutzrecht distanziert haben.

Jasper trifft Kasper

Jasper von Altenbockum, der großmächtige FAZ-Kolumnist, zeigt sich hier als Schönwetterdemokrat und Zirkusverächter, nur, weil er auch zukünftig länger über München kreisen soll: Stimmt nämlich der dämliche Populus mal nicht so, wie’s der Olymp befahl, holt der Zürnende die Donnerkeile raus und gesellt sich zu den ‚lupenreinen Demokraten‘. Am Ende droht er uns sogar ein wenig – bloß mit was eigentlich?

„Das ist die Pointe in diesem plebiszitären Zirkus, der gerne Demokratie genannt werden darf. Doch das Wort erinnert in diesem Fall nur daran, dass Demokratie nicht alles ist.“ (Quelle: FAZ Online-Angebot, 19. 6. 2012)

Anmerkung: Das Schöne an der FAZ ist, dass der Leser immer zwei Zeitungen in einer erhält. Da gibt es vorn den Polit-, Wirtschafts- und Finanzteil mit seiner lustigen Dino-Show, im ernsthaften Teil folgen dann Sport, Gesellschaft und Feuilleton, wo’s gleich wesentlich rationaler zugeht …

Hinweis: Bis auf weiteres verzichtet der ‚Stilstand‘ auf Links zu Verlagen, die sich nicht ausdrücklich und glaubwürdig vom geplanten Leistungsschutzrecht distanziert haben.

Ulf Poschardts bunte ‚Welt‘

Uns höchst eigenwillige Ansichten, die zwischen Exotik und Wahnwitz oszillieren, als sprichwörtliche Volksweisheiten zu verkünden – das gehört bei Ulf Poschardt zu den bewährten Überrumpelungsstrategien. Auf seinem Hometurf, in der ‚Welt‘ also, heißt es jetzt:

„Der Humor steht rechts, lautete eine Weisheit besonders ernster Marxisten … Dieses Erbe trägt die Linke in Gestalt ihrer anti-deutschen Truppe voran.“

Aha – da würde man doch gern mal wissen, wer von den ‚besonders ernsten Marxisten‘ einen solchen Bullshit je behauptet hat. Schau’n wir uns nur unter den Zeitgenossen mal um – in dieser linken humorbefreiten Zone also: Kapielski, Marquardt, Holbein, Henschel, Henscheid, von Westfalen, Droste, Beltz, Sternberger, Bittermann, Schneider, Priol, Hildebrandt, Pispers, Rether, Schubert, Schramm, und, und, und … das ist das, was mir aus dem Stand in nur zwei Minuten einfiel.

Wen aber hätte die rechte Seite außer unfreiwilligen Humoristen wie Matussek, Poschardt, Pofalla oder Broder aufzubieten? Kurzum: In der Regel ist es so, dass der Konservative zum Lachen in den Keller geht …

Apropos: Die ‚Antideutschen‘, die der Poschardt dort mit der ‚Linken‘ gleichzusetzen strebt, organisieren vielleicht 200 Leutchen in der Bundesrepublik, festgebackte Ideologiereste zumeist, wie sie beim Zerfall des ‚Kommunistischen Bundes‘ im Topf zurückgeblieben waren (das sind die mit dem ‚Arbeiterkampf‘). Wahrhaft humorvoll wirkte auf mich in unserem Zusammenhang dann dieser wikipedia-Eintrag: „Gelegentlich schreiben Antideutsche für Medien wie ‚Die Welt‘. Faktisch und ideologisch stehen die ‚Antideutschen‘ einem Pim Fortuyn oder einem Henryk M. Broder nämlich weitaus näher als einem Oskar Lafontaine oder auch einem Jossip Stalin. Genau das dürfte dann ja auch der Grund sein, weshalb dieser wilde, kapitalismusbejahende Haufen bedingungsloser Israel-Freunde und martialischer Islamfeinde für Springers Flaggschiff schreiben darf. In manchen FDP-Ortsvereinen würde er sich mittlerweile auch gut machen …

Die Drei-Gewalten-Allergie

Kaum findet in irgendeinem europäischen Land Demokratie statt, barmt der gesamte Pressestadl.

Nachtrag: Und nun freuen sich alle wie Bolle, dass es kein Sozialist wurde, der nachverhandeln will, sondern ein Konservativer, der nachverhandeln will.

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