Stilstand

If your memory serves you well ...

Monat: März 2012 (Seite 1 von 6)

Leben Zombies länger?

Klusmann: „Noch ist die ,FTD‘ im Kern eine Zeitung. Ich will die Marke aber auf den Tag vorbereiten, an dem dieses Szenario über die Zeitung hereinbricht.“

Es wäre ja auch erstaunlich gewesen, wenn Deutschlands ‚beste Wirtschaftszeitung‘ ausgerechnet in der Wirtschaft Erfolg gehabt hätte. BWL ist kein bildungsförderliches Studium, folglich greifen die Absolventen dort auch lieber zum Wirtschafts-Focus oder zur Economy-Praline, also zu leichtverdaulicher Sushi-Kost wie ‚Manager-Magazin‘ oder ‚Wirtschaftswoche‘: „Elektroautos spielen in den Dienstwagenflotten der deutschen Konzerne keine Rolle.“ Börps! – wer hätte das nun wieder gedacht? Ohne die gebotene ‚qualitätsjournalistische Recherchetiefe‘ kommt da niemand drauf …

FDP keine ‚Wirtschaftspartei‘!

Wäre es zu einer Transfergesellschaft gekommen, dann hätten 11.000 Mitarbeiterinnen auf eine Klage gegen ihre Kündigung verzichten MÜSSEN. Jetzt aber werden sie – dank der FDP! – gegen ihre Kündigung klagen MÜSSEN, um ihre Rechte und Ansprüche zu wahren. Entsprechend belastet ist die Suche nach einem Investor für ‚Rest-Schlecker‘. Und dementsprechend blödsinnig war auch der Zwergenaufstand der FDP gegen diese Transfergesellschaft, weil die liberalen Vollpfosten damit eine wirtschaftlich vernünftige Lösung für Schlecker wirksam verhindert haben. Wer noch einmal die FDP eine Wirtschaftspartei nennt, der muss jetzt meinerseits mit einer Klage wegen Desinformation rechnen …

Apropos – bevor hier das Märchen von der Prinzipientreue abgespult wird: „Derselbe bayerische FDP-Minister, an dem am Donnerstag um 15 Uhr die Schlecker-Transfergesellschaft scheiterte, hielt es eine halbe Stunde vorher für gut, bei der bayerischen Bäckerei Müller-Brot Hilfe zuzusichern.“ Alle Schweine sind gleich, nur manche sind gleicher …

Jaja – so is dat woll!

Zu deutsch: Verlage betreiben gegenüber freien Journalisten exakt jene Kostenlos-Kultur, die sie im Netz lautstark beklagen.“

Hie und da mag es vielleicht noch eine Ausnahme geben. Zum Thema auch das …

Mit polierter Orthographie

Schon klingt vieles, was aus den dunkleren Etagen der Gesellschaft in Online-Foren gepostet wird, nicht länger indiskutabel. Ja, es klingt in meinen Ohren plötzlich viel plausibler als der dahergenuschelte FDP-Sermon von den ‚ordnungspolitischen Grundsätzen‘, die man nicht ‚verletzen‘ dürfe, weshalb man lieber tausendfach Biographien zu zerbrechen habe:

„Wäre Schlecker eine Bank, dann würden Merkel und ihr FDP-Süßholzpiepser sich in Hilfsangeboten überschlagen und heldenhaft retten … und retten … und retten! Alles für die nächste Wahl. Nur ist es leider n u r ein Drogeriemarkt .. mit vollkommen uninteressanten Menschen weit unter dem Niveau all dieser HOCHgebildeten aus der Politkaste.“

Unter ‚Niveau‘ versteht er den Kontostand, nehme ich mal an …

Schwarmdemenz

Aus ihrer machtstrategisch derzeit aussichtslosen Position heraus möchte die CDU in NRW vielleicht auch mal die fantastischen neuen Möglichkeiten der Netzkultur für sich ausprobieren, um doch noch eine Chance aufs Regierungsamt zu bekommen. Konsequent bedienen CDU-nahe Kreise daher alle Vorurteile, die auch in der Partei über das Internet zu finden sind.

Erstens wäre das bekanntlich die erschröckliche ‚Anonymität‘ des Netzes, weshalb die CDU sich eine brave Lieschen-Müller-Maske aufsetzt, um lauthals zu verkünden: „Wir sind für diese grottenschlechte Viral-Kommunikation doch gar nicht verantwortlich. Ätschbätsch!“ Zweitens betrachten sie – die Wahrheit dieser Aussage vorausgesetzt – vergnügt andere Leute, die sich die sprichwörtliche ‚Internet-Hasskappe‘ mit laut bimmelnden Narrenschellen aufgesetzt haben, während die Öffentlichkeit „fortan auf dem Niveau eines Stinktiers“ ‚informiert‘ wird. Und drittens unterstützen sie bei Facebook eine „eine anonyme Horde, welche die Meinungsfreiheit missbraucht“ – dezidiert nicht. Dabei würde es sie nur noch retten, wenn sie diesen Dreck auch Dreck nennen und sich von dem Kommunikationsmüll lauthals und schnellstmöglich distanzieren. Das aber tun sie auf dieser ‚Titanic‘ bisher auch nicht.

So jedenfalls, tief in die eigenen Vorurteile verstrickt, glauben gewisse CDU-nahe Strategen, die ‚Netzkultur‘ endlich für sich entdeckt zu haben. Bauchlandung schon inbegriffen … obwohl die Partei es doch gar nicht gewesen sein will. Dann kann sie nach der Niederlage nämlich behaupten, die schreckliche Anonymität des Netzes habe ihnen auch diesen K.o. zugefügt, weshalb unbedingt schärfere Gesetze … usw.

Faktisch aber ist es Schwarmdemenz statt Schwarmintelligenz. Letztere macht aus der dämlichen Kampagne gerade Konfetti:

„Abgesehen davon, dass man anscheinend einen Clown gefrühstückt hat und auf dem Niveau von alternden Komödienstars meint, vermeintlich witzige Wortspielchen mit dem Namen von Hannelore Kraft machen zu müssen, wirkt das ganze einfach nur peinlich.“

„Diese ewigen Neiddebatten!“

Mit dem Thema ‚Winterkorn‘ kaute mir die letzte bekennende FDP-Wählerin unseres Städtchens die Ohren ab: „Wie satt ich diesen Neidkomplex in der Bevölkerung habe. Leistung muss sich eben wieder lohnen – und wer etwas geleistet hat, der hat eben später auch mehr.“ Eben, eben, fiel mir ein, der ich fluchtartig ihre Nähe floh, weil ich Menschen nicht mag, die schon zwischen ihrem werten Ich und der ‚Bevölkerung‘ sprachlich einen Zaun errichten: „45 Jahre arbeiten für 140 Euro Rente.“ Merke: Was der einen als eine ‚Neiddebatte‘ erscheint, nennt dein Nächster zutreffender eine Gerechtigkeitslücke …

Unter Pharisäern

Das ist meine letzte Wahl. Nach meiner Wahl werde ich mehr Flexibilität haben“, sagte der US-Präsident wörtlich“. Wobei jeder weiß, dass diese Worte wahr sind, dass eine zweite Amtszeit erst dem Präsidenten die Unabhängigkeit bringt – aber die gesamte Rechtspresse heuchelt helle Empörung und schluckt Spüli, um mit Schaum auf den Lippen Volkszorn zu mimen. Wie blöd aber muss ein Volk sein, das diesen Dreck liest …

Wen seh‘ ich da?

Unser Dschang trägt jetzt ein schwarzrahmiges Brillengestell, worauf ich euch nachdrücklich hinweisen möchte. Das neue Nasenfahrrad kombiniert er mit keinem Allerweltsjackett mehr, sondern mit einem dicken Rolli, gleichfalls so schwarz wie sein Kanal. Was wiederum seit den seligen Tagen von Gerd Gerken und anderer ‚Ein-Mann-Kreativagenturen‘ aus der 68er-Bewegung als äußerlicher Nachweis höchstvergeistigter Geistigkeit und herannahender Prostataprobleme gilt. Bloß welche Wege will der Dschang jetzt mit uns wandeln? Hat er innerlich gar widerrufen? Wird er auf seine alten Tage ein ‚kreatives Haus‘, um uns zum „Management by Love“ zu bekehren? Fragen sind das …

Alles umsonst!

Ouha!“ – so schallte es uns in Ostholstein entgegen, wo schon die Autos ein ‚OH‘ im Nummernschild führen, läse man dort den Gabor Steingart im heutigen Newsletter des ‚Handelsblatts‘. Was allerdings dort kaum jemand tut:

„Wenn sich die Piraten-Vision von der Umsonst-Kultur im Internet durchsetzt, sind Buch-, Musik- und Filmverlage die neue Atomindustrie.“

Ouha, ouha! – das klingt wahrlich schrecklich. Allerdings leben e.on, Vattenfall und RWE ja auch noch – und nicht einmal schlecht …

Nebenbei: Jedes zusammengesetzte Substantiv mit einem Bindestrich gleich wieder zu halbieren (‚Piraten-Vision‘, ‚Umsonst-Kultur‘), das scheint mir eine Stein-Gart’sche Stil-Marotte zu sein, die kaum Durch-Setzungs-Chancen besitzt …

Lieber die Tyrannei der Eliten!

Andere Alternativen sind nach diesem Satz für mich leider nicht denkbar – und mit 1,2 Prozent nähert sich die FDP dem Zustand einer elitären Partei ja auch rapide an: „Generalsekretär Döring [holt] zum Rundumschlag gegen die Polit-Aufsteiger aus. Deren Politikbild sei durch die „Tyrannei der Masse“ geprägt.“ Merke: Masse darf man niemals ’sein‘, man muss sie von den Vätern her ‚besitzen‘, so wie gewisse demokratievergrellte Generalsekretäre um die Taille herum massig Masse vorweisen können.

Einschränkend sollte ich vielleicht erwähnen, dass andere Elitekonzepte, betrachtet man das prollartig tiefgelegte Niveau besitzstolzer ‚freiheitlicher‘ Äußerungen („Meine Frau, meine Yacht, meine Synapse!“), dass solche Konzepte innerhalb der restliberalen Partei auf intellektuellem Gebiet bspw. keinesfalls zu empfehlen wären. Mit kulturellem Elitarismus macht man sich im bourgeoisen Milieu und in der Zahnwaltschaft seit jeher verdächtig …

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