Stilstand

If your memory serves you well ...

Monat: Dezember 2011 (Seite 1 von 2)

Dichter Niebel

Zum Jahreswechsel hier das entschlossene Statement eines geborenen Wolkenschiebers und Tatsachendrehers aus jenem Klüngel, der sich einst als jedermanns Wunschpartner und lauthälsige Stimme zur letzten Vernunft zu positionieren trachtete:

Im SPIEGEL fordert FDP-Spitzenmann Niebel CDU und CSU auf, den Liberalen entgegenzukommen. Schließlich sei die Union darauf angewiesen, dass auch der Partner mit einem „guten Ergebnis über die Ziellinie gehe“.

Soso – ist sie das? Bei solch gewagter Sprachakrobatik beginnt für mich dann immer die politische Reise nach Jerusalem. Wo notorisch die Wahrheit keinen Stuhl mehr vorfindet, während alle anderen an ihren Posten kleben. Fakt ist: Die Union ist längst nicht mehr auf das Liberallala ‚angewiesen‘, schon gar nicht in dessen komatösem Zustand. So pfeifen es die Spatzen von Berlins Dächern. Die Schwarzen sind faktisch und unentwegt in alle anderen Richtungen am Sondieren. Wowis rasante Kehrtwende ist doch nur das Vorspiel neuer Konstellationen gewesen.

Unverdrossen aber etwas in Sprache zu hüllen, was längst dem Realitätsempfinden des Publikums mit dem Mors ins Gesicht springt, das dürfte derzeit das größte Problem des Patienten FDP sein – wie auch das des Dichters Niebel: Erst gilt es mal, auf dem Boden der Tatsachen anzukommen. Nach unsanftem Aufprall kann man versuchen, wieder erste kleine Brötchen aus liberalem Brotteig zu backen, aus dem echten, und nicht aus neoliberaler Blähware.

Allen Lesern des Stilstandes einen guten Rutsch …

Headlines immer bekloppter!

CSU als Linkspartei.“

Der Herr gibt’s uns im Überfluss

Matthias Horx wollte auch mal wieder in die Zeitung … mit Angstkreisläufen, Elektroautos und diversen anderen alten Hüten.

Texte ohne Wert

Mehr als 60.000 Autoren würden sich bei ihnen auf Textaufträge der Kunden stürzen. Das verkündet uns das Marketing-Portal ‚Textbroker‘ stolz auf der Titelseite seines Angebots. Der Kunde müsse einfach seinen Textwunsch und die erwartete Güteklasse online stellen – und ‚ratzfatz‘ flattere ihm ein professioneller Text ins Haus. Wie hoch aber mag der Lohn jener 60.000 Menschen sein, die als Schreiber diese Zuarbeit leisten?

„Die gelernten, ausgebildeten Autoren schreiben bei uns in der Regel in einer Preisklasse, in der sie mit OpenOrders etwa so viel verdienen wie Freelancer bei lokalen und regionalen Zeitungen.“

Da müssen entweder die Einkünfte für Freelancer in Deutschlands Redaktionen erheblich gesunken sein. Oder aber die Zeilen in den Zeitungen wurden erheblich länger. Denn in eine Zeitungszeile passen in der Regel fünf bis sieben Wörter – und zu meiner aktiven Zeit galt schon ein Zeilenhonorar von 50 Cent als „ausbeuterisch“. Für 100 Wörter gäbe es also ungefähr 10 Euro als Freelancer-Minimum. So viel aber verdienen beim ‚Textbroker‘ noch nicht einmal die dortigen Alphajournalisten, so es sie gibt.

Schlussverkauf im Textbereich

Von diesen sagenhaften Summen kassiert in der Folge der ‚Textbroker‘ als ehrlicher Makler auch noch etwas, denn ein Andreas Wander, der dortige ‚Head of Business Development Deutschland‘, arbeitet sicherlich nicht auf philanthropischer Basis. „Sein großes Team an Sprachwissenschaftlern“ will ebenfalls bezahlt sein. Wo also das Geld beim Autor eher centweise eintröpfeln dürfte, soll es dennoch Textrastellis geben, die „Textbroker-Aufträge für mehrere Tausend Euro im Monat abwickeln“. Aus jahrzehntelanger Schreiberfahrung sage ich: Das klappt dann wohl nur nach der ‚Methode Guttenberg‘ …

Vor allem die BWL-gepolten Kunden aber sind’s zufrieden – über die Entlohnung jener Menschen, die ihnen diesen Text abhaspeln, machen sie sich dabei wenig Gedanken:

„Ich bin ziemlich begeistert. Wenn man mal alle Artikel als ein Auftrag betrachtet, habe ich einen Text mit insgesamt 704 Wörtern zu einem sehr speziellen Thema in nur einem Tag bekommen. Und das für nur 6,53 €.“

Tscha – das wäre noch nicht einmal ein Euro für 100 Wörter. Wer aber ‚als ein Auftrag‘ und ‚in nur einem Tag‘ in seinen Erfahrungsbericht als Schnäppchenjäger unbesehen hineinschreibt, von dem vermute ich einfach mal, dass er selbst über wenig Texturteilskompetenz verfügt. Anders ausgedrückt: Wo jeder Lektor die Hände über dem Kopf zusammenschlüge, erblickt er dann schon ungeahnte Textqualitäten.

Wie dem auch sei, lustiger sind die vielen Kommentare unter diesem Artikel. Einige vermuten ein Copy & Paste als Quelle der textbrokerischen Kuriosa – wie dieser freund der konsequenten kleinschreibung: „zum großteil automatisiert bzw. basiert auf suchen/ersetzen algorithmen. auch steht in den AGB sinngemäß: wir geben uns mühe, copyrightverstöße auszusortieren.“ Das aber ist ein unfairer Verdacht, wie es uns Folgekommentare der Autoren bei Textbroker beweisen: Der eine schreibt, auch wenn er davon nicht leben kann, um sich auf diesem Weg allmählich Professionalität anzutrainieren. Die andere, um Lücken der Langeweile im Hausfrauenalltag zu stopfen. Der dritte mag als Student nicht bei der Post oder sonstwo in Wind und Wetter Pakete stapeln und bessert so sein BaFöG auf – usw., usf.

Eigenartigerweise habe ich keinen Schreiber gefunden, der zu berichten wusste, dass er auf höchster Textbrokerstufe entlohnt worden sei. Vermutlich deshalb befindet sich dort auch dieser eigenartige Bruch der Honorierungssätze zwischen ‚ausgezeichnet‘ und ‚professionell‘ (s.o.). Was mich als alten Zyniker dann an den Schlittenhund denken lässt – und an die Wurst, die man ihm vor die Nase halten muss …

Hat ihn niemand eingeladen?

Dieser Verdacht klingelt in meinen Ohren, nach der Melodie von der beleidigten Leberwurst, sobald der Jan Fleischhauer in seinem Schwarzen Kanal über die Funktion des Bundespräsidenten zu sinnieren beginnt und über die Würde des damit verbundenen Amtes. Von irren Lachkrämpfen geschüttelt und wieder mal höchst wirrselig trägt unser Polit-Rastelli aus seinem Canale Grande häufchenweise strengere Duftnoten ins Medium. Ein Beispiel:

„Normalerweise bekommt man ja [vom Bundespräsidenten] nicht so viel mit. Einmal im Jahr gibt das Staatsoberhaupt ein Sommerfest, wo dann alle eingeladen sind, die sich gerne wichtig vorkommen. Wenn es gutgeht, hält er auch mal eine Rede, an die man sich über den Tag hinaus erinnert, aber schon das ist eher die Ausnahme. Ansonsten ist er viel im Land unterwegs, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen, wie es so schön heißt. Das ist sehr sympathisch, vollzieht sich aber naturgemäß weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit.“

Tschaja – und kurzum: Dann ist er absolut verzichtbar, der Mann! Und wenn die ‚Öffentlichkeit‘ nicht anwesend ist, also metroprollige Figuren wie der Jan und seine Entourage, dann kann’s auch gar nicht wichtig gewesen sein: ‚Weizsäcker, verpiss dich, kein Fleischhauer vermisst dich!‚ …

Journalistische Perfidie

Selten wohl gab es eine solche journalistische Treibjagd wie diejenige, die derzeit dem Bundespräsidenten dicht auf den Fersen sitzt – die Welle hat sich, glaubt man den Schlagzeilen, noch längst nicht totgelaufen:

„Aus dieser Nummer kommt Wulff nicht mehr raus.“

„Warum den Bundespräsidenten niemand mehr kaufen würde.“ Usw., usf.

Das sind nur zwei Headlines von vielen, die derzeit aktuell auf journalismusbetriebenen Online-Repräsentanzen zu finden sind. Einigen Journalisten wird es längst unbehaglich beim allgemeinen Wulff-Bashing, sie werfen dem eigenen Berufsstand schlicht Perfidie vor.

Richtig perfide wird das mediale Aufschäumen allerdings erst dann, wenn im großen Ballyhoo dieser Altmedien ein Journalist zum Weißwäscher wird, sein ‚Haltet den Dieb!‘ blökt und es unternimmt, professionelle Fehlleistungen und Überschusshandlungen des eigenen Berufsstandes dem verhassten Internet in die Schuhe zu schieben, den verachteten Bloggern und dem anderen Gesindel. So wie dies der Christoph Seils tut, im ‚Cicero‘, dem Fachmagazin für das konservativ gestylte Vorurteil:

„Sieht man von einigen wenigen Grenzübertretungen ab, dann haben sich die traditionellen Medien in der Berichterstattung der letzten Tage über Christian Wulff … im Großen und Ganzen an die journalistischen Regeln … gehalten. Nur im Internet scheinen diese Regeln nicht zu gelten. Dort kursieren über Christian Wulff und seine Freunde, sein Privatvermögen und über sein Privatleben die wildesten Gerüchte und Viertelwahrheiten. Nichts ist bewiesen, manches erstunken und erlogen. Einige anonyme Blogger kennen dabei kein Tabu mehr, für sie scheinen weder die Regeln des Anstands noch das Presserecht zu gelten.“

Tscha, wie blind darf sich ein schreibendes Wesen eigentlich stellen? Natürlich geht’s bei der Seilschen Suada ohne jeden Beleg oder eine Verlinkung ab. Fundstellen dürften auch rar gesät sein, denn im Netz ist doch eher der Aufruf zur Besonnenheit daheim, so wie im Blog von Wolfgang Michal, der dort eine zumindest bedenkenswerte These aufstellt:

„Nicht die Blogger und Twitterer haben sich den Leitmedien angepasst, sondern die Leitmedien den Bloggern und Twitterern. Herausgefordert durch deren kräftige (oft populistische) Sprache, greifen nun auch etablierte Medien immer häufiger zu drastischen Begriffen und Vergleichen, fordern eilends Rücktritte und rigorose Konsequenzen, und zelebrieren die unfreiwilligen Abgänge aus dem öffentlichen Leben als reinigende Buß- und Sühneopfer fürs Volk.“

Als Kette von Folge und Wirkung gesehen halte ich diese These zwar ebenfalls für tendenziös, denn es ist die Kommerzialisierung der Altmedien, wo die Betriebswirtschaftslehre längst die Artikel diktiert, was diese Radikalisierung und Boulevardisierung bewirkt. Zumindest aber schlägt Wolfgang Michal nicht den präsidialen Sack, wo er den journalistischen Esel meint. Das große Medienspektakel ‚Die Meute jagt den Wulff‘, das findet derzeit vor allem im Print statt – dort, wo man auf Auflage schielt und die Umsätze mehr als seine Sätze zu achten hat.

Kameraden sind verzichtbar

In einer FAZ-Sprachglosse beklagt der dortige Polit-Rechtsaußen Jasper von Altenbockum die Monopolisierung des Wörtchens ‚Kamerad‘ durch Rechtsextreme. Wie unbefangen würden dies Wort doch die Franzosen verwenden, die auf einem sozialistischen Parteitag unbeirrt von ihren „chers camarades“ sprächen. Worauf die Glosse hinauswill, wird mir in der Folge nicht recht klar … vielleicht soll ja der deutsche Bundestagspräsident die versammelten Parlamentarier wieder öfter als „Kameraden“ begrüßen?

Der unterschiedliche Umgang mit dem Wortbestand in beiden Ländern ist allerdings interessant. Was vor allem daran liegt, dass das Wörtchen ‚Kamerad‘ in Frankreich nie in dem Ausmaß dem Militär in die Hände gefallen ist und damit halbwegs zivil blieb. Während es hierzulande durch das Militär erst seine heutige Verlogenheit gewann. Denn im ursprünglichen Wortsinn sind ‚Kameraden‘ schlicht nur Leute, die eine Schlafkammer teilen (‚camera‘). Das Wort beschreibt also gleiche Lebenslagen und passt somit auch gut zu den französischen Sozialisten mit ihrer ‚Egalité‘. Die deutschen Sozialdemokraten mussten hingegen auf gleichen Genuss, auf die ‚Genossenschaft‘ ausweichen, um den erwünschten Stallgeruch zu erzielen. Weil nämlich in der Nachfolge der Romantik das Wörtchen seinen militärischen Beiklang schon gewonnen hatte, es war vom Feind okkupiert. Bei uns sind deshalb heute alle Sozen zu Genossen statt zu Kameraden mutiert, die halbwegs Gleiches genießen. Wer also Austern statt Linsensuppe schlürft, kann daher niemals im Wortsinn ein ‚Genosse‘ sein … das Cohiba- und Dissidenten-Problem der Schröder, Hombach usw. findet hier seine Lösung.

Ludwig Uhland dichtete im Vorfeld der Befreiungskriege, als die deutschen Spätromantiker überall Geheimbünde und antinapoleonische Freikorps bildeten. Im Jahr 1809 entstand das Lied vom „guten Kameraden“, das den ganzen Kameradschaftskummer in Deutschland auslöste. Es ist eines der wenigen Gedichte, das besser nicht geschrieben worden wäre. Seither jedenfalls wird die Ode vom zufälligen Soldatentod an jedem ‚Heldengedenktag‘ an all unseren Kriegerdenkmälern gesungen, umgeben von blinkenden Orden, schmetterndem Blech und zitterndem Parkinson.

Weiterlesen

Vom Verlag zum Portfolio

Thomas Düffert: „Wir werden die Konzerngröße natürlich nutzen, um Prozesse weiter zu vereinheitlichen und zu optimieren, die Effizienz zu steigern, aber auch um Produkte und Geschäftsmodelle auf den Gesamtkonzern auszurollen.“ (Wir werden unsere publizistische Einheitssoße dem Massengeschmack entsprechend abschmecken …)

Siegfried Jacobsohn: „Normaliter sollten auf die erste Seite 46, auf die drei folgenden je 47 Zeilen kommen. Aber auf die erste können auch 45 und 44, auf die zweite und dritte auch 46, auf die vierte noch weniger kommen. Zuwenig Text schadet also fast nie. … Ist der Artikel mehr als vier Seiten lang, haben Sie plein pissoir zu streichen.“ (Der Mann kam vom Handwerk, er trug noch eine Uhrmacherlupe beim Verlagsgeschäft …)

Thomas Düffert: „So mancher Artikel ist zu weit weg vom Leser geschrieben, manches Foto ist ohne Aussagekraft. Unsere Zeitungen im Berliner Format sind im Mantel zu textlastig. Ich denke, wir können hier und da besser werden. Und gerade dafür brauchen die Redaktionen Freiraum. Den bekommen sie nicht, wenn jeder einzelne Titel versucht, den Mantel mit eigenen begrenzten Bordmitteln und Kapazitäten zu füllen.“ (Freiraum gibt’s also nur dann, wenn weniger Leute weniger schreiben müssen …)

Siegfried Jabobsohn: „Doch nicht diese griesgraue Abstraktheit! Konkretheit, Anschaulichkeit, ein bißchen Augenblicklichkeit! Ströbels Artikel ist der einzige, der halbwegs noch mit dem Tage oder der Woche zusammenhängt: den darf man wirklich nicht durch einen schlechten Titel meucheln.“ (Der Mann las noch, was er drucken ließ …)

Thomas Düffert:„Wir haben so viele gute Journalisten im Konzern. Warum sollten denn nicht einige davon für mehrere Titel schreiben?“ (Damit man vielleicht nicht mehr ganz so viele gute Journalisten auf den Gehaltslisten führen muss?)

Siegfried Jacobsohn: „Ja, was wollen Sie denn sonst für den Rest Ihres Lebens tun, als in einer Vierzimmer-Wohnung Feuilletons schmieren? In einer Zweizimmer-Wohnung? Wir zwei Beide sehen uns noch im Zuchthaus wieder. Dann besuchen wir uns immer hübsch umschichtig.“ (Gewissermaßen gingen Verleger und Schreiber damals noch Arm in Arm, und sei’s in den Knast …)

Thomas Düffert: „Wir [haben] auch Titel im Portfolio, bei denen eine Weiterentwicklung vonnöten ist. Aber dieses Problem ist erkannt, und wir arbeiten daran.“ (Weiterentwicklung meint hier doch wohl eher Abwicklung …)

Siegfried Jacobsohn: „Wir wollen weniger (von Mitarbeitern) erhoben und desto mehr (von Kohlköppen) gelesen sein.“ (In dem Punkt glichen sich die Ziele, nur die Mittel haben sich verändert …)

Alle Jacobsohn-Zitate aus dem Band: Briefe an Kurt Tucholsky 1915 – 1926

Fleischhauers Welt

Ein „schrecklicher Fehler“ reicht in unserer Gesellschaft schon aus, „um vor dem Moral-Standgericht zu landen.“ Vermutlich und bien au contraire würde man nach einem ‚leichten Fehler‘ von diesem Gericht sogar einen Freispruch erdulden müssen. So ungerecht geht es in unserer Öffentlichkeit zu!

Eher hoffe ich bei einem Eisbären auf vegetarische Ernährung als bei Jan Fleischhauer auf Logik …

Selbstbeschimpfung

Im ‚European‘ rastet Malte Lehming aus: Die beispiellose ‚Medienkampagne‘ gegen unseren Bundespräsidenten lässt ihn moralisch überschäumen, obwohl doch ‚El Presidente‘ mit seinem laxen Kreditverhalten und kommunikativen ‚Auslassungen‘ hochgemut selbst in jene Grütze ritt, in der er jetzt zu versinken droht. Vor allem die Journalisten stehen im Kreuzfeuer Lehming’scher Empörung. Der Meinungschef des ‚Tagespiegel‘ nimmt sich seine eigene Kaste geradezu grobianisch zur Brust:

„Weil der eigentliche Anlass zu banal ist, wird die inszenierte Empörung über die Banalität als Grund für einen Rücktritt instrumentalisiert. Und weil die Diskussion, die man selbst krampfhaft am Leben hält, nicht abebben will, muss sich der Präsident gefälligst fragen lassen, ob er das Amt durch seine Sturheit, in demselben bleiben zu wollen, nicht beschädigt. Perfider geht’s kaum.“

Da mag ja etwas dran sein – auch wenn sich der niedersächsische Aufsteigertypus allzu gern im Glanz und Glamour des Geldes gesonnt hat, um überzeugend die Unschuld vom Lande zu mimen. Wenn aber ein Kommentator, der seit 2005 die Meinungsseite beim Tagesspiegel leitet, im ‚European‘ gegen eine journalistische Praxis wütet, obwohl seine Leute beim ‚Tagesspiegel‘ höchstselbst einen Teil dieses Rudels bilden, dann riecht für mich die ganze Empörung doch stark nach Rechte-Tasche-linke-Tasche, nach Hochgequirltem und nach Pseudo-Moralismus:

„Wie sich nun zeigt, war selbst diese, mit der Bemerkung des Bedauerns dargereichte Erklärung nur scheinbar exakt. Ein falscher Eindruck konnte nicht nur entstehen, nein: er sollte es ganz offensichtlich – und das ist ein gravierender, für Wulff gefährlicher Unterschied.“

Fehlt eigentlich bloß noch die Rücktrittsforderung vom zweiten Dreibein herab, dort in Malte Lehmings ‚Tagesspiegel‘, wo der Herr auf der zweiten Hochzeit tanzt …

Ältere Beiträge

© 2017 Stilstand

Theme von Anders NorénHoch ↑