Stilstand

If your memory serves you well ...

Monat: Oktober 2011 (Seite 1 von 3)

Der Ulf wieder!

Der gute Mann vermisst, und das auch noch direkt nach seiner letzten proktologischen Erstbesteigung des Piz Merkel, jetzt in den Kaldaunen der CDU etwas, was dort gar nicht zu finden ist:

„Mit ihrem Vorstoß für den Mindestlohn will Angela Merkel der SPD den Wind aus den Segeln nehmen. Dafür riskiert sie das Profil der CDU.“

Wann bitte hätte die Union – und zwar seit den Zeiten der seligen Ostverträge – jemals so etwas wie ‚Profil‘ gehabt?

Realsatire

Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, Horatio, die sind poetologisch oder in der gewohnten Schriftform gar nicht zu toppen oder: Wofür sie besonders schwärmen, ist’s, alten Käse ewig aufzuwärmen. Und zwar in möglichst schlechter Sprache und ausgelutschtesten Kalauern – vielleicht aber redet man heute auch nur noch so daher: „Was wir am Ende gebrauchen, ist ein Wirtschaftssystemen, was nicht am Ende drei Stufen weniger, sondern Wohlstand vor alles stellt“. Ja, denn man tau, oder wer nichts wird, wird Volkswirt – blamiert haben sich da übrigens alle Parteien …

Via: Spiegelfechter

Schuldenschnitter

Dass der Schieberramsch, denn unsere Bankster dort mit ihren längst komplett wertentwerteten Junk-Papieren spielen, jetzt auch noch als ‚Schuldenschnitt‘ geadelt wird, das ist die dreisteste Sprachlüge seit langem.

Stehen oder Gehen?

Merkel erwartet noch viele Schritte im Kampf gegen die Euro-Krise.“

Beste Frau Merkel, Schritte muss man (oder frau) auch machen. Wer, wie an einer Haltestelle, lässig und fahrplanfixiert den Bus nach Irgendwo im krisengeschüttelten Eurostan „erwartet“, der erwartet schlicht ein Niemals – ganz wie die Jungs im Theater den Godot. Allerdings kann Ihr sprachlich prognostiziertes Fehlverhalten natürlich wieder mal am bildfernen Focus-Stil und dessen burdadaistisch dahingehuschten Headlines liegen. Dem Verfasser, diesem „hei/dapd/dpa/AFP“ aus dem Stamme der Patschwörker prophezeie ich jedenfalls eine große Karriere – da klingt schon alles haargenau wie die Zukunft des Journalismus …

Wohlgetöse im Gekröse

Kanzlerin Angela Merkel ringt momentan Tag und Nacht um die Rettung unseres Wohlstands. In Deutschland wird das nicht gesehen, geschweige denn wertgeschätzt.

Ach, wie sie dort ringt, besonders nachts, und wie sie den Sarkozy gerade mit einem derivatären Riesenhebel und mit gekonntem Hüftwurf auf die diplomatische Matte warf – tscha, Hofjournalismus, Geflöte oder Mausitum hieß diese devote Stilform früher mal, heutzutage fiele mir eher etwas Spinndoktorisch-Proktologisches ein …

Slimm is dat, danz slimm!

Alle wollen den toten Gaddafi sehen. Es wird kein Eintrittsgeld verlangt im Museum des Krepierten. Der Tote hat eine braune Hose an, der Oberkörper der Leiche ist nackt. Blutergüsse zeigen, dass der Körper geschlagen wurde.“

Jaja, bester Franz Josef Wagner, und auf der gleichen Bild-Zeitung, die mit Hilfe deiner Krokodilstränen diesen Sermon druckt, da prangt vorn auf dem Titel das blutige Bild dieser Leiche in ihrer ganzen Pracht. Nu bild‘ dir mal deine Meinung …

Riecht stark nach Bockmist

Wer argumentativ ebenso wöchentlich wie notorisch unterhalb jeder intellektuellen Satisfaktionslinie herumklempnert, wem zugleich, der Himmel weiß aus welchen Gründen, trotzdem ein großes und relevantes Forum geboten wird, der fühlt sich natürlich ungerecht verfolgt, sollte dem werten Publikum dieses geistige Unvermögen tatsächlich auch auffallen, wohl weil das seinem Bild vom Publikum widerspricht: „Meinungsfreiheit ist nicht jedermanns Sache. Das bekommt auch der Autor dieser Kolumne regelmäßig zu spüren, wenn er von Lesern für seinen Beitrag massiv im Forum angegriffen wird.“ Stolz leckt sich der fast schon fäkal geehrte Autor in olfaktorischer Unempfindlichkeit dann jene invektiven Wunden, die größtenteils entstanden, weil eine große Zahl von Lesern einem Stinkstiefel auf die Zehen traten. Immerhin liefert mir dieser Sachverhalt den besten Beweis dafür, dass sich unser Volk medial doch nicht komplett und rückstandsfrei verblöden lässt …

Bimm, bamm, bumm!

Auf allen Redaktionssesseln reißen jetzt die Glöckner an den Seilen ihrer Lieblingsmetaphern, ganz so, wie es ihnen die große Stanzenhexe befahl, es ist zwölf Uhr mittags allerorten:

„Jetzt schlägt für das neue Regime die Stunde der Wahrheit.“

„Jetzt schlägt in Libyen die Stunde der Wahrheit.“

„Stunde der Wahrheit für das neue Libyen.“

Und so weiter, und so fort im großen Bimmbammborium … meine Zwiebel zeigt jetzt 9:30 Uhr, von einer ‚Stunde der Wahrheit‘ weiß sie nichts.

Verlage können alles

Naja, fast alles. Außer Internet: ‚Aus für das WAZ-Portal “Der Westen.“‚

Wie das Wie journalistisch wurde

Das, was man einmal als “Leitmedien-journalismus” bezeichnet hat, ist passé. Wir setzen keine Agenda mehr – auch keine Agenda links der Mitte -, sondern schreiben höchstens noch ab von den Sitzungsprotokollen der anderen.

Journalismus ist heute ein Nacherzählen aus dritter Hand. Die Fakten sind dem Publikum längst bekannt, dann, wenn der Journalist um die Ecke gewackelt kommt. Wenn der ‚rasende Reporter‘ Geschichte ist, kommt es auf die Qualität der Geschichte an, um einen Rest an Relevanz zu bewahren …

Ältere Beiträge

© 2017 Stilstand

Theme von Anders NorénHoch ↑