Stilstand

If your memory serves you well ...

Monat: Januar 2009 (Seite 1 von 3)

Die semantischen Felder

Präzise und genau zu schildern, was offen vor Augen liegt, das genügt nicht, um gut zu schreiben. Alle Schilderung von Landschaft ist immer auch Schilderung von Bedeutung. Wenn Büchners Lenz ins ‚Gebirg‘ geht, dann geht es nicht um graue Granitfelsen, sondern um das, was „in der Brust drängt, wenn das Gestein so wegsprang„. Und schon befinden wir uns auf den semantischen Feldern, den ‚beseelten Landschaften‘ der Literatur …

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Bad Bank?

Adjektive sind eine schillernde und trügerische Sache. Oft wecken sie gerade Zweifel an jener Eigenschaft, die wir mit Hilfe des Adjektivs betonen oder herausstreichen: So legt der Begriff ‚Bad Bank‘ uns nahe, dass eine ‚Good Bank‘ zurückbleiben würde, wenn die Banker dem Staat ihren selbstproduzierten Giftmüll aufs Auge drücken dürften. Dabei wird doch jede Bank, die mehr Geld ausleiht, als sie selbst an Eigenkapital besitzt, beim Eintritt einer Krise automatisch zu einer ‚Bad Bank‘. Also alle – womit der Begriff ‚Bad Bank‘ schlicht eine Tautologie ist, so etwas wie ein ‚lauter Trommler‘ oder ein ‚duftender Furz‘. Oder sehe ich da etwas falsch?

Denkfutter

Wenn Sie Schriftsteller werden wollen, müssen Sie vor allem zweierlei tun: viel lesen und viel schreiben. Um diese beiden Dinge kommen Sie nicht herum, nicht daß ich wüßte. Da gibt’s keine Abkürzung.  … Von jedem Buch, das man in die Hand nimmt, kann man etwas lernen, und oft sind es die schlechten Bücher, die mehr lehren, als die guten“.

Stephen King

Mal ’ne Umfrage:

Diese Bloghütte dort oben, die auf mich immer etwas ‚kindlich‘ und verspielt wirkt, sollte ich die vielleicht abreißen und stattdessen etwas Seriöseres wählen? Vielleicht in der Art:

Verbrannte Wörter

Unsere Wirtschaftseliten – wenn jemand diese Figuren in Zeiten der selbstverursachten Finanzkrise noch so nennen will – die pflegten einen Sprachgebrauch, der von anderen Zeitgenossen wahlweise als ‚Bullshit‚, als ‚typisches Managergebrabbel‚ oder – von den willigen Nachahmern – als ‚Sprachideal‚ betrachtet wurde. Heute, wo diese Eliten sich eher als neoliberale Geisterfahrer auf dem Highway Richtung Zukunft erwiesen haben, da will ihr Gebrauchtvokabular in den Hirnen des Publikums nicht mehr so recht zünden. Einige Beispiele:

„Nicht zum Nulltarif zu haben“: Was war nicht alles ’nicht mehr zum Nulltarif zu haben‘: Gesundheit, Trinkwasser, Heizenergie, Transport von A nach B – jede Erhöhung der Preise durch private Investoren wurde von diesem Spruch begleitet. Heute dagegen wären selbst isländische Banken zum Nulltarif zu haben, Pessimisten reden von ganzen Staaten, die demnächst zum Schnäppchenpreis auf den Markt kommen sollen. Kurzum: Diese Redewendung entlarvt jeden Sprecher als hoffnungslos hinter der Zeit zurück …

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Ein Medium für jedermann?

In der Jugend mag uns das noch so vorkommen: Da wird gesimst und gechattet, was die Tastatur aushält. In den Pubertätsecken des Internet blühen die intimen Konfessionen wie einst im ‚lieben Tagebuch‘: „Boaar, hastu den Kenny gsehn, ej! Den könnt ich fielleich – ej. Ir wist ja nix fon Liebe – ir Schlampn!“ [Zeichensetzung halbwegs normalisiert] …

Das Internet – sagen wir’s, wie’s ist – steckt voller ‚Mist‘: 99,9 % der Botschaften interessieren niemanden – nur den Absender. Das alte grundlegende Problem allen Schreibens bleibt im WWW erhalten: Man muss schon etwas zu sagen haben, damit man etwas schreiben kann – und es ist ein verdammt langer Weg vom Kopf auf den Bildschirm, und ein noch längerer von dort in den Kopf des Lesers.

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Ordograffie?

Wer fehlerhaft schreibt, wer den Leser bei fast jedem Wort zwingt, zu erraten, was der Schreiber mit diesem Buchstabenhäufchen ‚eigentlich‘ mal gemeint haben könnte, der findet nicht viele Leser. Deswegen erlernt auch das anarchistischste Plappermäulchen aus der regelarmen Teenie-Community irgendwann die ‚richtige‘ Schreibweise. Das Medium erzieht sich seine Schreiber.

Damit haben sich dann nicht die ‚bürgerliche Repression‚ und die ‚kapitalistische Dressur‘ durchgesetzt, wie dies einige linke Regelallergiker gelegentlich noch meinen, sondern schlicht der gesunde Menschenverstand: „Wenn ich schreibe, will ich gelesen werden. Folglich schreibe ich am besten so, dass ich gelesen werde„.

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Denkfutter

Bei diesem Satz brachte ich die Public-Relations-Agenturen, die Lobby-Lungerer und ihre Corporate-Governance-Programme gar nicht mehr aus dem Sinn:

„Der berufsmäßige Lügner übt, die Wahrheit zu sagen. Er verspricht, was er sagt, ehrlich zu sagen; alles zu sagen, verspricht er nicht“.

(Günter de Bruyn: Zwischenbilanz)

Parallelführung

Ein armes Würstchen ist ein Würstchen. Ein reiches Würstchen ist ein Mann, der zu leben weiß.

Eine dumme Kuh ist dumm. Ein dummes Model ist sexy.

*** to be continued ***

Aberwitz und Langeweile

Bestätigte Erwartungen sind ein Quell von Langeweile. Nehmen wir eine Erzählung, wo nächtens ein schrecklicher Mord passiert, wo zwei Liebende sich unter dem Honigmond finden oder wo es mir endlich gelingt, durch einen schrecklichen Autounfall zwei Personen im Blaulichtgeflacker auf feuchtem Asphalt aus meinem Roman zu eliminieren. Weil ich längst nicht mehr wusste, wohin mit ihnen.

Und dann? Dann heißt es: „Die Sonne ging auf“. Ja, so hat es niemand gern: Schwaches Verb, abgenudelte Phrase, Leser gähnt. Witziger ist da fast noch der Polizeibericht, wo es heißt: „Der Sonnenaufgang hatte zum Zeitpunkt des Auffindens des Leichnams bereits eingesetzt“.

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