Stilstand

If your memory serves you well ...

Monat: September 2008 (Seite 2 von 5)

Zufall oder Negation?

Manchmal stoßen einem Zusammenhänge auf, die zunächst völlig schrullig und fernliegend scheinen – bei näherem Nachdenken aber dann doch an Plausibilität, zumindest aber an ‚Denkwürdigkeit‘ gewinnen. So fragte ich mich gestern im Zug, weshalb eigentlich so viele ablehnende oder verneinende Worte – nicht nur im Deutschen – mit dem Konsonanten N beginnen:

– nein
– nichts
– nie
– nirgends
– niemand
– non
– no
– nothing
– nevermore
nada
– njet
– nitschewo
usw.

Und dann fiel mir plötzlich meine Mundstellung auf, die ich unwillkürlich einnehmen muss, sobald ich ein Wort, das mit N beginnt, aussprechen soll: Im Grunde fletsche ich die Zähne wie ein Hund, der es konsequent ablehnt, dass ein anderer sich an seinem Knochen vergreift. Ist das wirklich alles nur Zufall?

Die Kausalkette

Die Kausalkette – in der Rhetorik auch ‚Argument der Transitivität‘ genannt – ist weniger logisch, als sie uns erscheint. Deshalb ist sie ja auch so beliebt. Formal geht es hierbei um die folgende Satzfigur:

Wenn A zu B wird, dann wird B zu C, woraufhin C zu D wird usw.

Da das aber arg mathematisch aussieht, was bekanntlich viele Leute abschreckt, stellen wir den Sachverhalt einfach mal lebensweltlich dar, an einem alten chinesischen Beispiel, wo man die logischen Dominosteine recht schön kippen sieht:

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Denkfutter

Wer gute deutsche Aufsätze macht, wird in der Regel ein Kommis. Wer schlechte macht und dafür im Lateinischen besteht, wird wahrscheinlich ein Schriftsteller.“

Karl Kraus

Die PR-Schlüssel-Faktoreros

Heute habe ich all meinen Mut zusammengenommen: Ich habe zwei tiefe Lungenzüge aus meiner alten verstaubten Kawumm genommen, die seit den Studententagen hier herumliegt, nur um denktechnisch den Konfuzius in mir zu wecken. Danach habe ich erst einmal eine halbe Stunde meditiert, halblaut ‚Ommmmm‘ vor mich hingebrummt, bis endlich die große Klarheit einsetzte. Daraufhin klemmte ich mich erneut hinter diesen PR-Satz, den ich ums Verrecken nicht kapiere:

„Kommunikation ist zweifellos der Schlüsselfaktor bei der Vermarktung neuer Technologien.“

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Der Journalismus ist kein Stilideal

Die Printlandschaft ist längst kein ‚Pull-Medium’ mehr, das sein Publikum mit brandaktuellen Nachrichten, mit unwiderstehlichen Erzählungen oder überraschenden Einsichten anlocken würde, so wie die Blüte die Bienen. Das Publikum und sein Interesse an ‚Welterläuterung‘ bestimmen über das Geschäft mit der Information nur am Rande noch mit. Im Gegenteil – das Interesse des Publikums für Dieter Bohlens Schandmaul oder das fehlende Höschen von Britney Spears ist zunächst noch gar nicht vorhanden. Es muss regelmäßig erst geweckt werden durch einen Kollektivjournalismus, der für mediokre Themen Relevanz suggeriert – ein Nichts wird journalistisch hochgeschäumt.

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Denkfutter

Mir fiel dabei wieder ein, was Professor Direktor Ewald vor etwa zwanzig Jahren mal im August v. Heydenschen Hause zu mir sagte: „Wissen Sie, Schriftstellerei ist eigentlich gar keine Kunst.“ Ich fand es damals nicht sehr verbindlich gegen mich, und verbindlich finde ich es auch heute noch nicht. Ich habe aber längst zugegeben, daß es wahr und richtig ist. Nur Verse, namentlich schwierige, sind eine Kunst. Alles andere kann jeder Gebildete, und unendlich oft macht es der Laie besser als der Fachmann, weil er frischer und naiver ist.“

Theodor Fontane

Die magische Inversion

Dein Text soll ein wenig mystisch klingen? Ein hymnischer Tonfall soll ihn beseelen? Kein Problem, denn das alles ist weniger eine Frage hochtönenden Vokabulars, sondern eine Frage der Wortstellung im Satz. Insbesondere die Inversion, das ‚Verdrehen‘ der Satzglieder, macht auch aus Lieschen Müller im Handumdrehen eine neue Pythia.

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Politlyrik

Das Bild sie sollen lassen stahn:

„Mein Wunsch ist und bleibt es, die Spitze der Partei breit aufzustellen.“

So breit kann ich gar nicht sein, dass ich hinter einer solchen Metapher nicht den Schwarzen Krausen herausriechen würde …

Zielgruppengerecht?

Wer schreiben möchte, muss wissen, für wen. Sagen uns die wohlbejahrten Stilberater für Wort und Schrift. Das „was“ wäre erst einmal gar nicht so wichtig, denn das Produkt könne man der Zielgruppe mit Hilfe eines Textes auf den Leib „schneidern“ wie der Wolf seinen Journalistikschülern die ewig gleichen Weisheiten.

Soll sich also eher die fesche Supermarktkassiererin mit einem bewusst schlicht gestrickten Elaborat amüsieren, oder will ich den Akademiker packen, um dessen Lesegunst ich glaube, mit allerlei „Fachchinesisch“ buhlen zu müssen? Wer’s glaubt, wird jedenfalls komisch. Das Resultat ‚zielgruppengerechten‘ Schreibens klingt nämlich oft so, wie das untertänigst hingehauchte Vergewurstel dieses kochaffinen Schreibgenies, das unserer „Haute Wolaute“ als amuse gueule sprachlichen Wahnsinn in einem Soufflé von ausgesuchten Überkandideleien kredenzen möchte:

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Da ist mir Bunz wie Strunz!

Wir Blogger liebten es kuschelig, heißt es. Wenn uns jemand etwas Böses wolle, dann bilden wir einen ‚wilden Schwarm‘, der den fiesen Angreifer umsurre wie die Hornissen den honiglüsternen Pu-Bären. Einig aber seien wir uns immer dann, wenn es gelte, den blöden Holzmedien ans Bein zu pinkeln. Eine wirkliche Blogkritik aber, also fundierte Kritiken eines Blogs am anderen Blog – mit Ausnahme plötzlicher Anfälle ökonomisch motivierter ‚Motzbloggerei‘ – die fänden kaum statt. Nun gut, das lässt sich ändern.

Weil erst der Doppeloxer ein Turnier interessant macht, will ich mich ganz kavaliersmäßig zudem an einer Frau versuchen. Ich rede also über Mercedes Bunz, deren Texte ich um so weniger verstehe, je genauer ich sie lese. Das mag an mir liegen, oder an ihr. Wobei ich der zweiten Möglichkeit zuneige. Die Online-Chefin des Tagespiegel führt übrigens ihr Blog hier.

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